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Förster & Friends / At Home – CD-Review

Förster & Friends / At Home – CD-Review

So konnte ich lesen, dass der junge Thomas Förster bereits im Alter von sechs Jahren bei seiner Tante Interesse für das dort stehende Piano entwickelte. In der Grundschule kam es später zu ersten Klavierstunden, ebenso noch mit dem Schlagzeug, und erste Auftritte mit einer eigenen Band ergaben sich dann, als er im Alter von vierzehn Jahren war.

Klar, später erfolgte ein entsprechendes Studium und der Protagonist entwickelte rasch den Wunsch, einen eigenen Stil zu finden. Wie er selbst schrieb: »Dabei ist es mir wichtig, meine Zuhörer zu berühren und authentisch in meiner Ausdrucksweise zu sein.« Ferner führt er aus, das es ihm wichtig erscheine, mit den mitmusizierenden Kollegen Spaß zu haben und daraus Energie zu entwickeln. Wenn man auch grundsätzlich von einer Vorliebe für Jazz ausgehen sollte, fixiert sich Förster allerdings nicht allein darauf, sondern bleibt stets flexibel und offen, indem er in verschiedenen Formationen musiziert, auch in Richtung Funk, Pop oder Latin und auch Orchestermusik zählt dazu.

Mit der aktuellen Platte "At Home" schloss er sich zusammen mit Arpi Ketterl, der akustischen und E-Bass spielt, und Frank Denzinger am Schlagzeug. Und wer jetzt ein reines Jazz-Trio erwartet, sollte sich gedanklich erweitern, wie es die drei Musiker ebenfalls demonstrieren.

Denn bereits der Opener, "Reset" swingt nicht jazzmäßig, sondern weist einen sanften Funk im Rhythmus auf; ein wenig muss ich an das Ramsey Lewis Trio  denken, jedoch ist das Stück nicht so ganz mit deren Coolness ausgestattet. "Hopeful" ist durch die perlenden Piano-Passagen mit einem sehr melodisch-verspieltem Charakter ausgestattet, und bereits mit dem dritten Titel, "Memory Of Youth", zeigt sich eine weitere Variante der Musik des Trios, voller Ruhe, Lyrik und Schönheit und einem Schuss Romantik, zumindest in der Einleitung.

Und genau diese Abwechslung zieht sich dann auch durch die restlichen neun Songs, auch viel Annäherungen an Strömungen der Popmusik meine ich zu entdecken, und wenn der knackige Bass den Track "Dark Matter" bestimmt und die elektrischen Keyboards dazustoßen, dann lassen die Musiker eine ganz andere Musik erklingen, lässig und funky. Nun, das klingt ja dann auch recht cool, doch das gewisse Feuer und der emotional soulige Ausdruck fehlen mir hier dann doch.

Da gefällt mir die romantisch ausgelegte Ballade "Don’t Wanna Lose You Now" dann doch besser. Die Nummer hat auch z.B. das Zeug zur Begleitung als Background für ’schöne Naturbilder' einer TV-Doku. Im Grunde genommen wiederholen sich diese verschiedenen Färbungen der Musik im Laufe der Spielzeit, und so stelle ich fest, dass mir persönlich Eines fehlt, und das ist swingender Jazz, der mitreißt und sich in die Seele bohrt. Professionell ja, auf hohem Niveau, doch bleibt mir die Musik letztlich als 'oberflächlich' hängen, berührt meine Seele nicht wirklich und erweckt auch nicht unbedingt Energie in mir, weil meist dieser gewisse Druck fehlt, und vielleicht zu viel Wärme und Schönklang vorherrscht. Einige Ausbrüche hääten dem Ganzen sicher gut zu Gesicht gestanden, so treibt es mir zu oft in Richtung "Smooth Jazz.

So erweckt die Stimmung durchgehend den Eindruck in mir, als hätte man gute Filmmusik geschaffen, die sich nicht in mir etablieren kann, und letztlich, auf den Titel "At Home" bezogen, zu Hause bei den drei Musikern bleibt.


Line-up Förster & Friends:

Thomas Förster (piano, Moog, keyboards)
Arpi Ketterl (double bass, e-bass)
Frank Denzinger (drums)

Tracklist "At Home":

  1. Reset (6:07)
  2. Hopeful (4:25)
  3. Memory of Youth (5:49)
  4. Dark Matter (5:16)
  5. Don’t Wanna Lose You Now (6:52)
  6. Kitchen Party (6:50)
  7. Play That Game (5:12)
  8. The Sweet Pain (6:03)
  9. By Your Side (6:04)
  10. Floating (5:35)
  11. Deepness In Your Eyes (7:06)
  12. Good Morning (2:22)

Gesamtspielzeit: 66:47, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
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Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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