Die griechische Götterwelt ist immer wieder gut für Bandnamen – und die Affären des Göttervaters Zeus sorgen bekanntlich stets als Stoff für Stories, so auch hier. In Wikipedia ist zu lesen:
»Melinoe ist die Tochter von Zeus und Persephone und wurde gezeugt, indem Zeus die Gestalt von Persephones Gatten Hades annahm. Geboren wurde sie an der Mündung des Unterweltsflusses Kokytos. Nachts sucht sie die Menschen mit Gespenstererscheinungen heim und treibt sie so in den Wahnsinn.«
Das ist dann doch etwas anderes als die sanfte Syrinx, mit der ich es neulich hatte. Und richtig vermutet, die Musik, die es hier auf die Ohren gibt, ist auch ganz anders: nämlich schwarzmetallisch.
Um bei Gegensätzen zu bleiben: Schlagzeuger Acherontios, der eigentlich Georgios Dosis heißt, ist seit vielen Jahren bei der Psychedelic Rock Band Le Mur. Er bewegt sich nun also in ganz anderen musikalischen Gefilden als gewohnt.
Warum auch nicht, Offenheit und Vielseitigkeit ist etwas Gutes. Er wirkt hier gar nicht fehl am Platz, sondern kann im Black Metal ebenfalls überzeugen. Gleiches gilt für die anderen drei Mitglieder der 2021 gegründeten Band aus Oberhausen. Es klingt danach, dass sie sich für dieses Genre entschieden haben, weil sie Spaß daran haben – nicht etwa, weil sie sonst nichts anderes spielen können. Von Dilettantismus also keine Spur.
"Aus der Asche" klingt recht melodisch und nicht so harsch oder kalt wie einige andere – insbesondere Skandinavier. Wobei ein Hauch nördlicher Dunkelheit schon vorhanden und das Ganze eindeutig Black Metal ist – mit den entsprechenden Vocals, die jedoch recht dezent keifend ausfallen. Bei "Hidden Worlds" gibt es einen gesprochenen Anfang.
Die drei Songs bewegen vorwiegend sich im Midtempo-Bereich und sind allesamt recht lang, was für die eher epische Ausrichtung spricht. Dabei sind eine gewisse Düsternis und Atmosphäre vorhanden.
Vornedran gibt es ein Intro, "Prolog: Erwachen" genannt. Gemeint ist damit die oben genannte Unterweltgöttin Melinoe, der der Titeltrack gewidmet ist, die sich aus der Asche (des Hades vermutlich) erhebt – wozu auch das Covermotiv passt. Gleichzeitig dürfte es symbolisch für die erste Veröffentlichung der nach ihr benannten Band stehen.
Melinoe erfinden auf dieser EP sicherlich das Genre nicht neu und bieten (noch?) nichts Besonderes, was jedoch heutzutage recht schwer ist in diesem Bereich und nur noch selten gelingt. Aber es bereitet dennoch Vergnügen, das Teil zu hören.
Black Metal-Fans, die es nicht so fies und rumpelig brauchen, machen also sicherlich nichts falsch, bei Bandcamp reinzuhören. Und eventuell dann das Teil, das als in düsteren Grautönen gehaltene Digi-CD kommt, für den teuflischen Preis von 6,66 Euro (was würde die Szene nur ohne diese Zahl machen …) zu ordern.
Ein gelungener Einstand – das Erheben aus der Asche – ist erfolgt und zeigt, dass Potential vorhanden ist. Mal schauen (hören), was noch kommt.
Line-up Melinoe:
Sturm (lead guitar)
Zorn (rhythm guitar, vocals)
Anagnorisis (bass, vocals)
Acherontios (drums)
Tracklist "Aus der Asche":
- Prolog: Erwachen (2:00)
- Melinoe (6:44)
- Aus der Asche (6:53)
- Hidden Worlds (7:08)
Gesamtspielzeit: 22:45, Erscheinungsjahr: 2025



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