Na klar doch, es geht immer noch lauter. Diese Frage gehört in Konzerten bei Udo Dirkschneiders Gesang zur Metal-Hymne "Princess Of The Dawn" einfach zum guten Ton, so auch bei dessen Gastspiel am 10. Januar 2026 zum Metal-Festival "Up To 11" in der Freiheitshalle in Hof. Das gleichnamige Lied stammt vom Accept-Album "Restless And Wild" (1982). Damals war Dirkschneider Frontmann jener Band, die er als Sänger 1968 in Solingen mit begründete. Das Sechs-Minuten-Stück erklang kurz vor Schluss des dritten und letzten Konzertteils, einen Titel vor dem finalen "Burning". Damit waren insgesamt vier Stunden Musik beziehungsweise fünf Stunden Veranstaltungsdauer inklusive der Umbaupausen Geschichte – ein Metalfest par excellence. Veranstalter Markus Grau war nach zwei Auflagen im thüringischen Neustadt an der Orla noch Hof umgezogen, wo er den Musikern bessere Bedingungen bieten kann. Das äußert sich neben der Hallengröße in mehreren einzelnen Garderoben für die Künstler, genügend Platz für die Technik und als Krönung in einem der Halle angeschlossenen Hotel. Die ursprünglich 1974 eröffnete Freiheitshalle in Hof war von 2009 bis 2012 mit einem Aufwand von 36 Millionen Euro grundhaft saniert worden.
Logistischer Aufwand steht auf der einen Seite, menschliche Nähe immer noch auf der anderen. Ganz offensichtlich hat der Metalfan und Veranstalter aus Schleiz dafür das passende Händchen. In den Gängen im Backstage-Bereich war immer wieder zu hören, wie wohl sich die Bands fühlten. Die gute Stimmung und die perfekte Organisation übertrugen sich gleichwohl auf die Besucher. Das spiegelte sich in den vielen positiven Reaktionen während des Festivals wider. Für die Metalfans war es ein unbeschwerter Abend zum Genießen.
Denn musikalisch ließ der Konzertreigen keine Wünsche offen. Wurde die Band Dirkschneider zuvor als Höhepunkt gehandelt, so standen die beiden anderen Acts dem deutschen Metal-Urgestein in nichts nach. Den Abend eröffneten Freedom Call aus Franken, die zwangsläufig einen Bonus als Lokalmatadoren hatten. Doch darauf wollte sich die vierköpfige Power-Metal-Band (aktuelles Album "Silver Romance", 2024) nicht verlassen. Also legten sie los wie die Feuerwehr und sorgten dafür, dass die Besucher schnell auf Betriebstemperatur kamen. Überhaupt war es auffallend, dass das Publikum dem Opener und den folgenden Akteuren von Rhapsody Of Fire gleichermaßen viel Respekt zollten wie später Dirkschneider. Mit diesem Verhalten erwarben sich die Fans ebenso große Anerkennung. Gleichzeitig spricht diese Stimmung für das Metal-Festival in dritter Auflage, dessen Fortsetzung am 9. Januar 2027 (u.a. mit Iron Savior) stattfindet.
- Freedom Call-Gründungsmitglied Chris Bay
- Schlagzeuger Ramy Ali
- Chris Bay mit Bassist Francesco Ferraro (links)
Sänger und Gitarrist Chris Bay rief lautstark die »Metalparty« aus. Wieder waren die Besucher aus dem Häuschen. Aber es kam noch besser. Nachdem sich die Stimmung noch einmal gesteigert hatte, holte die Band zum emotionalen Rundumschlag aus und ließ "Metal Is For Everyone" aus dem Album "Master Of Light" (2016) folgen. Es war einerseits eine klare Ansage der 1998 in Nürnberg gegründeten Combo; daneben schien mit "Metal Is For Everyone" das Motto des Festivals gefunden. Um in Hof dabei sein zu können, hatten Freedom Call kurzerhand ihre Europatournee mit Ensiferum (Finnland) und Dragony (Österreich) für einen Tag ausgesetzt.
Es folgte im Anschluss daran die italienische Band Rhapsody Of Fire. Hier zeigte sich, dass die Musiker von Freedom Call aufgrund ihrer Konversation in deutscher Sprache einen leichten Vorteil bei den Zuhörern hatten. Das machten Rhapsody Of Fire aber mit ihrer ungezähmten Spielfreude wett und auch hier präsentierte sich eine Formation mit internationalem Format. Herausragend war die Leistung von Sänger Giacomo Voli, der seit 2016 dabei ist. Das Geschehen auf der Bühne entwickelte sich zu diesem Zeitpunkt in ein spannungsgeladenes Power Metal-Festival, denn beide Bands spielten auf höchstem Niveau. Bei Rhapsody Of Fire kommen Elemente der klassischen Musik zum Einsatz, während sich bei den Texten viel um Filmmusiken und Fantasygeschichten dreht. Gründungszeitpunkt ist hier bereits das Jahr 1993. Allerdings gab es seitdem viele Wechsel in der Besetzung, was aber nicht zu Lasten der Popularität ging.
- Bassist Alessandro Sala
- Gitarrist Roby De Micheli Die Italiener von Rhapsody Of Fire in Hof
- Giacomo Voli, der Sänger der italienischen Band
- Gitarrist Roby De Micheli
- Schlagzeuger Paolo Marchesich
- Sänger Giacomo Voli, seit 2016 in den Diensten von Rhapsody Of Fire
Mit Dirkschneider trat zum Abschluss jene Band an, die aus Besuchersicht viele Erinnerungen an die eigene Jugendzeit weckte, wobei natürlich auch jüngere Besucher im Saal waren. Die Stimmung bei Dirkschneider kannte keine Grenzen, die Band erfüllte die in sie gesetzten Erwartungen ohne Fehl und Tadel. Scheinbar atemlos spielten die Akteure die Stücke vom Album Balls To The Wall, während der Titel der aktuellen Tour Balls To The Wall 40th Anniversary lautet. Das Festival in Hof war offizieller Tourbestandteil.
Bei Dirkschneider dabei war als neuer Gitarrist Alen Brentini, der die Nachfolge von Andrey Smirnov antrat. Smirnov, der seit 2013 und damit viele Jahre an der Seite von Udo Dirkschneider spielte, hat sich nach übereinstimmenden Medienberichten freundschaftlich von seinen ehemaligen Bandkollegen verabschiedet, um künftig neue Wege zu gehen. Souverän spielten Dirkschneider ihren Part und demonstrierten dabei eindrucksvoll, warum sie im vergangenen Jahr bei den großen Festivals (Rock Hard, Wacken Open Air) so kräftig gefeiert wurden.
- Musik aus Leidenschaft: Fabian 'Dee' Dammers (links) und Peter Baltes
- Neuzugang Alen Brentini (links) mit Peter Baltes
- Gitarristen unter sich: Alen Brentini (links) und Fabian 'Dee' Dammers
- Gitarrist Alen Brentini. Der Kroate ist der ‘Neue‘ bei Dirkschneider
- Wenn der Vater mit dem Sohne: Udo und Sven Dirkschneider
- Steht für Kultalben im Metal: Udo Dirkschneider
Udo Dirkschneider lieferte an jenem denkwürdigen Tag in Hof auch die passenden Worte: »Ich werde 74. Aber ich habe noch viel Freude und alles funktioniert noch.«
Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2026 | Mario Keim | RockTimes




















1 Kommentar
Markus
17. Januar 2026 um 21:40 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Hi Mario,
vielen Dank für diesen geilen Bericht.
Stay heavy and metal.
VG Markus