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The Highwaymen / 2 – LP-Review

Highwayman - 2 - LP-Review

Die Karrieren der bereits zu Lebzeiten zu Legenden gewordenen Country Outlaws Johnny Cash, Willie Nelson, Waylon Jennings und Kris Kristofferson erlebten in den frühen achtziger Jahren nicht gerade Glanzzeiten oder gar Höhepunkte. Der Coup de foudre war dann, die vier als Quartett zusammen zu bringen und als sogenannte Country Supergroup in Szene zu setzen. Das funktionierte nicht nur künstlerisch, sondern auch kommerziell ganz exzellent. Die erste, gleichnamige Scheibe (1985) fuhr sowohl in den USA, als auch Australien Platin-Auszeichnungen ein, in Kanada immerhin Gold. Im Laufe des Jahres 1989 kam es dann zum zweiten, schlicht "2" betitelten (und 1990 veröffentlichten) Streich, der aus sechs Eigenkompositionen (jeweils zweimal Nelson und Kristofferson, jeweils einmal Cash und Jennings) sowie vier Coversongs bestand. Dieser konnte an Auszeichnungen zwar lediglich noch eine einzige (Gold in Australien) einfahren, was – wie wir alle wissen – aber ja noch lange nichts über die Qualität der gebotenen Performances aussagt.

Und Qualität quellt hier sprichwörtlich fast über. Diese vier Stimmen (die sich eher Verse oder ganze Songs teilen, statt zusammen zu singen) sind für sich genommen schon so gut, eigenständig und unter die Haut gehend, dass alleine dieser Aspekt schon die halbe Miete ist. Dazu kommt, dass auch der Klang dieser Scheibe glücklicherweise nicht den Tücken des so typischen achtziger Jahre-Sounds erlegen ist, sondern trotz der zugegebenermaßen sehr ausgefeilten Produktion nach wie vor durchaus erdig und bodenständig rüber kommt. Mit Chips Moman hatte der Vierer allerdings auch einen echten Spezialisten vor dem großen Mischpult sitzen und über die Qualität der Begleit-Band (u.a. Gene Chrisman am Schlagzeug, Mike Leech am Bass, Robbie Turner an der Steel Guitar oder Reggie Young an der Gitarre) braucht man ebenfalls keine Worte mehr zu verlieren.

Wie so viele von Kris Kristoffersons Songs hat auch "Anthem ’84" mit Selbstreflektion zu tun. Gesanglich teilt er sich die Nummer mit Johnny Cash, bevor mit "Angels Love Bad Men" eine typische Waylon Jennings-Nummer den Staffelstab übernimmt. Cash brilliert bei seinem folgenden "Songs That Make A Difference", während Kristofferson danach mit "Living Legend" sowie einer fast schon rockenden Gitarre neue Akzente setzt und Willie Nelson dieser Scheibe mit "Texas" einen mehr als würdigen Schlusspunkt setzt. Aber auch die erste Seite dieses super klingenden 180g-Vinyls fährt – wenn auch zumeist durch Coversongs – jede Menge Qualität auf. Besonders zu erwähnen ist der Opener "Silver Stallion" des sträflich unterbewerteten bzw. mittlerweile vielleicht sogar schon vergessenen Lee Clayton, der sich hier zwar ein bisschen anders als das Original anhört, dem Stück dadurch aber auch wieder einen neuen Reiz verleiht. Und dass jeder einzelne dieser vier Stars ganz sicher kein schnöder Country-Fuzzie mit Weichspül-Texten war bzw. ist, sondern sich sehr kritisch mit dem sozialen sowie politischen US-System auseinandersetzt(e), wird auch auf dieser Platte wieder deutlich.

Als kleine witzige Geschichte am Rande dürfte durchgehen, dass die vier Musiker (oder alternativ die Promo-Abteilung des Projekts) sich scheinbar nicht wirklich auf einen durchgehenden Namen einigen konnte(n). Gingen die ersten beiden Studioalben noch unter dem Namen der vier Beteiligten mit den Album-Titeln "Highwayman" und "Highwayman 2" durch, erschienen das dritte (und letzte) Studioalbum ("The Road Goes On Forever", 1995) sowie die meisten folgenden Compilations (wie u.a. die bärenstarke DVD Live – American Outlaws) unter dem Namen The Highwaymen. Nichtsdestotrotz ist "Highwayman 2" ein sehr gutes Country-Album geworden, das sich zwar lange nicht mehr so gut verkaufte wie das Debüt, diesem in Sachen Qualität aber in nullkommanichts hinterher steht.

Für Country-Liebhaber ein absolutes Muss!


Line-up The Highwaymen:

Willie Nelson (guitars, lead & background vocals)
Johnny Cash (lead & background vocals)
Waylon Jennings (lead & background vocals)
Kris Kristofferson (lead & background vocals)

With:
Reggie Young (guitars)
Johnny Christopher (guitars)
Chips Moman (guitars)
Shawn Lane (guitars)
Bobby Emmons (keyboards)
Bobby Wood (keyboards)
Robbie Turner (steel guitar)
Mickey Raphael (harp)
Mike Leech (bass)
Gene Chrisman (drums)
Rivers Rutherford (additional overdubs)
Jack Powell (additional overdubs)
David Edney (additional overdubs)
Johnny Barringer (additional overdubs)

Tracklist "2":

Side 1:

  1. Silver Stallion
  2. Born And Raised In Black And White
  3. Two Stories Wide
  4. We’re All In Your Corner
  5. American Remains

Side 2:

  1. Anthem ’84
  2. Angels Love Bad Men
  3. Songs That Make A Difference
  4. Living Legend
  5. Texas

Gesamtspielzeit: 17:06 (Side 1), 16:01 (Side 2), Erscheinungsjahr: 2017 (1990)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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