Wenn zu lesen ist, dass "Cult Of Suffering" den alten Göttern des Nordens huldigt, stellt sich die Frage, was damit gemeint ist. Skandinavische Gottheiten oder skandinavische Death Metal-Bands? Vermutlich beides.
Das Cover sieht nach blutigem Ritual aus, aus dem Boxen dröhnt Death Metal der alten schwedischen Sorte. Dabei kommen Oracle Of Worms aus Deutschland, genauer gesagt ist Gießen angegeben. Als Gründungsjahr steht 2021 dabei und bisher gab es ein Demo ("Rehearsal IV XI MMXXI", 2021) und eine EP ("Frost Falls", 2023).
Wir haben es also bei "Cult Of Suffering" mit der ersten Lang-Veröffentlichung (als CD, Vinyl und blutrote Cassette) zu tun. Obwohl, diese ist mit 35 Minuten gar nicht mal so viel länger als die EP mit 20. Die mir vorliegende CD ist bei FDA-Records erschienen, dem passenden Label für die Musik.
Nach dem schlicht betitelten Intro, bei dem auch nicht viel passiert, streckt eine fiese Hungersnot die Krallen aus ("Claws Of Famine"). Klingt sehr nach 'toten Elchen' – machen die nicht satt?? Scherz beiseite, gemeint ist natürlich die als Elchtod bezeichnete Variante des Death Metals mit dem typischen HM-2-Sound. Oracle Of Worms transportieren diesen in die Neuzeit und ergänzen durch zusätzliche Einflüsse, was ordentlich gelingt, jedoch nicht unbedingt originell oder neu ist.
Muss es allerdings auch nicht zwingend, für geneigte Fans reicht es, wenn es amtlich rumpelt, was hier der Fall ist. Neben 'Kettensägen-Riffs' werden morbide Melodien versprochen – finde ich beides gelungen plastisch beschrieben, daher übernehme ich das hier in den Text. Allerdings warte ich immer noch darauf, dass eine Band einen solchen Gänsehautmoment einstreut, wie einst Entombed am Ende der "Left Hand Path".
Die Gitarristen beherrschen ebenfalls Harmonien, setzen das jedoch nur selten ein, siehe bzw. höre in "The Script". Außerdem findet sich eine Andeutung davon im Titeltrack "Cult Of Suffering" und es gibt es einen dezenten Part in der Mitte von "Rabid". Schade eigentlich, es hätten ein paar mehr solche Stellen sein dürfen, fände ich eine angenehme Auflockerung.
Meistens wird auf Blastbeats gesetzt, selten mal (kurz) das Tempo gedrosselt. Ansonsten dominieren Geschwindigkeit und Growls. Manchmal scheint zudem schwarze Atmosphäre durch, häufiger allerdings crustige Aggression. Das Ganze ist flüssig gespielt und arrangiert, es ist zu hören, dass keine Anfänger am Werk sind. Die Musiker waren / sind größtenteils außerdem bei anderen Bands aktiv, beispielsweise sind Freddy und Chris unter anderem bei Mantigore aktiv. Andi ist auch bei Blizzen und war bei Thrashtanica – ach sieh an, der ist mir sogar schon live begegnet, hätte ihn nun nicht bei einer Band dieser Stilrichtung erwartet – aber es gelingt.
Insgesamt ist die Scheibe als Einstand ordentlich, aber noch etwas erweiterungsfähig im Sinne von Eigenständigkeit. Aber dies soll erst der Anfang sein…
»The cult is rising, the plague spreads, and the suffering has just begun« – mal sehen, was die Würmer in Zukunft orakeln.
Line-up Oracle Of Worms:
Freddy (drums)
Niklas (guitars)
Chris (bass, vocals)
Andi (guitars, vocals)
Tracklist "Cult Of Suffering":
- Intro
- Claws Of Famine
- Walking Ghost
- Cult Of Suffering
- The Script
- Acolytes
- Valor
- Rabid
- Strychnine Hill
- Lost Generation
Gesamtspielzeit: 35:33, Erscheinungsjahr: 2026



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