Die Idee ist so neu nicht, Apocalyptica, 2Cellos, Rasputina – allesamt Beispiele dafür, wie man mit klassischen Streichinstrumenten wie Violinen und Celli Hard Rock und Metal spielen kann.
Aus Wien gibt es nun eine weitere Band. Brazenlinx stellt uns mit ihrem Debütalbum vor, wie man eine traditionelle Rockband auch mit Violine, Cello und Schlagzeug bestücken kann, zuzüglich eines Sängers. Von Beginn an wird mächtig Druck aufgebaut, donnerndes Schlagzeug als Basis, durch die elektrische Verstärkung fette Streicher und enthusiastischer Gesang, der meistens an typische Hard-Rock-Harmonien erinnert.
Die einzelnen Songs ähneln sich oft, viel Wert auf ausgefeilte Kompositionen wurde offensichtlich nicht gelegt. Dafür ist die Atmosphäre stark auf den imposanten Klang ausgelegt, akustisches Breitwandformat mit sattem Sound, der in die Magengrube zielt, ich spüre Stimmungen von Black Sabbath bis Metallica, doch manchmal wird mit der Wucht übertrieben, wenn zum Beispiel Passagen von "Perfect Balance" in einen Klangbrei ausarten. "Go Getters" stellt ein fast orientalisch anmutendes Thema vor, doch die Chance, dieses weiterzuentwickeln, ist jedoch vertan worden, rumpelt der Song dann eher simpel daher, mit seltsamen Gesangsfetzen und wie durch ein Megaphon gejagten Leadvocals. Allerdings bietet sich unter anderem bei diesem Stück die Gelegenheit, einem der seltenen Soli der Violine zu lauschen. Davon hätte ich mir persönlich mehr gewünscht, weil das der Virtuosität etwas Vorschub geleistet hätte.
Und – in diesem Zusammenhang wäre es ebenfalls wünschenswert, hinsichtlich der Abwechslung, mehr an ruhig angelegtem Material zu bieten, so wie es ansatzweise bei "In The Plan" gelungen ist. Und hierbei stelle ich erneut fest, es ist wohl mein 'ewiges Leiden' – das Schlagzeugspiel, nicht nur hier wirkt es unglaublich uninspiriert, ist sehr dumpf und bei den schnellen Titeln oft zu donnernd und wenig flexibel und gestaltend. So wird die Musik im Gesamtausdruck zu sehr am Boden gehalten, ohne die Chance, auch einmal abzuheben. Auffallend ist, dass die Coverversion "More" (Sisters Of Mercy) zu den besten Songs des Albums zählt, ich bin der Meinung, dass diese ganz anders geartete Atmosphäre der Band sehr gut zu Gesicht steht. Hinsichtlich einer Individualstellung innerhalb dieses Genres mit der Ausgestaltung durch die Streichinstrumente wäre es wünschenswert, dass diese entsprechend ausgebaut wird durch die Hinzunahme weiterer Stil-Elemente.
Gesanglich liefert Peter Dürr eine zufriedenstellende Leistung ab, der wahre Hard Rock-Shouter ist er meines Erachtens nicht, daran könnte noch gearbeitet werden. Das gewisse Quäntchen Leidenschaft, dass durch die Pflichtleistung erfüllt ist, sollte noch um einen Tick elegante Kür erweitert werden.
Line-up Brazenlinx:
Gejza Jurtz (viola)
Alex Graf (cello)
Urge Kirchner (drums)
Peter Dürr (voice)
Tracklist "Vienna Don’t Fret":
Part I
- Ultimate
- Perfect Balance
- Go Getters
- In The Plan
Part II
- You Lose
- More
- Beware
Part III
- Death Row
- Fortune Cookie
- Wanna Live Forever?
- Solution
Gesamtspielzeit: 40:16, Erscheinungsjahr: 2017



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