Diese Formation, Shake Stew aus Österreich, wurde 2016 gegründet und zunächst als Insider-Tipp gehandelt, hat man sich mittlerweile doch weiterentwickelt und verblieb nicht unbedingt unter den unbekannten Bands. Doch ich kann mich auch nicht erinnern, über sie 'an vorderster Front' gelesen zu haben. Und das nach immerhin sechs Alben, denen mit "Ten One Two" nun das nächste folgt, und das gleich als Doppel-CD. Dabei gab es bereits Auftritte auf renommierten Festivals. Also ein guter Anlass, in dieser Form noch einmal gehörig die Werbetrommel für die Formation zu rühren!
Ein Blick auf das Line-up lässt sogleich auf etwas nicht gerade Gewöhnliches stoßen, spielt man doch mit zwei Bassisten und zwei Schlagzeugern! Dazu wird der Sound vornehmlich auch durch die drei Blasinstrumente geformt, zwei Saxofonisten und einen Trompeter. Die Gitarre erhält auf dieser Veröffentlichung lediglich eine Gastvorstellung auf dem Song "Tristan Junk".
Der Einsteiger mit "Wood" entpuppt sich rasch als sehr interessant im Aufbau und absolut zum Zuhören animierend, zunächst durch Bass und Trompete als Einstieg, dann die weitere, hypnotische Einleitung mit dem Daumenklavier und dem elastisch gespielten Schlagzeug. Dazu gibt es sanfte Einbezüge diverser Instrumente, aus denen sich dann wieder die Trompete federführend hervorhebt. Insgesamt trägt der Song eine dezent afrikanische Handschrift hinsichtlich der rhythmischen Gestaltung und gleichzeitig gewinnt man den Eindruck, das die Musik durchgehend die eingangs beschriebene hypnotische Wirkung ausstrahlt. Mit knapp zehneinhalb Minuten Spielzeit bleibt es dann der längste Song der beiden CDs und stellt für mich auch hinsichtlich des Aufbaus und der Ausstrahlung ein Muss innerhalb des Gesamtkonzeptes dar.
Das soll mit Sicherheit nicht abwertend gegenüber den nun noch folgenden vierzehn Stücken sein. "Tristan Junk" zum Beispiel strahlt eine umwerfende Rhythmik aus, abermals in Richtung Afrika. Und so kommt es der Musik nicht nur hier zupass, dass man sich mit zwei Perkussionisten bestückt hat! "Bakunawa" ist ein ruhiger Song, der sich mit einer breitflächigen Stimmung wie sich in Luft auflösend verteilt, mit lasziven und dezent trance-ähnlichen Elementen..
Und das von mir bisher Beschriebene setzt sich auf diese Weise fort, mit einem sehr hohen Grad von Abwechslung. Allen gemein bleibt dieser auf mich jedenfalls so wirkende, leicht afrikanische Grundcharakter der Musik. Hierbei hebt sich dann der eine oder andere Titel durch entsprechende Besonderheiten hervor, "Garage" zum Beispiel gräbt sich förmlich ein mit seiner perkussiv gestalteten Ausrichtung. Besonders betonen sollte ich wohl noch das Flötensolo von Johannes Schleiermacher, dass sich märchenhaft wirkend über den energischen Drumsound erhebt, unterstützt scheinbar vom Sound des Fender Bass VI, der hier fast in Richtung tief gestimmter Gitarre zielt. Apropos Gitarre, lediglich auf "Tristan Junk" ist der Gitarrist JJ Whitefield zu hören, gern hätte ich es gesehen (gehört), wenn man ihn öfter eingebunden hätte.
Nach "Ten One", so die erste CD betitelt, folgt nun "Ten Two", mit "Cherry Pie" und einem eindringlichen Bass-Sound eingeleitet. Spielerisch werden auch hier, wie bei fast allen Songs, die Bläser eingeflochten, und hier kommt die Musik dann ein wenig 'moderner' mit einem Rhythmus, der gar ein wenig 'programmiert' klingt. Das alles zusammen wirkt absolut hypnotisch. Und genau das macht dann auch den Unterschied zur Musik der ersten CD. Denn bei den acht Tracks werden nunmehr viele, das ergibt sich aus dem Line-ip, 'FX' eingesetzt, die dem Sound einerseits die größere Natürlichkeit der anderen Songs nimmt, jedoch hier durch diese Erweiterung in der Lage ist, sich auch auf anderem Terrain sicher zu bewegen.
Und mit "The Green Beauty Of The Broken World" stellt sich diese Stimmung auf eine äußerst hypnotisch und einlullende Plattform, mit einem gewissen indisch klingenden Ausdruck, hervorgerufen durch das gestrichene Bass-Spiel von Lukas Kranzelbinder. Von Indien nach Afrika führt uns spätestens "Idbiss" erneut, eine herrlich elastische Darbietung mit federndem Charakter, man wird mitgerissen ohnegleichen!
Nun, wir haben hier kein so langes Stück wie der Opener der ersten CD, sondern kürzere Songs, die dann jedoch auch wieder viel Abwechslung hineinbringen. So beschränkt sich "King Of Thieve" auf lediglich drei Instrumente im Vortrag, Double Bass, Tenor & Alto Sax. Erweitert hat man sich für "Tiger" dann mit dem Modular Synthesizer, bedient von Pablo Herrasti-Fajardo, und somit ist das ein erneuter Song, der hiermit den Abwechslungsreichtum der Musik unterstreicht.
Um auf meine einleitenden Worte einzugehen muss ich dafür stehen, dass es höchste Zeit wird, diese Formation Shake Stew rasch bekannter werden zu lassen, nicht nur durch ihren hohen Grad an Musikalität, sondern auch durch ihre sehr individuell gestaltete Musik, die sehr ambitioniert erschaffen wurde und sich durch ihre persönlich geprägten, rhythmisch geprägten Strukturen auszeichnet: Hypnotische Grooves, Polyrhythmik und kollektiv vorgetragener Sound von besonderem Ausdruck. Das betrachte ich wahrlich als eine Art frischen Wind im teils schon sehr festgefahrenen Genre von Fusion in Verbindung von Jazz und Rock, hier zeigt sich noch eine Art Frische und Experimentierfreudigkeit, die vielen Ensembles schon abhanden gekommen ist, ja, das ist durchaus innovativen Charakters!
Und das Gute noch obendrein, denn dieses Doppelalbum ist nur ein Teil des geplanten dreiteiligen Albumprojekts mit komplettem Namen "Ten One Two Three". Im Herbst 2026 soll dann der dritte Teil erscheinen, ich bin schon recht gespannt!
Line-up Shake Stew:
Lukas Kranzelbinder (double bass, kalimba, log drums, e-bass, mellotron, guembri, tambourine)
Yvonne Moriel (alto sax, flute, FX)
Johannes Schleiermacher (tenor sax, flute, FX)
Mario Rom (trumpet, upright piano)
Oliver Potratz (e-bass, Fender bass VI, double bass, FX)
Nikolaus Dolp (drums)
Herbert Pirker (drums, shaker, tambourine, log drums, percussion, triangle)
JJ Whitefield (electric guitar)
Pablo Herrasti-Fajardo (FX, modular synthesizer)
Tracklist "Ten One Two":
CD 1:
- Wood (10:29)
- Tristan Junk (feat. JJ Whitefield) (5:31)
- Bakunawa ( 6:26)
- Ascendance (6:06)
- Searching (6:21)
- Garage (6:37)
- Café San Marco (3:54)
CD 2:
- Cherry Pie (7:18)
- The Green Beauty Of The Broken World (7:17)
- Cabanes/Castellon (4:38)
- Ibdiss (2:34)
- Free Your Eyes (7:02)
- King Of Thieves (3:30)
- Tiger (4:52)
- Sergio St. Carlos (3:15)
Gesamtspielzeit: 45:25 (CD1), 40:08 (CD 2)



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