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Giants Dwarfs And Black Holes / Cherrytree Stories And Other Innuendo Tales – CD-Review

Giants Dwarfs And Black Holes / Cherrytree Stories And Other Innuendo Tales – CD-Review

Nach dem 2024er Echo On Death Narcissus der Heavy Psychedelic- und Stoner Rocker Giants Dwarfs And Black Holes liegt nun mit "Cherrytree Stories And Other Innuendo Tales" das insgesamt vierte Album und zweite beim Label Sireena erschiene Album vor.

Neue Alben sind in aller Regel ja eine gute Sache. Bei vorliegender Platte gibt es aber einen Wermutstropfen, denn wäre Gitarrist Caio Puttini Chaves vor einem knappen Jahr nicht ausgestiegen, hätten Christiane, Thomasz und Carsten weniger Zeit für die Arbeiten an einer neuen CD gehabt und die eigentlich geplanten Tourdates wahrnehmen können. Die Tour fiel also aus und anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, forcierte man die Arbeit an "Cherrytree Stories And Other Innuendo Tales".

Als ob die Band mein letztjähriges Review gelesen hätte … da sprach ich von nächtlichen 'Sitzungen' unterm Kirschbaum mit all dem Dazugehörenden und voila: "Cherrytree Stories And Other Innuendo Tales" heißt das neue Werk. Spaß beiseite, auch heuer lassen es die nunmehr zwei männlichen Musiker um Frontstimme Christiane Thomaßen anständig rumsen. Tomasz Riedel bedient nun neben dem Vier- auch den Sechssaiter und das tut er mit der gebotenen Verve, Schärfe und Finesse.

Mit "Reframe", so möchte ich meinen, stellt sich der verbliebene Dreier erst einmal vor. Selbstverständlich wird in erster Linie Christianes Vokalakrobatik ausgiebig präsentiert und diese präzise von vertrackt markantem Bassspiel in Szene gesetzt. Die nicht minder präzise Becken- und Fellarbeit von Carsten zeigen die Klasse des Trios. Dass Frau Thomaßen nicht nur Grace Slick und Inga Rumpf kann, wie ich im Vorgängerwerk konstatierte, sondern vor allem auch stilistisch vokale Jazzanleihen beherrscht, ist ein Pfund, denn das erweitert den Genre-Radius ungemein.  Auch die beiden Männer lassen keinen Zweifel, dass sie Jazzrhythmen ebenfalls im handwerklichen Portfolio haben.

Tomasz gibt eine erste Kostprobe seiner Fähigkeiten am Sechssaiter. Aus der Kostprobe wird im Folgetrack "Electric Black" die Gewissheit, dass das sechssaitige Spiel durch den eigentlich Bass spielenden Tomasz gut kommt. Schön sind auch die Zwiesprachen zwischen Bass und Gitarre zum teils sphärischen Gesang. Es wird aber auch klar, dass es perspektivisch schon einen reinen Gitarrenspieler braucht, denn live kann Herr Riedel keine zwei Instrumente gleichzeitig bedienen. Schön, wie  die Band im Verlauf des Stückes eine spannende Psychedelic aufbaut. Eine Psychedelic, die sich zart an latenten Stoner und härtere Spielweisen lehnt.

Wieder vertrackt, mit dem Focus auf Stimme, Bass und Percussion startet "Under The Cherrytree". Es mischen sich ein paar jazzige Attitüden ein und es macht irren Spaß und Laune, dem 'Gefecht' von Stimme und Bass zu lauschen. Und dann kommt er, der fast 20-minütige Longtrack. Vor meinem geistigen Auge sehe ich die verdutzen Blicke meine Metal-Kollegen, ob meiner Aussage, lediglich die vierte Nummer als lang zu bezeichnen. Aber sieben oder acht Minuten kacken da im Vergleich einfach nur ab. Längenmäßig wohlgemerkt, denn ob 100 ml Glas, ¾ L- oder Magnumflasche: Wenn er Inhalt stimmt, sind alle drei Gefäße in Ordnung; die Magnumflasche jedoch jederzeit die Königin.

Schön, wie es nun per Tasten und Saiten in psychedelisches Fahrwasser gleitet. Sirenenhaft gesellen sich überirdisch wirkende Stimmbandschwingungen dazu und man merkt, dass sich die Band alle Zeit der Welt nimmt, um diesen musikalischen Diamanten zur Perfektion zu schleifen. Bluesig, jazzig, roh und vertrackt, psychedelisch süß und spaßig; das Trio hat viele Spielarten drauf und weiß sie vorzüglich einzusetzen. Spannend auch die Choreografie, die keine Langeweile aufkommen lässt und immer wieder mal unerwartete Wendungen nimmt. Aber sie geizt auch nicht mit Wegen, auf denen man sofort erahnt, was nach der nächsten Kehre kommt. Und immer wieder dieses geile Bassspiel. Und immer wider diese markante Stimme. Und jetzt spielt Tomasz Riedel gerade einen Gitarrenpart zum Niederknien … Alter Schwede!

Giants Dwarfs And Black Holes ist eine Band, die jeder mit einem Faible für Musik abseits der ausgetretenen Pfade unbedingt anchecken solllte. Dass sie bei Sirenna beheimatet ist dürfte ein weiteres Qualitätsmerkmal sein. Noch eines gefällig? "Cherrytree Stories And Other Innuendo Tales" wurde von Eroc gemastert.

Jetzt noch einen Vollzeitgitarristen finden und ab auf die Bühnen.


Line-up Giants Dwarfs And Black Holes:

Christiane Thomaßen (vocals)
Tomasz Riedel (bass, guitars, keys)
Carsten Freckmann (drums and percussion)

Tracklist "Cherrytree Stories And Other Innuendo Tales":

  1. Reframe (7:37)
  2. Electric Black (8:29)
  3. Under The Cherrytree (6:49)
  4. A Cent For The Old Hollow And Stuffed Guy (19:16)

Gesamtspielzeit: 42:16, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Ulli Heiser

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2 Kommentare

  1. Ulli Heiser

    Vielen Dank für das Feedback, Christiane.
    Da freue ich mich doch gleich schon auf das nächste Werk.

    Beste Grüße

    Ulli

  2. Christiane T.

    …auf den Punkt… Danke für diesen rezensischen Höhenflug! Tatsächlich: das Bild der vorigen Review hat den Albumtitel maßgeblich inspiriert. Und die neuen Herausforderungen, haben nochmal musikalische Grenzen aufbrechen lassen. Keine kreativen Limits! Tomasz bleibt bei den 6 Saiten und hebt damit zu immer höheren, tieferen Klangsphären ab. Sehr steile Vorlage für unseren neuen Basser Eckhart Keim, der nach langer Suche an jetzt für die satten Untertöne sorgt. Das nächste Album ist in Arbeit und wir sind heiß auf die Bühne. Danke, Danke Christiane T.

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