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Crimson Roots / Open Roads – CD-Review

Crimson Roots / Open Roads - CD-Review

Wenn es von der Band heißt, dass sie ihre Kompositionen tief aus dem Blues schöpft, dann ist dem zuzustimmen. Die Band aus Nürnberg legt mit "Open Roads" ihr Debüt vor und wer es nicht bereits seit September vergangenen Jahres als Digitalausgabe kennt, hat nun die Gelegenheit, die Scheibe als CD oder als rot schwarz mamoriertes Vinyl zu erwerben. Was das Vinyl angeht, sollte man sich sputen, denn die Ausgabe ist auf 500 Exemplare limitiert.

"Open Roads" ist ein Konzeptalbum und handelt von einer Person die sich auf die Reise macht, um nach dem Sinn des Daseins zu suchen. Dabei ist der Hörer eingeladen, sich selbst mit auf den Weg zu machen, bzw. an der Reise teilzunehmen. Thematisch besteht die Reise aus elf Kapiteln, die in je einem der Tracks behandelt werden. Es fallen Bergiffe wie Bewegung, Veränderung, Unsicherheit, Zusammenbruch, Widerstand, Unbekanntes, Erneuerung, Orientierungslosigkeit, Erinnerung, Angst, Schmerz und all die Dinge, denen man bei einer solchen Reise durch das Leben begegnen kann.

Schade, dass dem Album die Lyrics nicht beigelegt wurden, denn dann wäre es leichter, dem jeweiligen Thema der elf Kapitel bzw. Zustände zu folgen. Aber auch ohne die Stationen genauer zu kennen, ist es musikalisch ein Vergnügen, den Liedern zu lauschen.

Die Schöpfkelle wurde ja wie bereits erwähnt in den Blues getaucht. Aber da hat es jede Menge weiterer Zutaten, wie zum Beispiel eine kräftige Portion Soul, was vor allem an der Stimme der Sängerin Ina Salaj liegt, die gleich zu Beginn des Albums keinen Zweifel an der Kraft ihrer Stimmbänder aufkommen lässt. Vorbilder, die man bei Crimson Roots heraushört, umfassen jede Menge großer Namen aus der guten musikalischen Ära, die ich persönlich etwas mehr als 50 Jahre zurückdatiere. Aber ohne auch nur ein Flöckchen Staub zu finden, perlen die Songs aus den Membranen.

Es sind progressive und psychedelische Züge in verschiedenen Dosierungen zu vernehmen. Classic Rock-Anleihen in einer neuzeitlichen Spielart ergeben eine Mischung, die nicht nur durch die Stimme Inas fesselt, auch das Gitarrenspiel Kristi Dhimitris setzt an vielen Stellen Höhepunkte, denen man einfach nur begeistert zuhören kann. Es ist müßig zu erwähnen, dass die Rhythmiker Kolja Becker sowie David Vinogradov genau den passenden Teppich dazu weben. "Clocks" soll als adäquates Beispiele dienen, die Gänsehaut erzeugenden Orgeltöne von Idris Voegli zu erwähnen, die schwer über den Boden wabern, um der Gitarre von Kristi den Platz zu einem sphärischen Solo zu markieren. Zu diesem Stück heißt es auch »Es ist einer der nach innen gekehrtesten Momente des Albums, in dem die Reise stärker in die eigene Innenwelt führt«.

So geht die Reise durch die elf Titel und man kann eigentlich kaum sagen, auf welcher der Stationen man sich am wohlsten fühlt. Musikalisch natürlich, und da hat es viele Momente, die begeistern. "Nowhere" zum Beispiel geizt nicht mit einer souligem Latin Jazz-Note und so geht das weiter durch die komplette Platte. Man darf dem fränkischen Fünfer zu diesem Debüt gratulieren und das Album nicht allzu weit im Plattenregal verstauen, denn diese gut verteilte Mischung aus Prog, Psychedelic, Blues und allerlei weiteren Ingredienzien will man öfter hören.

Am Ende der Rezension gibt es als Appetizer das offizielle Video zu "The Crossing". Dort  ist zwar einzig und alleine die Sängerin 'bei der Arbeit' zu sehen, aber die vier Mitmusiker im Boot sind absolut gleichwertige Mitreisende, denn nur zusammen ist man in der Lage, so einen Sound sowie diese Dichte und atmosphärische Tiefe zu kreiren.


Line-up Crimson Roots:

Ina Salaj (Gesang)
Kristi Dhimitri (Leadgitarre)
Kolja Becker (Bassgitarre)
Idris Voegli (Keyboard, Orgel)
David Vinogradov (Schlagzeug)

Tracklist "Open Roads":

  1. Drifting (3:27)
  2. Open Roads (3:51)
  3. Steps (3:20)
  4. Clocks (3:59)
  5. Nowhere (4:39)
  6. Falling Through (5:27)
  7. When (3:02)
  8. The Tower (5:13)
  9. The Crossing (3:58)
  10. The Crossing: Part II (4:16)
  11. Mountain (3:45)

Gesamtspielzeit: 45:01, Erscheinungsjahr: 2026 (2025 als Digitalausgabe)

Offizielles Video zu "The Crossing":

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
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