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Little Richard / The Best Of Little Richard – Vinyl-EP-Review

Little Richard - "The Best Of Little Richard" - LP-Review

Unbestritten ist, dass Little Richard einer der ganz großen Rock-Götter der ersten Stunde, also noch in den fünfziger Jahren war. Leicht hatte er es, auch bzw. vor allem wegen seiner Hautfarbe, zu der damaligen Zeit trotzdem nicht. Und dennoch (oder gerade deswegen?) sind damals mit beispielsweise "Tutti Frutti", "Long Tall Sally", "Lucille", "Good Golly, Miss Molly", "Keep-A Knockin'" oder "Rip It Up" zeitlose Rock’n’Roll-Klassiker entstanden, die nicht nur nach wie vor sehr gerne gehörte (und im Radio gespielte) Evergreens wurden, sondern seit Jahrzehnten und sogar nach wie vor von aktuellen Kapellen sehr gerne gecovert werden. Und Mr. Richard Wayne Penniman (wie er mit bürgerlichem Namen heißt) hatte bereits Anfang der Sechziger solch einen riesigen Erfolg, dass sogar in Japan eine Scheibe mit dem Namen "The Best Of Little Richard" erschien.

Darauf versammelt sind insgesamt zwölf Tracks, die gemäß der damals üblichen Kürze natürlich auch eine etwas magere Gesamtspielzeit der mir vorliegenden Platte ergeben. Aber darauf kommt es hier gar nicht an, vielmehr darf man sich an einem begeisternden Kleinod erfreuen, das dem Hörer die unglaubliche Kraft und Stärke dieses Musikers noch einmal bewusst macht. Und dieses Schätzchen kommt dazu noch in einer limitierten Auflage von lediglich 500 Exemplaren auf farbigem (in meinem Fall orangen) Vinyl sowie im Mono-Sound daher, was absolut die Qualität von echtem Sammler-Material darstellt. Neben diesem Aspekt wurde auch das damals originale Cover mit japanischen Songtiteln (in Englisch sind sie aber auch vertreten) wieder verwendet, das lediglich im unteren Bereich auf der Rückseite um einige aktuelle Angaben ergänzt wurde.

Die hier vertretenen Songs braucht man wohl nicht mehr großartig vorzustellen. Trotzdem stellt dieses Wiederhören (falls man Little Richard nicht mehr so oft auf dem Plattenteller hat) zumindest beim Rezensenten mehrere Male die Nackenhaare nach oben. Dieser wahnsinnig kraftvolle und intensive Gesang, der dennoch jederzeit in der Lage ist massenhaft Feeling zu verströmen, wurde bis heute selten erreicht. Von der europäischen bzw. weißhäutigen Sängerriege schon mal gar nicht. Spontan fällt mir gerade mal Steve Marriott ein, der in etwa in die Nähe von Mr. Penniman kam. Aber im Prinzip hinken da auch sämtliche Vergleiche, da der Protagonist ein echtes Unikum darstellt. Da kamen vom Gesang weder ein Chuck Berry, noch ein Carl Perkins mit. Von Bill Haley ganz zu schweigen.

Instinktiv wusste Little Richard bereits damals wohl schon selbst, dass ihm hinsichtlich des Gesangs lediglich Elvis Presley (selbst wenn auch dieser Vergleich hinkt) die Krone nehmen konnte. Der trug ja dann auch den Beinamen 'The King of Rock’n’Roll', was wahrscheinlich den Ausschlag dafür gab, dass (Vorsicht, eine Legende) Little Richard eines Nachts völlig durchgeknallt mit einer Knarre in der Hand vor den Toren Gracelands aufgetaucht sein soll, um endgültig mal klar zu stellen, wer denn nun in Wirklichkeit der Beste und Größte sei. Das Ende dieser Story ist allerdings, dass der gute Elvis sich in weiser Zurückhaltung übte und sich gar nicht erst aus dem Haus traute. Aber das sind natürlich alles nur Nebenschauplätze, die etwas zur Erheiterung beitragen sollen.

Denn ausschlaggebend und wie immer das Wichtigste ist selbstverständlich nach wie vor die Musik. Und die beeindruckt auf dieser EP mal wieder kolossal!


Tracklist "The Best Of Little Richard":

Side 1:

  1. Lucille
  2. Good Golly, Miss Molly
  3. Send Me Some Lovin'
  4. Miss Ann
  5. She Knows How To Rock
  6. Kansas City

Side 2:

  1. Jenny, Jenny
  2. True Fine Mama
  3. Hey, Hey, Hey, Hey
  4. Ooh! My Soul
  5. I’ll Never Let You Go
  6. Baby Face

Gesamtspielzeit: 13:51 (Side 1), 13:36 (Side 2), Erscheinungsjahr: 2019 (1962)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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