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Carla Bley / Joyful Noise (Live in Hamburg 1984) – CD-Review

Carla Bley / Joyful Noise (Live in Hamburg 1984) – CD-Review

Die US-amerikanische Jazz-Komponistin, Pianisten, Organistin und Bandleaderin Carla Bley wurde geboren als Lovella May Borg und lebte vom 11.Mai 1936 bis zum 17.Oktober 2023. Ihre Eltern waren Schweden und als sie den Jazzpianisten Paul Bley traf, heiratete sie ihn und wurde zum Komponieren und Spielen von Jazz animiert. Dieses wurde ausgebaut durch den nächsten Ehemann, Michael Mantler, sodass eines ihrer Hauptwerke 1971 veröffentlicht wurde, das 3-LP- Album "Escalator Over The Hill", in drei Jahren eingespielt, eine Art 'Jazz-Oper'. Nachdem bei ihr 2018 ein Gehirntumor diagnostiziert wurde, legte sie 2020 ein letztes Album vor und starb dann drei Jahre später.

Doch diese Aufnahmen entstanden live im Hamburger Funkhaus, als sie hierfür von der Jazzredaktion des Norddeutschen Rundfunks (NDR) für dieses Konzert vom 14.März 1984 für einen Jazzworkshop eingeladen wurde, in Verbindung mit Michael Naura. In diesem Zusammenhang wurde Carla vom NDR beauftragt, ein Stück für den Jazzworkshop zu komponieren und aufzuführen. Hier ist es auf der zweiten CD dieser Doppel-CD, gleich der erste Song "Venus Fly Trap".

Noch kurz zu "Escalator Over The Hill", dadurch lernte ich Carla seinerzeit musikalisch kennen, 1971 faszinierte mich vor Allem auch die imposante Besetzungsliste dieses Werks, klar – musste sofort gekauft werden! Jack Bruce, John McLaughlin, allein diese Beiden waren 'Zugpferde', aber auch ansonsten aus dem Bereich des Jazz tummelten sich reichlich Avantgarde und große Namen! Und genau dieses 'Schräge', dieses ganz andere im Aufbau und Ausdruck war es, das faszinierte und das sich eigentlich nie löste von allen nachfolgenden Produktionen, sicher immer wieder anders ausgeprägt, aber stets ungewöhnlich und sehr charaktervoll.

Und genau das trifft auch auf "Joyful Noise (Live in Hamburg 1984)" zu. Als wichtigen Aspekt betrachte ich in diesem Zusammenhang, dass auch der langjährige Begleiter am Bass und mitprägende Musiker Steve Swallow mitwirkte, als auch der damalige Ehepartner Michael Mantler als Trompeter. Doch bevor wir in die kompositorische Welt der Protagonistin vordringen, lediglich "Misterioso" stammt von Thelonious Monk, bietet uns die Band, passend zu Hamburg, das ganz alte Traditional "La Paloma"! »The first piece I’m going to play is very very old. I asked what kind of music would appeal to the people of Hamburg. And this is what they told me!« Und schon startet "La Paloma", ein fürwahr guter Einstieg mit diesem Tango! Denn sogleich bringt Carla auch das ein, womit man sie stets verband, diese spezielle Art von unkonventionellem Humor. Und so blieb ihre Musik halt immer ein wenig ’schräg', selbst für Liebhaber von Jazz.

Ein wichtiger Hintergrund zu diesem Konzert war auch, dass Carla vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) beauftragt wurde, anlässlich des zehnten Todestages von Duke Ellington einen Song für den Jazzworkshop zu komponieren und aufzuführen. Hieraus entstand dann dieses Stück, auf das wir noch bis zur zweiten CD warten müssen .

Doch bis dahin sollten wir uns 'begnügen' mit weiterer hervorragender Musik, die nur so voller Kreativität strotzt, klar doch, bei dieser hochkarätigen Band kann man davon ausgehen, alle voller Kraft strahlenden Kompositionen wurden entsprechend umgesetzt mit straffen Arrangements, solistischen Ausflügen und einer Ausstrahlung mit Witz, Freiheit und einem dicken Hauch von Avantgarde. Eine Freude ist es, dieser Musik zuzuhören, zumal sie in einer wirklich hervorragenden Klangqualität dargeboten wird. Und welch ein Jammer wäre es gewesen, hätte man diese Aufnahmen in den Kellern des NDR-Archivs begraben gelassen.

War auch "La Paloma" ein ungewöhnlicher Auftakt, so kann man eigentlich nicht unbedingt bestimmte Songs besonders hervorheben, sind sie doch alle mit diesem unverwechselbaren Charakter der Komponistin und ihrer Band ausgestattet, voller Fantasie, freigeistigem Ausdruck und dem bereits erwähnten mitunter integriertem Humor.

Noch kurz zum oben genannten Auftragswerk, zur "Venus Fly Trap", ja, und Carla sagt es auch an, »auf Deutsch: Venus-Fliegen-Falle« (lacht dabei und erklärt, es sei eine »fleischfressende Pflanze«). Doch die Fliege surrt erst einmal ganz zart durch den Raum als Saxofonklang, man scheint eine Art Filmmusik zu vernehmen, fast schon eine Art 'Mitternachtsmusik', so romantisch strahlt diese Musik. Doch es bleibt nicht durchgehend so während der fast dreizehn Minuten, denn stets gibt es leichte Veränderungen, Unterbrechungen, die sehr viel Charakter beinhalten, gar eine Sequenz, in der Carla Ragtime spielt, ist integriert! Später, 1989, verwendete sie diese Komposition erneut, nun als Song- und Albumtitel gleichermaßen, hier betitelt "Fleur Carnivore".


Line-up Carla Bley:

Michael Mantler (trumpet)
Gary Valente (trombone)
Vincent Chancey (french horn)
Bob Stewart (tuba)
Steve Slagle (alto saxophone, soprano saxophone, flute)
Tony Dagradi (tenor saxophone, clarinet)
Carla Bley (organ, glockenspiel)
Ted Saunders (piano)
Steve Swallow (electric bass)
Victor Lewis (drums)

Tracklist "Joyful Noise":

 

CD 1:

  1. La Paloma (10:20)
  2. Talking Hearts (7:48)
  3. Joyful Noise (5:08)
  4. The Lord Is Listening' To Ya, Hallelujah! (6:57)
  5. Light Or Dark (8:41)
  6. Misterioso (10:24)

CD 2:

  1. Venus Fly Trap (12:51)
  2. Nu Derection (14:31)
  3. Ending It (7:11)
  4. Starting Again / Ups And Downs (14:24)
  5. Battleship (10:14)
  6. Copyright Royalties (8:23)

Gesamtspielzeit: 49:14 (CD 1) 67:32 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2026 (1984)

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
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Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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