Bei uns in Bayern nennt man dies 12 Uhr Mittagsläuten, hier "Prelude – Sons Of God"; mit brasilianischem Karneval Flair! So das Intro mit Glockengeläut zum Album "Second Thoughts" der niederländischen Tastenmänner Broers & Klazinga. Es handelt sich dabei um den relativ unbekannten Jakob Broers und den Multiinstrumentalisten Gerben Klazinga, der bereits als Mitglied der niederländischen Progger Knight Area aufgefallen ist und dem einen oder anderen bereits bekannt sein dürfte. Nach ihrem Debüt von 2020, "Burdens Of The Mind", legen sie jetzt ihr zweites Werk vor.
»And then there were three!« So steht es groß im Booklet, denn anders als beim Vorgänger haben sie sich gesanglich Verstärkung geholt; als festes Mitglied steht jetzt Mark Smit (The Foundations, Knight Area) am Mikro. Musikalisch tendieren sie zwischen Camel, IZZ oder den niederländischen Kollegen von Kayak. Den Camel-Bezug hört man schon bei "Countless Grief" – sehr ruhige, mit Flöte untersetzte Melodiebögen und klarer Gesang. Das Duo setzt seine Keyboard- und Synthesizerklänge gekonnt und nicht fordernd in den Stücken ein und lässt den Mitmusikern, besonders Gast Mark Boger an der Gitarre, viel Platz, sich zu entfalten.
"Forgotten" ist so ein Song, der sehr rockig daherkommt, die roboterartigen Vokalsequenzen sind zum Glück kurz gehalten und so stehen doch die Gesangsduette von Mark Smit und Nadine Bogert-Pruim im Vordergrund. Hier ziehe ich Vergleiche mit den amerikanischen Proggern IZZ. Der Track hat eine schöne Grundstimmung, groovt sich durch und ist gespickt mit kleinen Soli und instrumentalen Gimmicks, die sich eher im Hintergrund abspielen, aber trotzdem nicht untergehen, da alles klar strukturiert ist.
Flotter und treibender gibt sich das zehnminütige "Delusional". Obwohl sich das Intro noch gemächlich dahinzieht, baut sich der Song zu einem wahren progressiven Werk auf – mit herrlichen Breaks und gebettet auf einen feinen Melodieteppich, wechselt der Rhythmus zwischen lieblich und fetzig hin und her. Klazinga leistet volle Arbeit, da er Drums, Bass und Gitarren dazu selber einspielt und es schafft, alles als eine Einheit erklingen zu lassen.
Hier muss ich Gastgitarrist Mark Bogert, Gerbens Bandkollege bei Knight Area, bei seinem Solo in der Endphase, wo er zwei Minuten sein Können bestens unter Beweis stellt, nochmals hervorheben. Klare Phrasen von Appregios und Bindings und ohne sich zu sehr ins Unendliche zu verlieren, zieht er immer wieder die Reißleine. Nicht umsonst zählt er zu den besten niederländischen Gitarristen. Die Leser der niederländischen Seite gitarist.nl wählten ihn beim "Gitarrist Poll Awards 2024" gar zum Gitarristen des Jahres.
"The Test Of Time" ist eine ergreifende Rockballade, dort zeigen sich Broers & Kalzinga von ihrer ruhigen, epischen Seite. Die beherrscht das Trio genauso und auch hier veredelt Bogert die Komposition mit seinen Gitarrenklängen. Wiederum volle Camel-Anleihen zaubern sie bei "Read Me", das sich schon sehr nah an deren "Breathless"-Zeiten hält; trotzdem schön umgesetzt.
Ein gelungenes Nachfolge-Album mit klaren Strukturen und tiefgehenden Melodien, verpackt in einem zugänglichen Prog-Gewand. Davon werden wir von den Niederländern hoffentlich noch mehr hören.
Line-up Broers & Klazinga:
Jacob Broers (keyboards)
Gerben Klazinga (keyboards, drums, bass, guitars)
Mark Smit (vocals)
With:
Mark Bogert (lead guitar)
Nadine Bogert-Pruim (vocals)
Tracklist "Second Thoughts":
- Prelude – Sons Of Gods (2:12)
- Wait For Sleep (8:52)
- Countless Grief (2:48)
- The Mirror (5:04)
- Forgotten (6:14)
- No One Left To Blame (4:14)
- Delusional (10:11)
- The Test Of Time (7:00)
- Shame (4:07)
- Read Me (7:49)
- Iconclast (6:06)
Gesamtspielzeit: 64:37, Erscheinungsjahr: 2025



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