Ein merkwürdiges Gefühl beschleicht mich oft dann, wenn ich mir eine EP in Normallänge anhöre: Kaum hat man sich in die Musik hinein gehört, ist schon wieder Schluss. Dafür gibt es natürlich die Möglichkeit, die Platte von vorn zu starten. Das sollte man im Fall der Band Dun Field Three dringlich tun, denn der Stilmix ist mit einem einzigen Durchlauf kaum zu erschließen. »Das Wiener Trio kombiniert grimmige Bänkelgesänge mit Blues, Punk und Dreivierteltakt«, schrieb die Tageszeitung "Der Standard" vor drei Jahren, als das selbstbetitelte Debütalbum erschienen war.
Wurden in der Besprechung unseres Kollegen Markus aus dem gleichen Anlass Parallelen zu Iggy Pop, Jim Morrison und Tom Waits beschrieben, so waren es an anderer Stelle Warren Ellis oder Mark Lanegan. Nick Cave muss bei vielen Künstlern oft als Vorbild herhalten, wenn das Dargebotene einen intellektuellen Anstrich hat. Der offiziell als eine Mischung aus Dark Americana und Rock angepriesene Mix ist gewiss keine Alltagskost, die man im Schnellgang so nebenbei abfasst. Der Opener "Supersurprise" kommt mit Technoklängen und Sprechgesang daher, hat aber nichts mit Death Metal zu tun, sondern entlädt sich schon nach eineinhalb Minuten in einer Art Brit Pop. Gegen Ende nimmt die Nummer weitere Fahrt auf. Der Name ist also wieder einmal Programm.
Bei "Time" zaubert Sänger und Gitarrist Daucocco schräge Töne aus seinem Instrument, das hier die tragende Rolle einnimmt. Die Rhythmusgruppe ist auf der Höhe der Zeit und liefert einen anständigen Job. "Blues" zeigt an einem Beispiel recht gut, welche Präsenz von einem Trio trotz der kleineren Besetzung ausgehen kann. Schleppend geht es beim finalen "His Royal Fishness" ans Werk. Fast könnte der Hörer den Eindruck gewinnen, hierbei handle es sich um die Ruhe vor dem Sturm. Das Lied ist deutlich vom Gesang geprägt. Nach einem Drittel der Spielzeit verändert sich jedoch der Charakter und die Elemente Punk und Rock beherrschen die Szenerie. Der Soundteppich wird allmählich immer bunter.
Fazit: "We Came From The Ocean Where Everyone Swallows The Words" ist mit einem Mal nicht zu verarbeiten. Das hat seinen Grund garantiert nicht im langen Titel. Es ist anfangs nicht leicht, einen gemeinsamen Nenner für die vorliegenden Kompositionen zu finden. Das gilt vor allem dann, wenn man selbst nur einen geringen Zugang zu dieser Art von Musik hat. Aber es lohnt sich allemal in deren Klangwelt hinein zu hören. Gereift ist bei mir die Erkenntnis, dass es von Singer/Songwriter über Heavy und Industrial bis hin zu Rock aus der Alpenrepublik regelmäßig interessante Neuigkeiten gibt. Das nötigt mir insofern Respekt ab, weil man dort diese Art von Musik nicht sofort vermutet.
Line-up Dun Field Three:
Daucocco (guitars, keyboards, vocals)
Nachtlieb (baritone, bass)
Michi Lind (drums)
Tracklist "We Came From The Ocean Where Everyone Swallows The Words":
- Supersurprise
- Time
- Blues
- His Royal Fishness
Gesamtspielzeit: 16:43, Erscheinungsjahr: 2022

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