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Kenny Wayne Shepherd / Ledbetter Heights (30th Anniversary Sessions) – CD-Review

Kenny Wayne Shepherd / Ledbetter Heights (30th Anniversary Sessions) – CD-Review

Kinder, wie die Zeit vergeht! Da veröffentlicht ein gerade 18-jähriger Jungspund im Jahr 1995 sein Erstlingswerk "Ledbetter Heights", stürmt damit die Blues-Charts, erhält sehr bald dafür Goldene CDs und später ebensolche aus Platin, und startet damit eine beachtenswerte Karriere.

RockTimes gab es zu jenem Zeitpunkt noch nicht, und so verwundert es nicht, dass sich dort keine Besprechung der Scheibe findet. Dennoch hat das Magazin in der Folgezeit vielfach über KWS – und stets positiv – berichtet; auch das Debüt wurde hier vom geschätzten Olli äußerst wohlwollend angesprochen.

Und aktuell? Wie bereits hier angekündigt, haut KWS jetzt – leicht verspätet – zum 30. Geburtstag des Albums eine komplette Neueinspielung seines Erstlings raus. Wohlgemerkt: eine Neueinspielung, und nicht – wie bei anderen Musikern durchaus nicht unüblich – ein 'Re-issue', möglicherweise lediglich neu abgemischt oder auch nur digital überarbeitet (wie bspw. "A New Day Yesterday" bzw. – 20 Jahre später – "A New Day Now" von Joe Bonamassa, wo lediglich ein neuer Produzent die alten Bänder bearbeitet hat). Nein: hier bekommt man eine wirkliche Neueinspielung des alten Materials mit nahezu komplett neuer Mannschaft; lediglich der Drummer Chris Layton war bereits beim Erstling mit dabei. 'Komplett neue Mannschaft' bezieht sich allerdings nur auf eben dieses Album; die Musiker sind durchweg seit vielen Jahren bei KWS mit dabei, der Sänger Noah Hunt z.B. seit exakt 30 Jahren.

'Komplette Neueinspielung' bedeutet andererseits aber auch nicht, dass die Songs jetzt deutlich anders klingen, frei nach dem Motto 'Heute hätte ich die Songs ganz anders komponiert bzw. interpretiert' (auch für derartige 'Neueinspielungen' gibt es in der Musik genug Beispiele, so u.a. BAP mit dem Album "Dreimohl zehn Johre", auf dem Songs der ersten dreißig Jahre der Band völlig neu interpretiert wurden).

Ganz neu ist dieses Konzept der kompletten Neueinspielung auch für KWS nicht. Bereits vor vier Jahren 'coverte' er mit seiner aktuellen Band sein zweites, im Jahr 1997 erschienenes Album "Trouble Is…" zu dessen 25-jährigem Jubiläum und veröffentlichte es zusammen mit einem diesbezüglichen Konzert-Video sowie einer filmischen Dokumentation über die Geschichte des Albums.

Zurück zur vorliegenden Veröffentlichung: Beim ersten Reinhören klingen die Neueinspielungen überhaupt nicht neu; genau genommen klingen die Jubiläums-Versionen sehr ähnlich wie die Originale. Man muss schon genau hinhören, wenn man Unterschiede heraushören möchte. So sind die neuen Versionen deutlich transparenter. Auch wenn KWS, der ja nicht als der stärkste Sänger bekannt ist, seinerzeit mit Corey Sterling einen guten Shouter mit an Bord hatte, klingen die aktuellen Gesangsparts von Noah Hunt nicht nur vertrauter, sondern auch voluminöser. Bestes Beispiel hierfür ist m.E. der Blues "Shame, Shame, Shame".
Die nicht zu verleugnende Ähnlichkeit kann man langweilig finden. Ich sehe sie als Bestätigung dafür, dass die alten Stücke wirklich zeitlos sind und auch heute noch modern klingen.

Dass die Songs tatsächlich neu eingespielt wurden, merkt man schließlich auch an der um immerhin vier Minuten längeren Laufzeit der Scheibe; insbesondere das gefühlvolle "While We Cry" – damals wie heute die einzige Live-Aufnahme auf dem Album – erhält mit einem Plus von knapp zwei Minuten eine verdiente 'Verlängerung'. Hingegen kommt das zweite Instrumental-Stück, das Titel-gebende "Ledbetter Heights" leicht verkürzt daher, aber wiederum deutlich transparenter als das Original, und lässt unschwer erkennen, dass KWS in dreißig Jahren nichts von seinen Frickeleien-Künsten auf der Gitarre verlernt hat.

"Ledbetter Heights" war – und ist – ein gelungenes, abwechslungsreiches Album, das jedem Blues-/Bluesrock-Fan gefallen dürfte und – in welcher Version auch immer – in keiner Sammlung fehlen sollte.

Abschließend noch der Hinweis auf ein kleines optisches Gimmick des Albums: Hat man das Original-Cover verinnerlicht, denkt man beim flüchtigen Blick auf die Jubiläums-Ausgabe, dass dieses beibehalten wurde und lediglich am unteren Rand mit dem Hinweis auf die "Anniversary Sessions" ergänzt wurde. Tatsächlich wurde auch das Original-Cover ’neu eingespielt', indem der aktuelle KWS in alter Manier und Umgebung abgelichtet wurde und den Jungspund von damals ersetzt. Gleiches gilt für die Rückseite des Klappcovers. Innen wurden Fotos der aktuellen Sessions abgebildet, während in dem beiliegenden Booklet Fotos von damals enthalten sind. Da sieht man doch, welche Veränderungen dreißig Jahre so mit sich bringen!


Line up Kenny Wayne Shepherd:

Kenny Wayne Shepherd (lead guitar, vocals)
Noah Hunt (lead vocals)
Chris 'Whipper' Layton (drums)
Kevin McCormick (bass)
Reese Wynands (lkeyboards, B-3)
Jessica Waltz (background vocals)

Track-Listing Ledbetter Heights (30th Anniversary Sessions):

  1. Born With A Broken Heart (4:42)
  2. Deja Voodoo (6:27)
  3. Aberdeen (4:18)
  4. Shame, Shame, Shame (6:55)
  5. One Foot On The Path (3:50)
  6. Everybody Gets The Blues (5:56)
  7. Anywhere The Wind Blows (5:30)
  8. While we cry (live) (8:14)
  9. I’m Leaving You [Commit A Crime] (5:31)
  10. [Let Me Up] I’ve Had Enough (2:48)
  11. Riverside (4:16)
  12. What’s Goin' down (5:30)
  13. Ledbetter Heights (5:55)

Gesamtspielzeit: 74:22, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Jürgen Hauß

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