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Hot’n’Nasty / Konzertbericht, 08.05.2026, Goslarsche Höfe, Goslar

Hot’n’Nasty / Konzertbericht, 08.05.2026, Goslarsche Höfe, Goslar

Heute Abend freue ich mich auf ein hard & heavy Bluesrockkonzert von Hot’n’Nasty, einer Formation, die Anfang der 1990er von Gitarrist Malte Triebsch gegründet wurde. Die Band gehört mit zu den markantesten Vertretern der europäischen Bluesrockszene und steht exemplarisch für eine Generation von Musikern, die den klassischen Blues mit modernen Rockelementen verbinden.

Robert Collins – vocals, harp

Robert Collins – vocals, harp

2009 gewann die Combo den deutschen Rock- und Pop-Preis in den Kategorien 'Bestes Rhythm & Blues Album' (1.Platz) und 'Beste Rhythm & Blues Band' (2.Platz). 2020 wurde sie mit dem German Blues Award in der Kategorie 'Beste Band' ausgezeichnet. Musikalische Größen wie u.a. Chris Farlowe, Dr. Feelgood und Walter Trout verpflichteten sie als Support. Das hört sich doch schon mal ganz gut an.

Sänger Robert Collins kam 2014 für den verstorbenen Frontmann Patrick Pfau zur Band. Des Weiteren gehören zur Band das Rhythmusgespann Tim Gressler (seit 2022 dabei) am Tieftöner und Eike 'Ebbel' Groenewold an der Schießbude. Eike sitzt für ein paar Gigs für Dominique Ehlert, der andere Verpflichtungen hat, auf dem Drumhocker.

Bandvorstellung

Bandvorstellung

Die Band brachte bis heute fünf Alben plus zwei EPs auf den Markt. Heute Abend soll das komplette Material der letzten CD Live Still Rollin' von 2025 gespielt werden. Auch dieses Album wurde bei Martin Meinschäfer, bekannt durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Henrik Freischlader, aufgenommen. Das Konzert bestand aus zwei Sets mit einer Gesamtspielzeit von knapp zwei Stunden. Es wurden bis auf ZZ Tops "Fool For Your Stockings" und den nicht tot zu kriegenden Don Nix-Titel "Going Down", nur eigene Stücke, die alle aus der Feder von Malte Triebsch stammen, zu Gehör gebracht.

Um 20:00 Uhr begrüßte Frank Fellenberg von den Goslarschen Höfen die etwa (leider nur!!) 70 Zuhörer und kündigte die Band an. Die kam gut gelaunt auf die Bühne und legte gleich mit dem ersten Titel "Damned To ride" die Marschrichtung für den heutigen Abend fest. Gradliniger Bluesrock pur! Ebenso standen ruhigere Titel auf der Setlist (z.B. "It’s Only Money" oder "It ain’t Easy").  Hier wurde deutlich der Fuß vom Gaspedal genommen. Auch dieses Genre wusste Frontmann Robert Collins stimmlich hervorragend zu bedienen.

Malte mit Italia Maranello-Gitarre

Malte mit Italia Maranello-Gitarre

Ein Highlight war die bandeigene zehnminütige Interpretation von ZZ Tops "Fool For Your Stockings". Als Slowblues beginnend, wurde dann in der zweiten Hälfte nochmal so richtig Gas gegeben. Hier zog Malte alle Register seines Könnens auf dem Fretboard. Klasse gemacht! Es folgte der "Slide-Rock" mit leichten Boogieeinflüssen und einer perfekt gespielten Slide-Gitarre. Ich liebe es, wenn der Bottleneck über die Saiten gleitet. Bei diesem Titel griff Malte zu einer Italia Maranello-Gitarre mit Agathis Tonewood-Korpus, das Holz soll angeblich zur schlechtesten Kategorie gehören, aber zum Sliden soll die Gitarre optimal sein.

Bei "Go To Your woman" zeigten die Jungs, dass sie auch tanzbaren Rock’n’Roll spielen können, hier steuerte Rob eine tolle Bluesharp bei. Mit dem Don Nix-Klassiker "Going Down" in einer überlangen Version verabschiedete sich die Band um kurz darauf zurück on stage zu kommen und als Zugabe nochmal ein volles Pfund mit einem 70-er Jahre Medley rauszuhauen.

Rob spielte das Intro allein auf der Harp, dann setzte Malte mit ZZ Tops "La Grange"-Riff ein, um im Folgenden "Whole Lotta Rosie" von AC/DC und Led Zeppelins "Heartbreaker" anzustimmen. Ein teilweise geslapptes Basssolo von Tim bereitete den Übergang zu Golden Earrings "Radar Love" um dann wieder zu "La Grange" zurückzukehren. Robert und Malte trieben sich in einem Gitarre–Harp-Duell zu weiteren Höchstleistungen an. Hiermit wurde ein würdevoller Schlusspunkt eines spitzenmäßigen Gigs gesetzt.

Robert an der Harp

Robert an der Harp

Charakteristisch ist vor allem das energiegeladene Gitarrenspiel von Malte Triebsch und seine Fähigkeit, zwischen fein nuancierten Phrasierungen und druckvollen, verzerrten Riffs zu wechseln. Sein Spiel verbindet Einflüsse klassischer Bluesgitarristen mit moderner Rockmusik.

Seine Soli waren strukturiert aufgebaut, ohne zu überfrachten und in Frickeleien auszuarten. Die Effektgeräte wie Distortion, Echo, Flanger und Wah Wah wurden gezielt eingesetzt. Leider musste er aus gesundheitlichen Gründen das gesamte Konzert im Sitzen spielen.

Robert Collins wusste sein raues, kraftvolles Bluesorgan gekonnt einzusetzen. Sein klasse Harpspiel kam etwas zu kurz, da wäre noch Luft nach oben gewesen.
Eike 'Ebbel' Groenewold lieferte mit seinen präzisen Drums zusammen mit Bassist Tim Gressler einen treibenden Groove, der ein solides, tragfähiges Fundament für Maltes druckvolle Gitarrenpassagen bildete. Tim spielte komplexe Basslinien auf seinen vier dicken Saiten, die zeitweilig schon einen gewissen Solocharakter entwickelten.

Setlist

Setlist

Das war mal wieder ein geiles Konzert voller Dynamik, enormer Spielfreude der Musiker und ein begeistertes Publikum. Die Band hat den Hinterhof so ordentlich aufgemischt. Im Anschluss nutzte ich noch die Gelegenheit für eine informatives Gespräch mit den sympathischen Musikern.

Ich bedanke mich bei Holger Pape für den Platz auf der Gästeliste.

Line-up:

Malte Triebsch (guitar, backvocals)
Robert Collins (vocals, harp)
Tim Gressler (bass)
Eike 'Ebbel' Groenewold (drums)

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2026 | Jürgen Berking | RockTimes

Über den Autor

Jürgen Berking

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