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The Who / Live At Eden Project – 2CD-Review

The Who - "Live At Eden Project" - 2CD-Review

Ein Samstagabend im Jahr 1981: Die Eltern des gerade erst zu pubertieren angefangenen Rezensenten waren ausgegangen und hatten somit eine ’sturmfreie Bude' hinterlassen. Ein ausgelassene Party fand an diesem Abend zwar nicht statt, aber immerhin wurde am TV-Gerät ganz zielsicher der WDR-Rockpalast angesteuert. An diesem Abend gaben sich im deutschen Fernsehen mit The Who sowie Grateful Dead zwei wahre Legenden die Klinke in die Hand. So wahnsinnig riesengroß war der Wissensschatz des damaligen Markus über die Vergangenheit der beiden Combos zwar noch nicht (z. B. Stichwort: der unersetzbare Keith Moon), dennoch war er von dem englischen Quartett sogleich gepackt und vom Rock-Fieber erfasst. Bis die Eltern dann doch irgendwann wieder auf der Matte standen und der Spaß somit noch vor den Zugaben sehr schnell und abrupt wieder vorbei war. Nichtsdestotrotz wurde schnellstmöglich die aktuelle Single der Band gekauft und sowohl die A-Seite "You Better You Bet" als auch John Entwistles "The Quiet One" auf der B-Seite gehören bis heute mit zu meinen liebsten Who-Stücken.

Im Laufe der Jahre wurde die Sammlung natürlich Stück für Stück erweitert, was zwangsläufig sehr schnell auch zu der Insel-Platte "Live At Leeds" führte. Wobei der Bogen zum neuen Werk der Band gespannt ist, da es sich bei "Live At Eden Project" – wie der Name es schon sagt – ebenfalls um ein Live-Album handelt. Ohne der Band zu nahe treten zu wollen, war der Käse nach dem Tod von Keith Moon im Jahr 1978 aber eigentlich schon gegessen. Mit Kenney Jones (Ex-Small Faces, Ex-Faces) am Schlagzeug folgten dann zwar noch zwei mittelprächtige Alben ("Face Dances" von 1981 sowie "It’s Hard" von 1982), bis der damals vollkommen ausgebrannte Pete Townshend dann selbst erkannte, dass es keinen Sinn mehr hatte. Mit dem Tod des auch heute noch schmerzlich vermissten Bassisten John Entwistle (2002) brach ein weiterer enorm wichtiger Stützpfeiler für die immer mal wieder für Konzerte oder Tourneen zusammenkommende Band weg und die beiden seither veröffentlichten Studioalben (Endless Wire von 2006 sowie "Who" von 2019) des verbliebenen Original-Duos Pete Townshend und Roger Daltrey unter dem Namen The Who hat sich der Rezensent, um ganz ehrlich zu sein, bis heute kein einziges Mal angehört.

Nun ist dieser Tage also das neue Live-Album "Live At Eden Project" erschienen, bei dem die Engländer – man muss sich ja immer was Neues einfallen lassen – ein Potpourri ihrer Songs von einem Orchester unterstützt zum Besten gibt. So, wie sieht’s aus? Daltreys Stimme ist auf ganz natürliche Weise gealtert, ebenfalls nachvollziehbar nicht mehr ganz so felsenfest wie in seinen besten Jahren, dafür aber immer noch erstaunlich gut. Die Band (mit Ringo Starrs Sohn Zak Starkey an den Drums) läuft selbstverständlich wie eine geölte Maschine und Pete Townshend sowie dessen jüngerer Bruder Simon liefern nach wie vor gute Gitarrenarbeit ab. Das Orchester geht weder im Positiven wie im Negativen ziemlich unscheinbar am Rezensenten vorbei. Es stört nicht unbedingt, setzt allerdings auch keine neuen oder gar Glanzpunkte. Bezüglich der Setlist wird so ziemlich die ganze Karriere, mit Schwerpunkt auf den frühen Jahren, abgegrast.

Nach sieben Tracks der Rock-Oper Tommy geht es mit "Who Are You" erstmals in die Siebziger und mit "Eminence Front" ins Jahr 1982 zu "It’s Hard". Beschlossen wird die erste Seite mit den Sechziger-Hits "Anyway, Anyhow, Anywhere" und "The Kids Are Alright" sowie dem Rocker "You Better You Bet" aus den frühen Achtzigern. Der zweite Silberling enthält mit unter anderem "My Generation", "We Won’t Get Fooled Again", "Behind Blue Eyes" oder "Baba O’Riley" erwartungsgemäß einen Klassiker nach dem anderen. Immer ein Highlight und einer der ewigen Who-Favoriten des Rezensenten ist auch "5:15" von dem monströsen Quadrophenia.

Am Ende steht wie immer die Frage 'Braucht die Welt dieses Live-Album von The Who?' Naja, der Rezensent nicht unbedingt, da er dann doch lieber auf die legendären Live-Werke der Band aus den Siebzigern zurückgreift. Aber "Live At Eden Project" tut auch nicht weh und ist immer und überall gut zu hören, selbst wenn die Musik lange nicht mehr so mitreißend ist, wie es früher einmal war.


Line-up The Who:

Pete Townshend (guitars, lead & background vocals)
Roger Daltrey (lead vocals, guitar – CD1 – #9)
Simon Townshend (guitars, background vocals)
Loren Gold (keyboards)
Emily Marshall (keyboards)
Jon Button (bass)
Zak Starkey (drums)
Katie Jacoby (violin)
Audrey Snyder (cello)
Helen Fitzgerald (orchestra contractor)
Billy Nicholls (background vocals)

Tracklist "Live At Eden Project":

CD 1:

  1. Overture
  2. 1921
  3. Amazing Journey
  4. Sparks
  5. The Acid Queen
  6. Pinball Wizard
  7. We’re Not Gonna Take It
  8. Who Are You
  9. Eminence Front
  10. The Kids Are Alright
  11. You Better You Bet
  12. Anyway, Anyhow, Anywhere

CD 2:

  1. Substitute
  2. I Can’t Explain
  3. My Generation
  4. Cry If You Want
  5. Won’t Get Fooled Again
  6. Behind Blue Eyes
  7. The Real Me
  8. I’m One
  9. 5:15
  10. The Rock
  11. Love, Reign O’er Me
  12. Baba O’Riley

Gesamtspielzeit: 59:07 (CD 1), 62:30 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
Meine Beiträge im RockTimes-Archiv
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Meine Konzerberichte im Team mit Sabine
Mail: markus(at)rocktimes.de

3 Kommentare

  1. Andreas Pläschke

    Gerade das erste Mal durchgehört. Auf den ersten Eindruck harmoniert das Ganze für mich nicht, es hakelt doch oft zwischen Band und Orchester. Das sie gerade bei TOMMY das Tempo rausgenommen haben, mag am Alter liegen 🙂 Wie Du schreibst, braucht man nicht wirklich (und das als Who-Fan seit TOMMY 🙂 ). schmerzt aber auch nicht, Da dann lieber den HYDE-Park-Mitschnitt und wirklich die originalen Sachen aus den 70ern

  2. Andreas Pläschke

    Moin Markus,

    ein kleiner Fehler hat sich eingeschlichen, Simon ist der jüngere Bruder von Pete, nicht dessen Sohn 🙂 Ansonsten höre Dir ruhig mal die letzten beiden Studiowerke an 🙂

    Grüße
    Andreas

    1. Markus Kerren

      Hi Andreas,

      danke für den Hinweis, du hast selbstverständlich recht. Das Hirn spielt einem manchmal seltsame Streiche. 🙂

      Ist bereits geändert.

      Beste Grüße
      Markus

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