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Helloween / March Of Time (The Best Of 40 Years) – 3CD-Review

Helloween / March of Time (The Best of 40 Years)

"Are You Metal?" heißt es bei der Band Helloween auf ihrem 14. Studioalbum 7 Sinners (2010). Eine wegweisende Frage, ist diese doch seit 40 Jahren prägender Bestandteil bei den Nordlichtern. Der 15 Jahre alte Singlehit hat neben weiteren 41 Songs Einzug gehalten auf dem Album "March Of Time (The Best Of 40 Years)". Fans von Helloween und solche, die es noch werden möchten, halten hier eine karriereumspannende Deluxe-Anthologie in der Hand, die gewiss keine Wünsche offen lässt. Im Gepäck haben die Hamburger als aktuelle Veröffentlichungen ihr geichnamiges Album Helloween (2021) und das Doppel-Album Live At Budokan (2024). Nun folgt also ein Best Of und damit verbunden die obligatorische Frage: Wer sollte es sich zulegen?

Die Auswahl der Titel ist handverlesen. Es gibt einen allumfassenden Überblick über das Schaffen der Band in einem Zeitraum von 40 Jahren. Fans müssen selbst schon über einen großen Backkatalog verfügen, um die Auswahl abdecken zu können. Zurück zu unserer Ausgangsfrage und Helloween: "Are You Metal?" Ganz sicher gilt die Band als Inbegriff des Metal. Dazu gehört der typische Helloween-Sound, aber auch die sprichwörtliche Spielfreude, verbunden mit den gestalterischen Möglichkeiten beim Gesang mit drei Sängern und in der Gitarrenarbeit. Die siebenköpfige Formation weiß sich mit ihren Möglichkeiten bestens in Szene zu setzen und so spannt "March Of Time" einen Bogen hinweg über weitaus mehr Stilrichtungen als nur den typischen Power Metal. Hier setzen die Musiker Akzente, belegt die vorliegende Anthologie doch, dass da weitaus mehr geht.

Die Auswahl ist derart ausgewogen, dass jede der drei Scheiben reichlich mit Klassikern (Hymnen) und vergleichsweise weniger bekannten Kompositionen bestückt ist. Helloween muss aber nicht immer die schnelle Nummer sein, wie uns "Windmill", "In The Middle Of A Heartbeat" oder "Forever And One (Neverland)" vor Augen führen. Es gibt zugleich Titel, die sowohl kraftvoll, aber gleichzeitig verträumt-andächtig wirken können ("Perfect Gentleman"). Geradezu legendär ist der Spannungsaufbau beim melodiebetonten Opus Keeper Of The Seven Keys. Das zweiteilige Werk, das zwei Alben den Namen gab ("Keeper Of The Seven Keys Part 1" und "Keeper Of The Seven Keys Part 1") begleitet die Band schon seit 1987 beziehungsweise 1988. Mit den verspielten Gitarren hatten sich die Hamburger schon damals ein Denkmal gesetzt, kann man ohne Umschweife feststellen. Dabei fand die Bandgründung erst kurz zuvor 1984 statt. Sicherlich war jene Zeit die Hochphase von Helloween. Unterm Strich konnten aber Umbesetzungen und Pausen den erfolgreichen Werdegang mit der Reunion 2015 bis heute nicht aufhalten.

Die genannten ruhigeren Stücke sind willkommene Atempausen in dem Hochgeschwindigkeits-Metal, in dem Thrash Metal-Elemente genauso versteckt einfließen wie symphonische Anleihen. Dies wiederum ist darin begründet, da Helloween abseits von Genregrenzen stets munter drauf losspielten. So ließen sich die Musiker von Weggefährten inspirieren, im Gegenzug bleiben sie bis heute Vorbilder für mehrere Generationen. Ein weiterer Verdienst ist es, dass die Marke Helloween als Beleg dafür steht, dass Power Metal keineswegs eintönig klingen muss.

Das vorliegenende Material macht deutlich, welchen Anteil die Band an der Entwicklung des Metal hierzulande hatte und wie die Formation im Ausland gefeiert wurde. Verdientermaßen, muss man hier ohne Einschränkung hinzufügen. Die Auswahl der 42 Titel begünstigt ungezählte Durchläufe, weil Langeweile beim Hören gar nicht erst aufkommen kann. Die Dramaturgie bei der Abfolge der Lieder ist deshalb sehr gut gewählt worden.

Die zweite CD ist mit 76:10 Minuten nicht nur die längste der drei Scheiben; sie zeigt uns abseits der bekannten Hits mit Ohrwurmgarantie ("I Want Out", "Future World", "Dr. Stein", "Keeper Of The Seven Keys", "The Invisible Man") die etwas ruhigere Seite der Band.

Die Anthologie mit drei CDs beeindruckt mit einer Spielzeit von 226 Minuten. Darunter sind mit "Walls Of Jericho" / "Ride The Sky", "Keeper Of The Seven Keys" und "Skyfall" Werke mit einer Spieldauer von mehr als zehn Minuten. Lieder mit sechs oder sieben Minuten Spielzeit sind bei Helloween ebenfalls keine Seltenheit.

"March Of Time" verbreitet auf alle Fälle gute Laune. Das karriereumspannende "Best Of 40 Years" bietet reichlich Abwechslung und ist ein würdiger Beitrag zum 40-jährigen Bestehen von Helloween.


Line-up Helloween:

Andi Deris (lead vocals)
Michael Kiske (lead vocals)
Kai Hansen (vocals, guitar)
Michael 'Weiki' Weikath (guitar, backing vocals)
Sascha Gerstner (guitar, backing vocals)
Markus Grosskopf (bass, backing vocals)
Daniel 'Dani' Löble (drums)

Tracklist "March of Time (The Best of 40 Years)":

CD 1

  1. Walls Of Jericho/Ride The Sky
  2. Metal Invaders
  3. Victim Of Fate
  4. How Many Tears
  5. Eagle Fly Free
  6. Halloween
  7. A Tale That Wasn’t Right
  8. Future World
  9. March Of Time
  10. Dr. Stein
  11. Keeper of the Seven Keys

CD 2

1. I Want Out
2. Kids Of The Century
3 . Number One
4 . Windmill
5. Sole Survivor
6. Perfect Gentleman
7. In The Middle Of A Heartbeat
8. Why?
9. Forever And One (Neverland)
10. Power
11. Steel Tormentor
12. Hey Lord!
13. I Can
14. If I Could Fly
15. Mr. Torture
16. Hell Was Made In Heaven

17. Light The Universe

CD 3

  1. The Invisible Man
  2. As Long As I Fall
  3. Kill It
  4. Where The Sinners Go
  5. Are You Metal?
  6. Nabataea
  7. Straight Out Of Hell
  8. Waiting For The Thunder
  9. Heroes
  10. My God Given Right
  11. Pumpkins United
  12. Best Time
  13. Fear Of The Fallen
  14. Skyfall

Gesamtspielzeit: 76:08 (CD 1), 76:10 (CD 2), 73:24 (CD 3), Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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