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Iron Maiden "Run For Your Lives World Tour 2025/26" – Konzertbericht, 26.07.2025, Cannstatter Wasen, Stuttgart

»Wir kommen wieder, Stuttgart«, rief Sänger Bruce Dickinson den 45.000 Maiden-Fans auf dem Cannstatter Wasen zu. Keine Frage, das war keine Ankündigung, das war ein eindeutiges Versprechen. Das Konzert am 26. Juli 2025 war bereits das zehnte Gastspiel der britischen Band in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg. Eine Neuauflage scheint, so lange es die Band gibt, nur eine Frage der Zeit zu sein. Wer weiß, vielleicht hätte Dickinson den Anwesenden auch zurufen wollen: 'Ihr seid mir meine liebsten Fans'. Als Diplomat war das für ihn naturgemäß kein Thema.

Die Besucher des Konzertes einte nach dem Finale mit "Aces High", "Fear Of The Dark" und "Wasted Years", die jeweils als Zugaben gespielt wurden, vor allem eine Frage: Wie soll eine solche Leistung noch getoppt werden? Eine gewaltige Bühne, glasklarer Sound, leistungsstarke Videoleinwände und Musiker, die eindeutig auf Handwerk und weniger auf Showeinlagen setzten, sieht man einmal von Effekten auf der Bühne ab, darunter erstaunlich viel Pyrotechnik.

Alles begann damit, dass durch die Taktung der U-Bahn-Line zum Neckarstadion ein gutes und damit schnelles Durchkommen zum Veranstaltungsgelände möglich war. Im Sieben-Minuten-Takt brachten die Verkehrsbetriebe die Fans in Richtung ihrer Idole. Dann die bange Frage nach dem Wetter und um 17 Uhr, eine Stunde nach Einlassbeginn, die unliebsame Auflösung, dass 20 Prozent Regenwahrscheinlichkeit eben doch kein Grund sind, sich getrost zurückzulehnen. Etwa eine halbe Stunde goss es wie aus Kübeln. Als 18.15 Uhr urplötzlich die Sonne aufblitzte, wurde dieser Moment lautstark wie das Eintreffen eines Stars gefeiert. Die Sonne verschwand schnell wieder, dauerhaft ebenso der Regen. Bruce Dickinson spielte fortlaufend auf den »Fucking Rain« an und machte kein Geheimnis daraus, dass er diese Situation auf das prächtige Publikum zurückführe. Es sei eine »Energieleistung« der Besucher, so der 66-Jährige auf die Frage nach dem ausbleibenden Schauer.

Ein Dauerregen wäre möglicherweise noch kein Stimmungskiller gewesen, aber dennoch kein gutes Polster, um ein solches Konzert zu genießen, das mehr war als nur das Aneinanderreihen von zum Teil lange nicht mehr gespielten Klassikern von Iron Maiden. Doch der Reihe nach. 18.55 Uhr und damit auf die Sekunde nach der vorangegangenen Planung, betraten Avatar die Bühne. 'Wer sind Avatar, die Band aus Schweden?', mag sich mancher im weiten Areal gefragt haben. Es war doch nur die Begleitband von Maiden auf deren Run For Your Lives World-Tour. Anders gesagt: Es war immerhin der Support von Maiden! Avatar verabschiedeten sich nach 45 Minuten mit der Ankündigung, dass sie im Februar und März 2026 mit einer eigenen Headliner-Show durch Deutschland touren werden.

In der 2001 gegründeten Formation überraschte Sänger Johannes Eckerström mit ausgezeichnetem Deutsch. In ruhigen Passagen kam der Frontmann optisch und musikalisch wie eine Mischung aus Alice Cooper und Marilyn Manson rüber. Aber leise Töne waren nicht die Botschaft jener Band, die stilistisch dem Alternative Metal und dem Melodic Death Metal zuzuordnen ist. Wobei musikalische Grenzen fließend sind. Schüttelten die Gitarristen Jonas Jarlsby und Tim Öhrström sowie ihr Basskollege Henrik Sandelin das Haupthaar mit einer starken Wucht, hätte man meinen können, das Headbanging wäre in Schweden erfunden worden. Avatar sorgten als Vorband für den Kontrast, jedoch für keine schlechten. Das Kontrastprogramm war abwechslungsreich und niemand dürfte im Nachgang von einer Enttäuschung sprechen. Es war die Überraschungsband des Abends, ausgestattet mit viel Energie und mit musikalischem Können. Eine gute Überleitung zu Maiden, die Avatar in kollegialer Weise ankündigten. In der Moderation komplett in deutscher Sprache.

Maiden gigantisch - das war die Show in Stuttgart

Maiden gigantisch – das war die Show in Stuttgart

Iron Maiden machten anschließend kurzen Prozess, denn sie legten sofort los wie die Feuerwehr. Das geschah mit "Murders In The Rue Morgue" als Opener. Dabei war in den ersten Einheiten die Bühne derart verkleidet, dass das Szenario einer Theaterkulisse glich. Mehr und mehr nahmen im Verlauf die Computeranimationen deutlich zu, wobei Monster Eddie, wie zu erwarten war, einen arbeitsreichen Abend hatte. Maiden schafften es, mit ihrem Programm den Spannungsbogen bis zum Ende hochzuhalten, wenngleich die Setliste schon seit mehreren Monaten bekannt war. Die Musiker spielen Programme gewöhnlich aus Titeln der neuen Alben oder sie stellen eine Auswahl ihrer bestenTitel vor. Die Auswahl auf der aktuellen Tour bietet eine Mischung, wie man sie noch nie gehört hatte. Hinzu kam eine bestens aufgelegte Band. Da ragte Bruce Dickinson, der sich in blendender Verfassung präsentierte, nicht einmal heraus. Klar, in gewisser Hinsicht war er die zentrale Person. Die Musiker lächelten auf der Bühne und warfen sich untereinander Blicke zu, als agiere hier eine junge Band mit großer Freude über den Ablauf ihrer Darbietung. Recht schnell machte sich der Eindruck breit, dass man hier eine Band sah, die noch lange nicht genug hat. Keine neue Erkenntnis, doch Iron Maiden spielten mit einer erstaunlichen Frische und einer sagenhaften Energie.

Ein Altersspektrum von 66 bis 69 Jahren rufen die sechs Musiker auf, Schlagzeuger Simon Dawson (67) passt hier somit sehr gut zur Band. Auf der zentral positionierten 'Schießbude' war er für die Zuschauer gut im Blick und höher platziert als sein Vorgänger Nicko McBrain (73), der Iron Maiden Ende 2024 nach 42 Jahren Zugehörigkeit verlassen hatte. Es passte sehr gut zum Ablauf dieser eindrucksvollen und persönlichen Show, dass der 'Newcomer' schon nach 20 Minuten vorgestellt wurde. »Wir begrüßen ihn in unserer Familie«, freute sich Bruce Dickinson und erntete grenzenlosen Jubel.

In Bestform Sänger Bruce Dickinson

In Bestform Sänger Bruce Dickinson

Die Kompositionen erhielten alle eine leicht frische Politur verpasst, je nach Spiellänge wurde improvisiert und ein kleines Stück zum Original hinzugefügt. "Phantom Of The Opera" war für viele Gäste der erste Höhepunkt. Frei nach dem Motto: Hier zeigen Iron Maiden in filigraner Weise, was sie so einzigartig macht. Bei "Run To The Hills" schmunzelte Dave Murray eingangs, als wolle er sagen, dass er sich nichts sehnlicher gewünscht habe, als dieses Lied zu spielen. In der Tat: Kein zweites Stück sangen die Fans so lauthals mit wie diesen Track aus dem Album The Number Of The Beast. "Run To The Hills" ist inzwischen fester Bestandteil einer jeden Show. Unüberhörbar ist es zu einer Erkennungshymne geworden und ist beliebt wie die Kulthits "The Trooper", Hallowed Be Thy Name" oder "2 Minutes To Midnight ".

Das fesselnde "Rime Of The Ancient Mariner" wurde zu einem weiteren Höhepunkt der Show, in Performance und Länge. Sechzehn Jahre schon fehlte es zuletzt auf den Konzertbühnen. Das vergleichsweise eher unspektakuläre "Seventh Son Of A Seventh Son", zugleich Titel des gleichnamigen Konzeptalbums aus dem Jahr 1988, erlebte ein grandioses Finale. Erst stand beim Nachschlag Bassist Steve Harris Schlagzeuger Simon Dawson bei dessen Solo zur Seite, anschließend entwickelte sich daraus ein furioses Instrumentalstück. Immerhin galt es neben dem zehnten Bühnenauftriftt von Iron Maiden in Stuttgart das 50-jährige Bandjubiläum zu feiern. Der offizielle Geburtstag steht am  25. Dezember ins Haus, doch wo immer das Sextett schon früher auftritt, huldigen die Fans ihre Idole angesichts ihres grenzenlosen Erfolgs.

Tonangebend an diesem Abend: Dave Murray

Tonangebend an diesem Abend: Dave Murray

Der Glanz der Musiker mutete fast schon so an, als freuten sich die Akteure mehr über ihren eigenen Auftritt und damit verbunden die Möglichkeit, ihre geliebten Lieder zu spielen. Grenzenlos war einmal mehr deren Spielfreude, die sprichwörtlich ist. Iron Maiden legten eine Leidenschaft an den Tag, die jeden Besucher in Verzückung versetzte. »Stuttgart, wir kommen wieder«, das klang symbolisch noch nach Ende der Show an. Im LKA-Longhorn fand die offizielle After Show-Party der Tour für das Konzert in Stuttgart statt. Offiziell geöffnet war die Konzertspielstätte an diesem Tag sogar von 12.00 Uhr bis 5.00 Uhr. Das in 'Eddies Official Dive Bar' umbenannte Lokal war Partyzone mit Musik, Merchandising-Verkauf, Bierausschank und Treffpunkt für Gespräche für die Fans von Iron Maiden. Das Longhorn, das bereits auf 40 Jahre als Veranstaltungsstätte blicken kann, war gewiss ein würdiger Ort. Hier geben demnächst mit Livemusik W.A.S.P. und Testament ihre Visitenkarten ab. Metal spielt hier eine wichtige Rolle.

Wer hier dabei war, konnte seinen Konzertbesuch auf den Cannstatter Wasen gewissermaßen veredeln. Auf dem großen Volksfestgelände gab es ein Spektakel, das eines 50. Bandgeburtstages mehr als würdig war – eine Show, bei der alles passte. Iron Maiden glänzten, sie zauberten, sie bescherten ihren Gästen ein unvergessliches Erlebnis.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Mario Keim | RockTimes


Line-up Avatar:

Johannes Eckerström (vocals)
Jonas Jarlsby (guitar)
Tim Öhrström (guitar)
Henrik Sandelin (bass)
John Alfredsson (drums)

Line-up Iron Maiden:

Bruce Dickinson (vocals)
Dave Murray (guitars)
Adrian Smith (guitars)
Janick Gers (guitars)
Steve Harris (bass)
Simon Dawson (drums)

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

1 Kommentar

  1. Marc-Alexander Abel

    Ein sehr guter Artikel der die unglaubliche Konzerstimmung einfängt und es auf den Punkt bringt und die Finesse von Iron Maiden unterstreicht, es war wahrlich ein Fest für alle Sinne!

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