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Milky Way / Milky Way – CD-Review

Milky Way / Milky Way – CD-Review

Meine Güte – wenn ich auf dem Cover diese Namen der Musiker*innen lese, läuft mir als Freund des Jazz Rocks/der Fusion rasch das Wasser im Munde zusammen! Doch man sollte sich nicht zu früh freuen!

Zwar sind das fast alles Namen von Künstlern, mit denen ich eine ganz bestimmte Musik in Verbindung bringe, doch wird mir persönlich dieser Wunsch hinsichtlich meiner Erwartung nicht erfüllt. Im Einzelnen nenne ich folgende 'Referenzen', alle aus dem Jahr 1975, ein Höhepunkt der damaligen Fusion-Bewegung, und Jene, die bei Milky Way beteiligt sind:

Michał Urbaniak: "Fusion III"
Randy Brecker als The Brecker Brothers mit dem gleichnamigen Album
Lenny White: "Venusian Summer"

Ja, alle diese und sonstige Veröffentlichungen anderer Kollegen waren seinerzeit Sternstunden der Bewegung, und danach ebbte es nach und nach ab, bis es oft einfach langweilig wurde, Smooth Jazz, sehr am Pop orientiert, viel sanfter Synthie-Sound, leichter eingängiger Groove ohne jegliche Dissonanzen und Zurschaustellung von Solisten. Gut, man kann dieser Bewegung nun nicht absprechen, dass sie keiner Beachtung wert gewesen wäre, nur, wenn man verwöhnt war von dieser frühen Kreativität, dann wurde es nun einfach eher langweilig und sehr seicht, Mainstream halt, der sich anpasste, leider, manchmal muss ich auch an diese seichte Musik eines Kenny G denken!

Gute Veröffentlichungen sollte man natürlich auch nennen, wie das bekannte Album "Winelight" von Grover Washington Jr. aus dem Jahr 1980, oder einige Scheiben von Lee Ritenour oder Larry Carlton. Und wie passt nun Milky Way hier hinein? Wohl aus 1989 stammt dieses vergriffene Album einer Supergroup, iniitiert wurde es damals vom polnischen Musiker Michał Urbaniak, und veröffentlicht erstmalig auf dem Label L+R Records von Lippmann und Rau. Nun, letztlich ist das hier der typische Fusion-Sound jener Jahre, ohne Ecken und Kanten, komponiert wurden die elf Songs unterschiedlich von Urbaniak oder Christoph Spendel. Man kann sich entspannt zurücklehnen und den eingängigen Melodien lauschen. Wie schon bei Urbaniaks früheren Veröffentlichungen ist es hier auch Urszula Dudziak, die mit ihren Vokalbeiträgen das besondere Etwas hinzufügt.

Die Solisten lassen sich nicht unbedingt ausschweifend aus, sondern bleiben im vorgegebenen Rahmen, und so können wir uns auf einzelne nette Beiträge von Randy Brecker oder Ray Gomez neben Urbaniak und Spendel freuen. Der ansonsten für seine wilde Rhythmik bekannte Lenny White stellt einen soliden und professionellen Background sicher, und Bassist Bailey verdichtet die rhythmische Basis mit knurrendem Sound, und gemeinsam schafft man gelegentlich dann noch ein wenig mehr ausschweifende Passagen in einigen Songs, und bringt hier und da ein wenig funkenden Groove ein.

Von Urbaniak bin ich eigentlich auch mehr Kreativität gewohnt, hier nimmt er wohl öfter das nicht so kraftvoll im Ausdruck strahlende Lyricon zur Hand. Auch dann, wenn er mal das Saxofon einsetzt, war er am Anfang seiner damaligen Jazzkarriere mit diesem Instrument wagemutiger! Mithin ist sicher eine qualitativ hochwertige Musik entstanden bei dieser Fusion der hochkarätigen Musiker*innen, doch bin ich verwöhnt von deren Musik aus früheren Jahren, Musik, die mit mehr Kreativität und Ausdruckskraft ausgestattet war, Musik, die mehr forderte, und letztlich auch mehr mitriss und mehr Biss aufwies. Bei Milky Way ist es eher angebracht, die Beine hochzulegen und zu entspannen, nun, ist ja auch nicht schlecht, aber: relativ langweilig!


Line-up Milky Way:

Christoph Spendel (synthesizer, piano)
Michał Urbaniak (lyricon, violin, tenor saxophone, soprano saxophone, vocals)
Randy Brecker (trumpet)
Ray Gomez (guitar)
Matthews Radziejewski (guitar, midi guitar)
Lenny White (drums, percussion)
Urszula Dudziak (voice)
Nicki Richards (vocals, guitar and midi guitar – #6)
Victor Bailey (bass)

Tracklist "Milky Way":

  1. Minimal Samba (4:40)
  2. Out Of Brooklyn (4:30)
  3. Cruisin (4:39)
  4. Ofra Haza (5:10)
  5. Cool Wave (4:18)
  6. Milky Way (4:25)
  7. Ice Palace (5:08)
  8. The Mysterious Bookshop (4:46)
  9. Overture (0:46)
  10. Kolotek (4:49)
  11. Destiny (3:59)

Gesamtspielzeit:47:15, Erscheinungsjahr: 2026 (1989)

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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