«

»

Heaven’s Sapphire / Welcome To Wonderworld – CD-Review

Am Freitag, dem 1. Dezember 2017 hatte der Typ, der im Plattenladen für das Einsortieren der neuen Scheiben zuständig ist, das erste Problem mit Heaven’s Sapphire. Wohin damit? Die Kategorie 'Movie Rock' dürften die meisten nicht vorgesehen haben. Genau diesen Tipp geben aber Sven Bergmann und Oliver Bartkowski. Die beiden stecken hinter dem Projekt; und mit diesem selbst gelabelten Genre haben die beiden schon manche Erfahrung. Bergmann (Pianist aus Hagen) und Bartkowski (Songwriter, DJ und Produzent aus Bochum, war u. a. in den 90ern für den "Major Tom"-Remix von Peter Schilling verantwortlich) sind seit Jahren mit ihrer 'Movie Trip Show' auf der Bühne und präsentieren vornehmlich Filmmusiken ("Indiana Jones", "Fluch der Karibik", "James Bond", "Winnetou", "Schlaflos in Seattle" und und und …) neu arrangiert mit Band und Sängerin.

Personelle Überschneidungen gibt es durchaus – warum auch nicht. Praktisch und irgendwie auch nah und sympathisch ist es, dass die Mitwirkenden bei Heaven’s Sapphire zum großen Teil ebenfalls aus Bochum oder von nicht weit weg kommen. Und die Auswahl steht irgendwie schon sinnbildlich für die Akzente der musikalischen Ausrichtung: eine Mixtur aus Musical-Showbiz und Rock. Der Gesang kommt bei drei Stücken von Meikel Böhler (The Desert Company), zudem einmal von RTL-"Supertalent"-Gewinner Jay Oh und einmal von Pamela Falcon, die bei "Starlight Express" singt und auch mal im Fernsehen bei "The Voice Of Germany" auftauchte. Jörg Wegener (Gitarre, Starlight Express), Sodom-Drummer Makka Freiwald und Die Kassierer-Schönling Volker Wendland (hier am Bass) unterstützen sie instrumental.

Nun ist jedoch der gemeine Hörer nach dem Platteneinsortierer der zweite, der mit Problemen zu kämpfen hat. Gehen wir es chronologisch an – genauso wie das Album "Welcome To Wonderworld " auch seine Weltraum-Story erzählt über den ebenso magisch-schönen wie unwirtlichen Planeten Wonderworld, dessen Bewohner nur durch die geheime Formel seiner Beschützerin 'Lady Starlight' überleben können, was zu bedrohlichen Begehrlichkeiten eines düsteren Warlords eines anderen Planeten führt. Leider ist das zarte orchestrale Fantasy-Intro "The Wonderworld March" zwar nett, aber auch nicht mehr; das Thema bleibt etwas einfältig. Mit "Flight Into Space" bleiben wir instrumental, aber es wird interessanter. Erst mit wehmütigem Klavier, dann nach gut zwei Minuten die nächste Zündstufe (endlich!) mit Drums und Sologitarre. Es kann losgehen mit dem 'Movie Rock'.

Mit "We Are The World…We Are The People" startet nun auch der Gesang. Meikel Böhler ist ein Guter! Das Stück bleibt aber eine allzu unspektakuläre und Gute-Laune-Musical-Nummer. Hach, es darf ja mal seicht zugehen, aber irgendein Faktor muss einen schon mitreißen. Mit "Million Miles From Home" folgt ein klaviergetriebenes jazziges Zwischenspiel (das müsste tendenziell auf Bergmanns Konto gehen) – nett, aber ein bisschen zu viel 'Easy Listening' und vor allem mit knapp viereinhalb Minuten zu lang! "Son Of The Stars" – endlich kommt ein Highlight! Das hat viel zu lang gedauert; die Nummer wirkt aber. Sängerin Pamela Falcon, die stimmlich etwas (positiv!) an Melanie Thornton erinnert, glänzt mit strahlender Stimme, steigert sich sogar später toll inklusive schöner Backings; und die soulige-rockige Soulnummer passt wunderbar.

Im Anschluss daran passt zwar das non-vokale Interludium "Lights Out" ganz gut, dauert aber wieder zu lang, auch wenn "Heaven’s Sapphire" klar als Mix aus Instrumentalem und Gesang angelegt ist. Hinter den elektronischen Sphären darf man Bartkowskis Federführung vermuten). Nächster Auftritt Meikel Böhler: "Sinister Minister" (was für ein cooler Titel!) ist ein griffig-kompakter und expressiver Rocksong mit knalligem Mitsing-Refrain und packender Rhythmik. "Ready To Fight" ist wieder frei von Gesang; und siehe da: endlich ein Instrumental-Track, der fesselt! Es gibt spannend-schöne Themenvariationen quer durch Synthesizer und Gitarre, ein bisschen im Stil von Fantasy-TV-Serien à la "The Mystery Files". Schade, dass nun "Lady Starlight" (das müsste dann wohl von Jay Oh gesungen sein) aus sehr unangenehm soft-poppigem Musical-Material besteht. Da packt einen leider gar nix.

Ebenfalls unverständlich bleibt, was die Komponisten bei "I Can See The Future" geritten hat. Diese Form von ’spacigen' Computer-Klängen' war vielleicht mal in den 80ern in. Die Ballade "Don’t Look Back" ist okay, mehr nicht – und die abschließende Reprise von "The Wonderworld March" hübsch. Damit endet das Album allerdings so unspektakulär wie es angefangen hat – wobei der minimalistische Ansatz hintenraus ganz gut wirkt. Das tröstet nicht darüber hinweg, dass nach weniger als einer dreiviertel Stunde "Welcome To Wonderworld" ein paar Fragezeichen stehen bleiben. Wieso sind "Son Of The Stars", "Siniser Minister" und "Ready To Fight" so stark, der Rest aber so unverbindlich? Die Ansätze sind vorhanden, durchaus Fans von Acts wie Trans-Siberian Orchestra zu begeistern. Live mag die Weltraum-Story vielleicht sogar gut rüberkommen – für eine wirklich überzeugende CD-Veröffentlichung muss die Messlatte beim nächssten Mal aber deutlich nach oben.


Line-Up Heaven’s Sapphire:

Sven Bergmann
Oliver Bartkowski
Meikel Böhler (vocals)
Pamela Falcon (vocals)
Jay Oh (vocals)
Volker Wendland (bass)
Jörg Wegener (guitars)

Tracklist "Welcome To Wonderworld":

  1. The Wonderworld March (1:56)
  2. Flight Into Space (4:30)
  3. We Are The World…We Are The People (3:31)
  4. Million Miles From Home (4:26)
  5. Son Of The Stars (3:42)
  6. Lights Out (3:41)
  7. Sinister Minister (4:40)
  8. Ready To Fight (5:16)
  9. Lady Starlight (3:29)
  10. I Can See The Future (3:05)
  11. Don’t Look Back (3:23)
  12. The Wonderworld March (Reprise) (0:57)

Gesamtspielzeit 42:36, Erscheinungsjahr 2017

Über den Autor

Boris Theobald

Prog Metal, Melodic Rock, Klingonische Oper
Meine Beiträge im RockTimes-Archiv

Mail: boris(at)rocktimes.de

2 Kommentare

  1. Peter Breitengraden

    Hallo, ich gabe mir die Cd in Essen aufgrund der sehr guten Kritik in der eclipsed gekauft und kann diese Review nicht nachvollziehen. Es macht total Spaß sich dieses Gesamtkunstwerk anzuhören und im aufwendigen Mediabook die jeweilige Geschichte der Songs in englischer Sprache mitlesen zu können. Musikalisch großartig und professionell arrangiert und eingespielt. Ich denke, dass solch eine Rezi nur jemand schreiben kann der selbst noch keine Musik komponiert oder ein Instrument gespielt hat. Einziger Ausfall die Techno Nummer, aber die ersten 6 Nummern am Stück sind schon toll.
    Peter Breitengraden

    1. Boris Theobald

      Hallo Peter!
      Ich bin der Autor der Rezension … Danke für Deinen Kommentar! Das meine ich völlig ironiefrei – denn Feedback ist immer gut; und mit anderen Leuten über Musik zu reden immer spannend. Wir haben offenbar auch Übereinstimmungen … zumindest was "I Can See The Future" angeht 😉
      Zur Story: Die hab ich ja gar nicht bewertet, sondern nur ganz grob skizziert.
      Musikalisch hab ich absolut Glanzpunkte erkannt und gelobt. Mein Gemecker bezieht sich aufs Quantitative der Qualität, sozusagen. Und bei so vielen Veröffentlichungen, die es gibt, und bei all der Professionalität und dem Hintergrund der Akteuere hab ich eine gewisse Erwartunghaltung. Ich bemängele nur, dass von diesen Spitzennummern zu wenige vorhanden sind … und mich bei den instrumentalen Stücken zu wenig packt bzw. sie nicht so lange tragen, wie sie angelegt sind. Am Ende ist mir bi der Spielzeit zu wenig Netto vom Brutto …
      Ich freu mich aber, dass es Dich überzeugt und Du über ein anderes Review zu dem Album gefunden hast!
      Viele Grüße
      Boris

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>