2027 wächst das Ruhrgebiet zur Metropole für die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) zusammen. Besucher erleben bei diesem Ereignis nicht nur eine einzelne Stadt. Eine Region präsentiert sich dann als Gastgeber. Dass die Bewohner im 'Pott' gute Gastgeber sein können, beweisen die Macher des Rock Hard-Festivals seit 2003. Das 20-jährige Bestehen des gleichnamigen Magazins war damals die Initialzündung. Daraus ist im Ambiente des dortigen Amphitheaters mit dem angrenzenden Rhein-Herne-Kanal ein Szeneereignis mit wunderbarer Kulisse gereift.
Wer mit nachhaltig schlechter Festivalerfahrung nach Gelsenkirchen kommt, wähnt sich hier wie in einem anderen Film und erwägt vielleicht sogar, beim nächsten Mal drei statt nur einen Tag auf dem Festival zu verbringen. Nehmen wir die bekannten Zutaten wie das Musikangebot, ein friedliches Miteinander unter den Besuchern und mit Camping und Ständen einen guten Service, so wird beim Rock Hard-Festival noch mehr geboten. Es ist die stimmungsvolle Naturkulisse, wobei die Frage steht: Warum gleich mit der IGA soweit ausholen? Es sind einfach Ereignisse in der gleichen Stadt, die Menschen mit gemeinsamen Interessen zusammen bringen. Ereignisse bewegen Menschen.
- Pfingsten treffen sich die Metal-Fans in Gelsenkirchen
- Nach und nach füllt sich das weite Rund. Bei starker Hitze wie 2026 läuft es natürlich beschaulicher ab

Schlagzeuger Mikkey Dee und seine zwei Musikerkollegen spielten zu Ehren der verstorbenen Motörhead-Weggefährten
Damit treten beim Rock Hard die allseits bekannten Merkmale eines Festivals noch stärker in Erscheinung. Besucher kommen in aller Regel, um ihre Favoriten zu hören und freuen sich, Neuentdeckungen zu erkunden. Dazwischen gibt es Überraschungsmomente, wie den Auftritt von Uli Jon Roth mit seinem "Virgin Killer"-Set. Das Programm bot der frühere Scorpions-Gitarrist jüngst auf seiner eigenen Tour. Viele Besucher wussten dadurch, was sie inhaltlich erwartet. Doch die Art und Weise, wie Roth als Teil einer gut funktionierenden All Star-Band spielte, die Leidenschaft und die authentisch dargebotenen Scorpions-Klassiker – das war großartig. Zurecht wurde der Gitarrist lautstark von den Fans gefeiert. Es tauchen plötzlich Fragen auf, was der heute 71-Jährige nach seinem Ausstieg bei den Scorpions so lange allein gemacht hat. In einer solchen Konstellation traten am Pfingstsonntag außerdem die Szenegrößen Gus G. und Ronnie Romero (u.a. Rainbow) vor den Festivalbesuchern auf, versammelte Schlagzeuger Mikkey Dee am Abend zwei Musiker, um 'Mikkey Dee With Friends Playing Motörhead Classics' in einer Länge von 75 Minuten zu zelebrieren. Unter dieser Bezeichnung tritt Publikumsliebling Dee als ehemaliges Bandmitglied bei Motörhead mit verschiedenen Musikern als Trio in Erscheinung.
- Ronnie Romero verewigt sich bei den Fans per Autogramm. Links Gitarrist Gus G.
- Gitarrist Uli Jon Roth hochkonzentriert bei seinem gefeierten Auftritt
- Mikkey Dee fleißig nach seiner Ankunft auf dem Festivalgelände
Die präzisen Umbaupausen und die exakt auf die Minute eingehaltenen Spiellängen sind den Mitschnitten per Stream geschuldet. Die Programme werden zeitversetzt in der Reihe WDR Rockpalast ausgestrahlt. Die Logistik ist vorgegeben, aber sie muss erst einmal eingehalten werden. Das ist in Gelsenkirchen der Fall. Genauso darf man der Redaktion des Veranstalters ein Dankeschön aussprechen. Klar doch, Rock Hard hat damit ein gutes Instrument am Markt gefunden, doch wollen drei Tage mit allem Drum und Dran erst einmal organisiert sein.
Bleiben wir noch einmal beim abschließenden Sonntag. Als »Die Rückkehrer« wurden Saxon im Programmheft angekündigt. Nachdem sich Sänger Biff Byford im vergangenen Jahr einer Chemotherapie infolge einer Krebserkrankung unterziehen musste, ist die Konzerttätigkeit gewiss eine Kraftanstrengung, der sich der Sänger jedoch stellt. Dies mit Bravour, wie der Auftritt vom 24. Mai 2026 zeigte. Die Fans waren auf Saxon eingeschworen, die Setlist war gespickt mit Klassikern und die Frage sei erlaubt, wie die Konzerte getoppt werden können. Ich möchte dies gar nicht mit Iron Maiden vergleichen, die in ihrer eigenen Liga spielen. Aber in puncto Fantreue, Leidenschaft, Energie und Live-Qualität ist die Band aus Yorkshire einzigartig. Biff Byford war an jenem heißen Abend zusätzlich für die Abteilung Nostalgie zuständig. Er erinnerte daran, dass es in ihrer Gründungsphase und der Zeit der ersten Platten kein Facebook, kein TikTok und keine Streamingdienste wie Spotify gab, sondern Langspielplatten aus Vinyl und das Radio allein die erste Geige spielten. Der Frontmann ließ offen, ob er lieber die Zeit zurückholen möchte oder ob er sich mit den neuen Trends anfreunden kann. Biff Byford streifte nach seinem Muster wieder zahlreiche Besucherjacken auf der Bühne über. Er kommunizierte viel mit dem Publikum. Gegenwärtig arbeiten die Briten an einem neuen Album, das ihnen garantiert neue, vor allem junge Fans beschert, während die Alteingesessenen ihrer Band die Treue halten. Saxon war der unübertroffene Höhepunkt am Finaltag.
Die US-amerikanischen Metal- Dinosaurier Armored Saint am Freitag und Paradise Lost mit ihrem Set am Samstag waren die ungekrönten Helden an den zwei Tagen zuvor. Beide stehen stellvertretend für alle teilnehmenden Bands und die verschiedenen Facetten des Festivals. Das Rock Hard-Festival ist eine klare Empfehlung. Die Bezeichnung als 'familienfreundliches' Konzertereignis trifft es am besten. Auffällig, dass es bereits viele Familien vor Ort gibt. Sie können sich hier wohlfühlen. Mit dem Theaterrund und den großzügig ausgelegten Stufen gibt es überall gute Sicht. Die technischen Bedingungen sind so ausgelegt, dass man die Lautstärke als angenehm empfinden darf. Schwer zu sagen, was man bei diesem Drei-Tage-Festival noch besser machen könnte.









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