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Bush / I Beat Loneliness – Digital-Review

Bush: I Beat Loneliness

Wer schon immer Schwierigkeiten hatte, die Musik der britischen Alternative-Rocker Bush stilistisch genau einzuordnen, wird es auf ihrem zehnten Studioalbum "I Beat Loneliness" nicht leichter haben. Wobei das Befreien von Schubladendenken per se nichts Negatives sein muss. Wir suchen oft nach Schubladen in der Musik, ohne zu wissen warum. Bush rocken munter drauf los und liefern ein in jeder Hinsicht abwechslungsreiches Album ab. Sie stehen für den Alternative-Rock der 90er Jahre und präsentieren damit ein gutes Stück Nostalgie.

Mit ihren Songs landen sie vielleicht keine Radiohits, doch darauf haben es Frontmann Gavin Rossdale & Co. bei allen Charterfolgen gar nicht abgesehen. "Everyone Is Broken" ist eine ruhige Nummer aus dem neuen Album, die durchaus Hitpotenzial haben könnte. Rockig, aber zugleich berührend. "Everyone Is Broken" steht stellvertretend für andere Kompositionen aus dieser Produktion, zu der es im Pressetext des vorliegenden Albums eine Vielzahl poetischer Formulierungen gibt: »Das Album enthält auch rohe, getragene Momente wie 'Don’t Be Afraid', 'Everyone Is Broken' und das abschließende 'Rebel With A Cause', in dem innere Kämpfe toben ('There’s a madness inside / And no one is sane / We’re all so guarded / Hiding the pain'). Gerade in diesen zurückgenommenen Passagen zeigt sich Rossdales Talent für erhebende Melodien, die wie ein Leuchtturm in der dunklen Nacht strahlen. Und damit auch das stille Verständnis: Es gibt kein Licht ohne Dunkelheit, das Leben ist glücklicherweise nie eindimensional – und ohne echte Gemeinschaft verliert man leicht den Halt.«

Bush setzen neben der musikalischen Komponente stark auf ihre Texte und die damit verbundenen Botschaften. Ein solches Beispiel liefert gleich zu Beginn der etwas düstere Opener "Scars". Hier geht es um das Thema Schweigen: Es dreht sich um die Auseinandersetzung mit Schmerz und Heilung. Keine leichte Kost, die hier transportiert wird, die aber dennoch Hörer ungeschminkt im Hier und Jetzt abholt. Im weiteren Verlauf wird es musikalisch entspannter, es bleibt vor allem abwechslungsreich. Bush verbreiten auf ihrem aktuellen Album garantiert keine Langeweile.

»Inspiriert von den Schriften von Ginsberg, Bukowski, Martin Amis und Ian McEwan, der Arbeitsmoral und Kunst von Lucian Freud und Francis Bacon sowie der Musik von Morrison, PJ Harvey, Prince, NIN und Nick Cave, führt Rossdale seine Disziplin darauf zurück, 'lange Zeit wirklich erfolglos gewesen zu sein’«, lesen wir in der Ankündigung zum neuen Album.

Auf "Scars" folgen der Titeltrack "I Beat Loneliness" und zehn weitere Kompositionen. »Das ist das persönlichste Album, das ich je gemacht habe«, wird Frontmann Gavin Rossdale zitiert. »Es soll Menschen das Gefühl geben, nicht allein zu sein. Das Leben ist wunderschön, aber nicht einfach. 'Scars' ist der perfekte Einstieg, weil er den Kern des gesamten Albums auf den Punkt bringt: Die Akzeptanz, dass wir alle ein bisschen verrückt sind und dass wir da gemeinsam durchgehen.«

Das klingt ehrlich und das ist zugleich ein wichtiger Anspruch der Musiker an ihr eigenes Schaffen. "I Beat Loneliness" ruft ein paar Vergleiche auf den Plan. Im ersten Teil von "Scars" glaubt man, U2 zu erkennen, gesanglich erinnert manches an Peter Gabriel und Ray Wilson. Ist es Zufall, dass hier die Namen zweier ehemaliger Genesis-Sänger auftauchen? Es ist mehr die Klangfarbe in Rossdales Stimme, denn Bush spielen weitab vom Progressive Rock. Sie stehen jedoch musikalisch mitten im Leben, wenngleich es zwischen 2002 und 2010 eine längere Schaffenspause gab, die aber offiziell keine Auflösung nach sich zog. Sie war mehr den Soloprojekten Rossdales geschuldet.

Zehn Studioalben zeigen, dass Bush im Rahmen ihrer aktiven Zeit in den vergangenen drei Jahrzehnten zu den produktivsten Kräften in der britischen Rockmusik gehören. Ein guter Anspieltipp auf "I Beat Loneliness" ist "Footsteps In The Sand". Er präsentiert die Bandbreite ihres schier unendlichen Klangkosmos und die Energie, die von Bush an vielen Stellen ausgeht. Produziert wurde "I Beat Loneliness" von Erik Ron and Gavin Rossdale. Titel wie" I Am Here To Save Your Life" machen sie trotz des Techno-Einsatzes interessant für so manches Metalmagazin. Eine weitere Empfehlung ist die unbestritten generationsübergreifende Anziehungskraft, mit der Bush punkten.


Line-up Bush:

Gavin Rossdale (vocals)
Chris Traynor (guitar)
Corey Britz (bass)
Nik Hughes (drums)

With

Sacha Puttnam (keyboard)
Los Angeles Children’s Chorus (backing vocals – #9)

Tracklist "I Beat Loneliness":

  1. Scars
  2. I Beat Loneliness
  3. The Land Of Milk And Honey
  4. We’re All The Same On The Inside
  5. I Am Here To Safe Your Life
  6. 60 Ways To Forget People
  7. Love Me Till The Pain Fades
  8. We Are Of This Earth
  9. Everyone Is Broken
  10. Don’t Be Afraid
  11. Footsteps In The Sand
  12. Rebel With A Cause

Gesamtspielzeit: 46:38, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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