«

»

Styx / Circling From Above – CD-Review

Styx - Circling From Above

Die Weiten des Himmels (über den USA) anstelle der Tiefen der (griechischen) Unterwelt. Wie bereits vor acht Jahren erwähnt, gab es bei Styx immer Bezüge zu Science (Fiction).  Dies gilt insbesondere für die damalige Veröffentlichung The Mission, auf der es um einen fiktiven bemannten Flug zum Mars im Jahr 2033 geht. Vier Jahre danach, also 2021, erschien das irdischere Crash Of The Crown, und nun wieder vier Jahre später "Circling From Above".

Das Bandgefüge hat sich in dieser Zeit nur wenig verändert, mittlerweile gehört Will Evankovich fest zum Line-up; auf den beiden vorherigen Scheiben wurde er als Gast /Co-Autor (zusammen mit Tommy Shaw) genannt. Nach langen Jahren Pause und Zerrissenheit, zeigt sich nun seit einiger Zeit wieder eine stabile Besetzung von Musikern, die auf hohem Niveau gemeinsam agieren, kreativ sind und Songs schreiben. Es ist nicht mehr die Band aus den 70ern – seitdem ist auch sehr viel Wasser den Styx hinabgeflossen – sondern quasi eine Version 2.0, der ein erneuter Höhenflug gelingt – auch wenn manche sicherlich immer noch Dennis DeYoung vermissen.

Fliegen ist auf "Circling From Above" das Stichwort, jedoch anders als auf "The Mission" wird hier die Menschheit und ihr Platz im Universum kritisch betrachtet, die Aufbruchsstimmung und der Optimismus sind zumindest teilweise nachdenklichen Zweifel gewichen – was durchaus zur allgemeinen Situation auf der Welt passt.
Das Cover zeigt einen Vogelschwarm in Form eines Vogels. Mehr zur Bedeutung ist in unserer News-Meldung nachzulesen. Passend zur Aussage über die Satelliten, leitet folgende Aussage im kurzen Opener / Titelsong (nach ein paar spacigen Sounds) die Scheibe ein: »Wasteland in the skies / open up your eyes«.

Die Musik ist allerdings nicht so düster ausgefallen, wie sich nach diesen Zeilen vielleicht erwarten ließe, sondern klingt typisch nach (neueren) Styx. Es gibt viele Details, die jedoch gut eingearbeitet sind in die Songs, in den harmonischen Gesamtfluss des Werkes. Tatsächlich wirkt "Circling From Above" als Einheit, ist dennoch wandlungsfähig und enthält viele Feinheiten und Variationen. Die Aussage gilt sowohl auf musikalischer (hier gibt es erneut neben Gitarren auch Mandoline, zudem verschiedene Tasteninstrumente) als auch auf gesanglicher Ebene – die Mehrstimmigkeit war immer ein Kennzeichen und Stärke von Styx.

Die Musik spiegelt schon eine Sehnsucht nach Positivem, ist allerdings nicht so esoterisch wie sich vielleicht nach den Farben des Coverbilds vermuten lässt, wir haben es immer noch mit einer Rockband zu tun. Manches erinnert an die 70er, manches klingt neuer und frischer, manchmal wird es (hard) rockiger, mal ruhiger, manchmal progressiver. Classic Rock trifft auf AOR, teilweise schimmern weitere Einflüsse wie z.B. Folkiges oder Funkiges durch – doch alles schön eingefügt in den gefälligen Gesamtsound, dem etwas Positives, fast schon Naiv-schönes entströmt.

Kriege, Katastrophen und ähnliches haben wir auf der Welt derzeit genug, es ist angenehm, wenn diesen Dingen harmonische Klänge kombiniert mit nachdenklichen Inhalten entgegengesetzt werden. Vor allem wenn dies – wie hier – musikalisch versiert und ebenso produziert dargeboten wird von ein paar älteren Herren, von denen längst keiner mehr ein 'Angry Young Man' ist, sondern die mit Reife auf Jahrzehnte zurückblicken können. Hier ein Bespiel aus "Michigan":»Can we carry the weight of what we’re learning? / Do we dare take a look into the mirror? / As the truth of our fate keeps getting clearer«.

"Circling From Above" bietet zwar (im Westen) nichts Neues, aber wer die beiden Vorgängerscheiben mochte, wird nicht enttäuscht. Wobei hier meiner Meinung nach etwas unaufdringlicher und entspannter vorgegangen wird als zuvor und die unterschiedlichen Elemente homogener erscheinen.
Daher ist es schwer, hier einzelne Songs hervorzuheben, nennen will ich lediglich das vorab veröffentlichten "Build And Destroy" (wozu es auch ein KI-Video gibt), dessen Melodie wirklich etwas von einer SF-TV-Serie hat und gleichzeitig typische Styx-Elemente aufweist.


Line-up Styx:

James 'JY' Young (electric guitars, vocals)
Tommy Shaw (acoustic and electric guitars, mandolin, vocals)
Chuck Panozzo, (bass guitar)
Todd Sucherman (drums, percussion)
Lawrence Gowan (piano, B3 organ, synthesizers, mellotron, harmonium, vocals)
Will Evankovich (acoustic and electric guitars, mandolin, harmonica, synthesizers, soundscapes,vocals)
Terry Gowan (bass guitar, upright bass)

Tracklist "Circling From Above":

  1. Circling From Above (2:00)
  2. Build and Destroy (3:53)
  3. Michigan (3:03)
  4. King Of Love (3:29)
  5. It’s Clear (3:31)
  6. Forgive (3:55)
  7. Everyone Raise A Glass (3:35)
  8. Blue Eyed Raven (3:54)
  9. She Knows (3:35)
  10. Ease Your Mind (0:48)
  11. The Things That You Said (3:28)
  12. We Lost The Wheel Again (2:57)
  13. Only You Can Decide (3:05)

Gesamtspielzeit: 41:13, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Andrea Groh

Hauptgenres: Doom/Death/Black Metal, auch Post/Progressive/Pagan Metal u.a.
Über mich
Meine Seite im Archiv
News
Konzertberichte als Team mit Jens
Mail: andrea(at)rocktimes.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>