Wer die Musik der finnischen Band Amorphis schon immer mochte, der wird mit dem neuen Album "Borderland" in seiner Haltung nur bestärkt. Es fühlt sich gut an, wie die Musiker um Sänger Tomi Joutsen ihren eigenen Sound kreieren, der sich nach 35 Jahren praktisch immer neu erfindet, weil es nicht langweilig werden kann. Der genreübergreifende Mix ist zweifelsfrei ein Alleinsteinstellungsmerkmal, wenngleich Amorphis nicht über den Dingen schweben. Eine irdische Formation, bei der man schon einmal ins Träumen geraten kann.
»Das Endergebnis ist dynamisch und vielfältig«, beschreibt Gitarrist Esa Holopainen das neue Werk und übertreibt damit nicht. Gewiss, einige Superlative sind schon im Spiel, wenn die sechs Musiker angesichts ihres neuen Albums die zurückliegende Arbeit reflektieren. Aber das hat gute Gründe.
»Das war das anspruchsvollste Amorphis-Album, das ich je aufgenommen habe – zumindest was die Arbeitszeit angeht«, veranschaulicht Sänger Tomi Joutsen das Entstehen des Longplayers. »Wenn ich mir die Platte jetzt anschaue, ist der Titeltrack 'Borderland' einer meiner persönlichen Favoriten. Musikalisch ist es klassischer Amorphis – Gitarren mit Delay, melodische Keyboards und das Zusammenspiel von klarem und gegrowltem Gesang.«
Apropos: Welche Band meistert den nahtlosen Übergang aus klarem und gegrowltem Gesang durch nur eine Stimme so überzeugend gut wie Amorphis? "Borderland" ist voller Überraschungen und doch ganz Amorphis. Auffallend frisch und modern klingen die Lieder der genreübergreifenden Heavy-Metal-Band. Wenn es hier schon um Superlative geht, dann darf nicht unerwähnt bleiben, dass es mit den Gitarristen Esa Holopainen und Tomi Koivusaari, dem Bassisten Olli-Pekka Laine und dem Schlagzeuger Jan Rechberger vier Gründungsmitglieder gibt. Sänger Tomi Joutsen feiert 2025 seine 20-jährige Mitgliedschaft bei Amorphis.
Musikalisch lässt "Borderland" keine Wünsche offen. Wenn es so etwas wie eine Erwartungshaltung bei einem neuen Album gibt, dann sind diese Erwartungen gewiss weiter übertroffen worden, weil es viele ausgewogene Facetten gibt. "Dancing Shadow" ist eine Komposition, die zwar im Metal ihren Kern hat, sich aber gut außerhalb des Genres behaupten kann. »Mit 'Dancing Shadow' haben wir völliges Neuland betreten«, erklärt Schlagzeuger Jan Rechberger. »Für eine Band mit über drei Jahrzehnten Erfahrung ist diese Art der Neuerfindung bedeutsam.« Esa Holopainen ergänzt: »Der Arbeitstitel war 'Disco Tiger'. Der Song ist voller Hooks und der bekannten Amorphis-Eingängigkeit, aber mit einem modernen Twist. Ich kann mir vorstellen, wie er eine Metal-Tanzfläche zum Leuchten bringt!« Was für eine passende Empfehlung!
Bei "Bones" gibt es dagegen knallharte Riffs, orientalisch angehauchte Melodien und knallharte Rhythmen. Hier gilt: Es lebe der Kontrast. Schon allein deshalb markiert "Borderland" die Fortsetzung und Neuerfindung des Banderbes. Das hymnische "Fog To Fog" bringt uns den typischen Sound von Amorphis näher: Hoher Wiedererkennungswert im Gesang und ein treibender Rhythmus mit schnellen Gitarren.
"The Lantern" zählt klar zu den atmosphärischen Höhepunkten der Scheibe. Es verbindet filmische Texturen mit emotionaler Tiefe. »Man könnte sogar einen Hauch von Vangelis heraushören«, schwärmt Esa Holopainen. »Der Song hat einen kraftvollen Bogen, und Tomis Gesang erweckt die Geschichte mit echter Emotion zum Leben.«
Mit "The Lantern" und dem Titelsong "Borderland" gibt es zwei würdige Anspieltipps. Man braucht nicht viele Anläufe, um zu dem Schluss zu gelangen: "Borderland" ist ein Album für die gute Laune! Allerdings ist eine solche Produktion, bei der nach dem Ende der Studioarbeit 24 Demotracks zusammengekommen waren, alles andere als ein Selbstläufer. Keyboarder Santeri Kallio: »Ich glaube, es gab einen gemeinsamen, fast unbewussten Wunsch, sich auf eine reiche Atmosphäre und starke Melodien zu konzentrieren. Im Vergleich zum Vorgängeralbum Halo wirkt das neue Album organischer und geradliniger – und definitiv eingängiger.«
Die zehn eingängigen Lieder haben alle eine Spieldauer von vier bis fünf Minuten. "Borderland" ist ein Album, das zurecht Vorfreude auf die kommenden Liveaktivitäten auslöst. »Nach dreieinhalb Jahrzehnten folgen wir immer noch unseren Instinkten«, schließt Tomi Koivusaari. »Und ehrlich gesagt ist 'Borderland' vielleicht das Album, das am meisten nach Amorphis klingt, das wir je gemacht haben. Nach einer so langen und erfolgreichen Karriere fühlt sich das verdammt gut an.«
Das 15. Studioalbum von Amorphis bedeutet Fortsetzung und Neuanfang. Erstmals war der dänische Erfolgsproduzent Jacob Hansen (Volbeat, Arch Enemy, Amaranthe) an Bord, der einen neuen kreativen Funken entfachen konnte.
Line-up Amorphis:
Tomi Joutsen (vocals)
Esa Holopainen (guitars)
Tomi Koivusaari (guitars)
Santeri Kallio (keyboards)
Olli-Pekka Laine (bass)
Jan Rechberger (drums)
Tracklist "Babylon":
- The Circle
- Bones
- Dancing Shadow
- Fog To Fog
- The Strange
- Tempest
- Light And Shadow
- The Lantern
- Borderland
- Despair
Gesamtspielzeit 49:47; Erscheinungsjahr 2025



Neueste Kommentare