Gehört und gelesen hatte der Rezensent ja immer schon viel über den Soul- und Blues-Sänger Bobby 'Blue' Bland, allerdings jeweils in Büchern über andere Musiker, die den 1913 geborenen Bland stets und teilweise sehr euphorisch als großen Einfluss lobten. Im Jahr 2017 war es dann auch für mich soweit und ich machte die erste musikalische Bekanntschaft. Dreamer (1974) hieß die Scheibe, die seinerzeit von Bear Family Records auf Vinyl neu herausgebracht worden war. Nun folgt, aus dem Jahr 1973, der direkte Vorgänger mit dem Namen "His California Album". Dabei handelt es sich übrigens um das Comeback-Album des Musikers, der aufgrund von schweren Alkohlproblemen zuvor mehrere Jahre im Abseits stand. Nachdem er Anfang der Siebziger langsam wieder auf die Beine kam, unterschrieb er einen neuen Deal bei dem Label Dunhill (ABC), das ihn nach Los Angeles schickte, wo die vorliegende Scheibe, unterstützt von Studio-Assen, eingespielt wurde.
Bedenkt man die oben angesprochenen gesundheitlichen Probleme des Protagonisten, so kann man eine Nummer wie "Help Me Through The Day" noch intensiver mitverfolgen. Aber auf dieser Platte ist so ziemlich alles Gold, was glänzt, egal ob auf Seite 1 oder 2. Auf letztgenannter leuchtet beispielsweise unter anderem der Blues "Friday The 13th Child" ganz hell, ganz genauso wie "The Right Place At The Right Time". Blands Gesang ist hochemotional und der Hörer hat fast immer das Gefühl, dass der Protagonist durchgehend von seinen eigenen Erfahrungen berichtet, obwohl keines der Stücke aus seiner Feder stammt. Auch eine Kunst, ohne Frage. Auf der anderen Seite war der gute Bobby in den Jahren davor oft genug sowohl ganz oben, als auch ganz unten, um zu wissen, worüber er redet bzw. singt. Wer exakt aus diesem Fundus schöpfen und seine Emotionen dann auch so glaubhaft weitervermitteln kann, ist ein ganz Großer. Und das war Bobby 'Blue' Bland ganz sicher!
Nachdem wir das Pferd nun schon von hinten aufgezäumt haben, wenden wir uns aber nochmal der ersten Seite dieser Scheibe zu. Bei dem bauchmäßig gefühlt großen Hit der Platte handelt es sich ganz klar um "It’s Not The Spotlight", das mit starken Melodien und großartigem Gesang sofort ins Ohr geht. Ganz großes Kino! Aber auch das als erste Single ausgekoppelte "This Time I’m Gone For Good" ist eine wahre Wundertüte aus herrlich gespieltem Soul/Blues und traumhaft emotionalem Gesang. Weder "Up And Down World" noch "If Loving You Is Wrong (I Don’t Want To Be Right)" brauchen sich dahinter zu verstecken. Und dann ist da mit "Goin' Down Slow" noch der klassische Blues-Song, der das Gesamtbild schließlich abrundet. Insgesamt also zehn Tracks und insgesamt zehn mal Soul und Blues der absoluten Extra-Klasse!
Hatte der Nachfolger "Dreamer" den Rezensenten aufgrund dessen Qualität schon staunen lassen, so ist "His California Album" sogar noch eine Spur besser und überzeugender. Die Platte bzw. der Protagonist und die beteiligten Musiker begeistern von der ersten bis zur letzten Sekunde und der Sound des 180g-Vinyls ist 'voll' und 'warm'. Schlicht und ergreifend ein ganz dicker, fetter Tipp für jeden Musik-Fan, der auf dieses Genre abfährt und die Platte noch nicht gekannt haben sollte. Davon abgesehen eine Hammer-Einstiegsplatte für alle bisher Ungläubigen, die sich vielleicht doch nochmal an die Soul/Blues-Schiene ran trauen wollen.
Line-up Bobby 'Blue' Bland:
Bobby 'Blue' Bland (lead vocals)
Ben Benay (guitars)
David Cohen (guitars)
Larry Carlton (guitars)
Mel Brown (guitars)
Dean Parks (guitars)
Michael Omartian (piano, organ)
Chuck Findley (horns)
Paul Hubinon (horns)
Dick Hyde (horns)
Ernie Watts (horns)
Jack Kelson Jr. (horns)
Wilton Felder (bass)
Max Bennett (bass)
Ed Greene (drums)
Ginger Blake (background vocals)
Julia Tillman (background vocals)
Maxine Willard (background vocals)
Tracklist "His California Album":
- This Time I’m Gone For Good
- Up And Down World
- It’s Not The Spotlight
- If Loving You Is Wrong (I Don’t Want To Be Right)
- Goin' Down Slow
- The Right Place At The Right Time
- Help Me Through The Day
- Where Baby Went
- Friday The 13th Child
- I’ve Got To Use My Imagination
Gesamtspielzeit: 20:30 (Side 1), 17:36 (Side 2), Erscheinungsjahr: 2025 (1973)



Neueste Kommentare