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Michael van Merwyk / Move On Down The Line – Digital-Review

Ende Januar 2026 brachte Michael van Merwyk via Timezone Records sein Album "Move On Down The Line" auf den Markt.
Dazu schreibt das Label unter anderem: »[…] Ein Raum voller Gitarren, zwei Mikrofone – und ein Musiker, der nichts weiter braucht als Stimme, Slide und Gefühl. Für sein neues Album "Move On Down The Line" hat Michael van Merwyk den Aufnahmeprozess radikal reduziert und damit eine intime Klangwelt geschaffen, die direkter kaum sein könnte. Aufgenommen wurde die CD bei Mainwwood Guitars in den Niederlanden, einem Gitarrenladen, der sich auf Resonatorgitarren spezialisiert hat. Zum Einsatz kamen ausschließlich National Reso-Phonic Gitarren – vom ehrwürdigen Vintage-Modell aus den 1930er Jahren bis hin zu modernen Instrumenten. Manche Stücke spielt van Merwyk auch auf seiner treuen Begleiterin 'Heart', einer Continental CS-N aus den 1990ern. Jeder Song ist ein einziger Take, ohne Overdubs, ohne Studiotricks – so pur, als säße er direkt im Wohnzimmer seines Publikums. […] Das Repertoire teilt sich gleichmäßig: zur Hälfte präsentiert Michael van Merwyk eigene Songs, zur anderen Hälfte interpretiert er Klassiker von Barbecue Bob, Hank Williams, Charley Patton, Sleepy John Estes, Norman Beaker und Al Ferrier. Der Titelsong stammt aus der Feder von Jesse Fuller. Mit jedem Stück würdigt er die Tradition der 'Songster' – Musiker wie Mississippi John Hurt, Big Bill Broonzy oder Lead Belly, die jenseits aller Genregrenzen spielten, was das Publikum hören wollte. […]«

Nach 56:30 min steht fest, dass Michael van Merwyk mit "Move On Down The Line" ein Blues-Kunstwerk geschaffen hat.
Es ist beeindruckend, wie der Musiker mit seiner angerauten Stimme und verschiedenen zum Einsatz gebrachten Gitarre, Stimmungen erzeugen kann, bei denen es schwer fällt, sich der Anziehungskraft, dem Reiz dieses Blues zu entziehen.

Da sind die Leute vor den Lautsprechern gleich schon beim ersten Track mit dem Titel "Watch Out" (von Jesse Fuller) mittendrin und nicht nur dabei.
Da mag man zunächst gar nicht in der Tracklist hin und her wechseln, sondern die Aufmerksamkeit direkt dem zweiten Lied "You Don’t Know My Mind" widmen. Gegenüber dem Opener zieht der Protagonist das Tempo an und es groovt was das Zeug hält. Herrlich, wie es Michael van Merwyk versteht, den Blues auf bemerkenswerte Weise zu inszenieren.
Vom Up-Tempo zur gediegenen Stimmung. Der Künstler driftet in "Singing Waterfall" in den balladesken Modus und überzeugt uns davon, dass auch Country ein Standbein im Zwölftakter hat. Wie erleben den Musiker als einen Meister des Bottlenecks, der fesselnden Slide-Sounds.
In ganz besonderer Weise stellt "Deep Spirit" das herausragende Können auf der Gitarre in den Vordergrund, denn dieses Stück ist ein Instrumental.

Mit 5:26 min ist "Raise Your Voice" das längste Stück auf "Move On Down The Line".
Akzentuierte Rhythmik und ein hier besonders emotionaler Gesang prägen diesen Track. Natürlich werden auch jetzt die Fans der Bottleneck-Klänge auf ihre Kosten kommen. Eine sehr intensive Nummer und ein Highlight. Selbstredend glänzt er auch durch seine gefühlvoll gesetzten Soli.
Dann ist da noch ein weiteres längeres Lied, das sich ganz am Ende der Tracklist befindet. "Will Love Find Me Again" begeistert durch eine entspannte Atmosphäre und einen feinsten Fingerpicking seitens Michael van Merwyk. Ein höchst emotionales Ende des Albums.

Bei jedem einzelnen Lied bekommt man den Eindruck, als säße der »[…] 2m-Blues-Riese […]« unmittelbar vor einem.
Den persönlichen Charakter der fünfzehn Blues-Songs vermittelt nicht nur die Musik, sondern auch der Sound, mit dem der Zwölftakter in Szene gesetzt wurde.
Der Musiker fasziniert mit stets wechselnden Grooves.
Über ein wunderschöne-melodisches "Deep Blue Sea" erfüllt "Blues Stop Knocking" abermals den Wunsch nach einer flotten, energiegeladenen Nummer. Ja, nicht nur hier setzt die Fußwippe schon automatisch ein und wippt im Rhythmus der Lieder. Klasse!

Blues aus dem obersten Regal.
Man kommt auf den Gedanken, dem Musiker einen Spitznamen zu geben. 'Magic' Michael wäre passend. "Smile And Walk" ist ein  Paradebeispiel für Michael van Merwyks Fingerpicking-Künste und "Some Of These Days" soll stellvertretend für den Erzähl-Charakter der Lieder stehen.

Auf "Move On Down The Line" lässt Michael van Merwyk die lange Tradition des Blues hochleben.
Auf "Move On Down The Line" verknüpft Michael van Merwyk Lieder aus der History des Zwölftakters mit Eigenkompositionen zu einer großartigen Einheit.
"Move On Down The Line" von Michael van Merwyk ist eine eindeutige Empfehlung.


Line-up Michael van Merwyk:

Michael van Merwyk (vocals, guitars)

Tracklist "Move On Down The Line":

  1. Watch Out
  2. You Don’t Know My Mind
  3. Singing Waterfall
  4. Move On Down The Line
  5. Raise Your Voice
  6. Heavy Load
  7. Only I Got, What The Other Guys Want
  8. Deep Spirit
  9. Some Of These Days
  10. Liquor Store Blues
  11. Liars And Fools
  12. Deep Blue Sea
  13. Blues Stop Knocking
  14. Smile And Walk
  15. Will Love Find Me Again

Gesamtspielzeit: 56:30, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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