Wenn eine Band John Carpenters "Apocalypse Trilogy" als Vorlage für drei Songs nimmt, hat sie sofort meine Sympathie. Denn ich mag diese Filme sehr, angefangen von "The Thing" (deutsch: "Das Ding aus einer anderen Welt") von 1982 über "Prince Of Darkness" ("Die Fürsten der Dunkelheit") von 1987 bis "In The Mouth Of Madness" (deutsch: "Die Mächte des Wahnsinns") von 1994.
Außerdem hat der kosmische Horror von H. P. Lovecraft im Saarland seine Spuren hinterlassen, direkt und indirekt. So ist zu lesen: »In 2019 the supernatural entity Cryptor emerged from the river Saar where the powerful being was imprisoned by a curse. He chose Gravety as the bearers of steel. Driven by Cryptor’s powers, the undead began writing and recording new songs« – alles klar, schon ist mein Interesse geweckt.
Nüchterner betrachtet gibt es die Band seit 2009. Ihr Debüt "Into The Grave" erschien 2012. 2021 folgte die Aufforderung "Bow Down" und nun 2026 "Of Cults And Chaos". Diese ist düsterer als zuvor, der Anteil des Epic Doom Metal im Verhältnis zum Epic (Heavy) Metal wurde erhöht.
Los geht es mit einer Beschwörung der Großen Alten im düsteren Opener "Lament For The Unknown". Nach Cthulhu geht es weiter mit dem Kollegen von der Saar, Cryptor, und (auf musikalischer Ebene) epischen Metal mit allem, was dazugehört, vom Gesang bis zu den Gitarren. »Rise! Cryptor rise"« möchte man einstimmen und der »entity older than time« huldigen.
"The Forgotten Village" setzt auf rifflastigen, vorwiegend schleppenden Heavy Metal. Mit "Bane In The Black Cloud" wird es dann etwas epischer mit einem ruhigen Anfang, auch später gibt es noch Stellen nur mit Gesang oder Sprechstimme zwischen Gitarrenparts. Etwas flotter wird es bei "Cosmic Truth", das inspiriert ist von HPLs "From Beyond" – siehe Zeilen wie »From beyond / Comes the cosmic truth« oder »Stimulate the conarium / Reborn in another dimension«.
Die finalen drei Songs sind die eingangs erwähnten von der "Apocalypse Trilogy" beeinflussten. »There is something strange going on at the outpost 31« – Carpenter-Fans wissen natürlich, was in diesem Außenposten passiert und ebenso, was die "Brotherhood Of Sleep" unter einer Kirche in L.A. macht. Zum Ende der Scheibe geht es dann nach Hobb’s End (bei "Into The Mouth Of Madness") – in diesem Stück gibt es schöne Gesangsparts, die für Atmosphäre sorgen, bis es kurz vor Ende mal etwas heftiger und flotter wird.
Ansonsten wird bei dieser Trilogie die bisherige Linie fortgesetzt, mal mehr episch, mal mehr heavy.
Auch unabhängig von den Horror- / SF-Inhalten – die das Ganze für mich jedoch reizvoller machen – ist Gravety hier ein tolles Scheibchen gelungen, das sich geschickt in den Bereichen Epic Doom Metal Metal / Epic (Heavy) Metal bewegt. Das Songwriting ist spannend, abwechslungsreich und mit vielen feinen Details gestaltet; mit Wechseln zwischen eher rifflastigen Passagen bzw. Power-Parts und ruhigen Momenten. Bei Letzteren überzeugt vor allem der Gesang von Kevin, der die Bandbreite der genannten Stilrichtungen meistert, von dramatisch bis düster-schön, auch die gesprochene Stellen sind gelungen.
"Of Cults And Chaos" lädt ein zum Eintauchen und 'Abhailen'. In diesem Sinne: Horns up!
Cryptor kann stolz sein auf seine stählerne Truppe, bei der es mich erstaunt, dass sie (noch) nicht bekannter sind. Vielleicht ändert es sich nun mit dieser Scheibe – verdient wäre es.
Line-up Gravety:
Simon Schmitt (bass)
Lukas Didion (drums)
Philipp Albert (guitars)
Gernot Gebhard (guitars)
Kevin Portz (vocals)
Tracklist "Of Cults And Chaos":
- Lament For The Unknown
- Cryptor’s Calling
- The Forgotten Village
- Bane In The Black Cloud
- Cosmic Truth
- Outpost 31
- Brotherhood Of Sleep
- Into The Mouth Of Madness
Gesamtspielzeit: 41:10, Erscheinungsjahr: 2026



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