Im Saarland gibt es nicht nur Cryptor, sondern auch Shaytan, wobei es sich hier um den Bandnamen handelt. Klingt nicht unbedingt nach Saar, sondern eher nach Wüsten-Teufel. Das passt dann zu Stoner Metal, jedoch mit einem hohen Anteil Doom Metal, wobei auch orientalische Einflüsse angegeben werden.
Shaytan sind die Nachfolgeband von Demon Incarnate, die es von 2010 bis 2022 gab, was bedeutet, dass wir es hier nicht mit einer 'Anfänger-Band' zu tun haben. Die Erfahrung ist den Musikern spieltechnisch anzuhören.
Unter neuem Namen erschien zunächst "Chapter One" Nun folgt "II Incarnate". Dazu heißt es »Wo das Debüt "Chapter One" (2024) noch als Beschwörungsformel diente, steht das zweite Album für die Manifestation allen Übels in düsteren, aber auch melodischen Klängen«
Das Übel befindet sich jedoch anscheinend weder in der Wüste noch wie sonst meistens in den Tiefen der Hölle, sondern der Weg führt in die Höhe. »Der Sickle Moon (sickle englisch für "Sichel", moon englisch für "Mond"; auch Bharanzar) ist der höchste Berg im Kishtwar-Himalaya« – laut Wikipedia.
Also den Pfad auf der linken Seite hoch und rechts wieder herunter? Funktioniert dann besonders gut auf Vinyl.
Dabei ist "II Incarnate" gar nicht bergig oder frostig. Die Hülle mit den zwei gehörnten Totenköpfen (passend zu "II Incarnate") ist in orange gehalten – wie vermutlich auch die Verstärker von Shaytan. Diese sorgen bekanntlich für einen angenehmen warmen (retro-orientierten) Sound, sind damit genau richtig für Doom / Stoner und ähnliche Stilrichtungen.
Der Opener "The Sickle" legt gleich mit einem dementsprechenden fetten Riff los und suhlt sich danach in langsamen schweren Gefilden. "Left Hand Path" setzt den eingeschlagenen Weg fort. Für Auflockerung sogt "Bharanzar Pt. 1", denn es handelt sich hierbei – wie schon vermutet – um ein kurzes, ruhiges Instrumentalstück von etwas mehr als einer Minute, die Fortsetzung "Bharanzar Pt. 2" ist noch kürzer, dauert nicht einmal zehn Sekunden.
An dieses schließt sich "B.O.P." an, das von Demon Incarnate geschrieben wurde, was gar nicht auffällt. "Coda" beendet die Scheibe stark und hat einen versteckten zweiten Teil, also nicht direkt abschalten, nach 40 Sekunden geht es weiter.
Shaytan bewegen sich insgesamt zwischen den Welten, nicht nur wegen dem Gegensatz zwischen Wüste und Hochgebirge. Auch lässt sich die Herkunft schwer erraten bzw. einordnen, sie klingen weder (typisch) deutsch, noch wirklich nach einem anderen Land. Dies gilt bedingt außerdem für die musikalisch Ausrichtung, es ist zwar überwiegend Doom, aber nicht düster. Dazu kommt der Stoneranteil, dieser ist jedoch nicht so ’staubig' wie vielleicht bei dem Bandnamen zu erwarten wäre. Stellenweise scheint der Einfluss von US Epic Doom durch.
Dann gibt es noch die dezent im Hintergrund wirkende Hammond-Orgel, die ich zunächst gar nicht bemerkte, die jedoch kleine Akzente setzt und das Klangbild abrundet. Überhaupt, es lohnt sich auf Details zu achten, die vordergründig gar nicht auffallen.
Wer noch nach Musik für den Sommer sucht, sollte sich Shaytan mal anhören. Wobei "II Incarnate" auch danach noch ein reizvolles Scheibchen für Fans der erwähnten Richtungen ist.
Line-up Shaytan:
Kai Schneider (drums)
Jan Paul (guitars)
Jochen Klose (guitars)
Julian Küster (vocals)
Thorsten Jacob (bass)
Tracklist "II Incarnate":
- The Sickle
- Left Hand Path
- Bharanzar Pt. 1
- Crescent Moon
- Right Hand Path
- Bharanzar Pt. 2
- B.O.P.
- The Witness
- Coda
Gesamtspielzeit: 34:39, Erscheinungsjahr: 2026



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