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Black Sabbath / Forbidden – CD-Review

Black Sabbath Forbidden

Superlative wird das Album "Forbidden" von Black Sabbath gewiss nicht mehr einstreichen. Im Gegenteil: In einem aktuellen Ranking der Zeitschrift "Musikexpress" taucht die Scheibe anders als eine Reihe von Klassikern der Band als »Schwarzes Schaf« auf. Gut, viel Kritik musste der Longplayer eh in den vergangenen 30 Jahren seit der Veröffentlichung einstreichen. Aber muss man deshalb eine solche Produktion gleich derart aufs Abstellgleis schieben? Mitnichten! Allein die Tatsache, dass dieses Studioalbum in einer Serie mehrerer Alben beim Label I.R.S. Records die letzte Produktion vor einer 18-jährigen Schaffenspause war, lässt aufhorchen. Das mit dem Titel "13" überschriebene, folgende Album aus dem Jahr 2013 war das letzte Album vor dem Karriereende der Band 2017.

Wir erinnern uns aus aktuellem Anlass: "The End" war das ultimativ letzte Konzert am 4. Februar 2017 in Birmingham überschrieben. Konsequent und mit Anstand nahmen die legendären Musiker Abschied von der Bühne, sieht man einmal von den unzähligen verunglückten Soloversuchen von Sänger Ozzy Osbourne ab, die noch folgen sollten. Kritik hagelte es damals, weil beim finalen Konzert Gründungsschlagzeuger Bill Ward nicht mit von der Partie war. Am 5. Juli 2025 bestreiten Black Sabbath in der Gründungsformation mit Geezer Butler, Tony Iommi, Bill Ward und Ozzy Osbourne ein einmaliges Konzert, das in einigen Einträgen im Netz allen Ernstes dazu geführt hat, das Karriereende noch einmal umzudatieren. Wem es damit besser gehen mag, bitteschön.

Zurück zu "Forbidden", das am 8. Juni 1995 und damit vor genau 30 Jahren erschienen ist. Zu Ehren kam das Werk, als vor Jahresfrist die Box Anno Domini 1989 – 1995 in die Läden kam. Enthalten waren darin alle vier Produktionen aus der Zeit von 1989 bis 1995, in remasterter Fassung. BMG hatte das Produkt am 31. Mai 2024 in 4-LP und 4-CD Versionen veröffentlicht.

Einer der wichtigsten Gründe für die Neuveröffentlichung der Box war der sehnlichste Wunsch von Gitarrist Tony Iommi, dem Album einen besseren Klang zu verpassen. Wobei zu sagen wäre, dass die Klangverbesserung eines Werkes allemal legitim ist und schon immer Perfektionisten in den Reihen vielbeschäftigter Musiker standen.

Iommi erklärte: »Ich war nie glücklich mit dem Gitarrensound, und Cozy war definitiv nie glücklich mit dem Schlagzeugsound… Also dachte ich, es wäre schön, es in gewisser Weise für ihn zu tun. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es eine Möglichkeit gab, zurückzugehen und einige der Sounds mehr herauszuarbeiten, so wie die Leute es von Sabbath erwarten würden.«

Cozy Powell (* 1947 – † 1998) war für "Forbidden" neben Bassist Neil Murray in die Formation zurückgekehrt. Nur ein Jahr zuvor hatten Bassist und Gründungsmitglied Geezer Butler sowie Schlagzeuger Bobby Roninelli noch das Album "Cross Purposes" beim gleichen Label eingespielt. Es war eine Zeit, in der die Besetzungen bei Black Sabbath (be-)ständig wechselten, was der Band langfristig nicht zum Vorteil gereichte. So waren Tony Iommi und Sänger Tony Martin plötzlich die beiden Konstanten auf "Forbidden", weil sie schon beim Vorgänger mitwirkten. Trotz der personellen Veränderung steht "Forbidden" erst einmal für ein typisches Album von Black Sabbath. Ohne Wenn und Aber. Dazu gehört der verzerrte Gitarrensound, der ein oft düsteren Klangbild erzeugte. Doch Black Sabbath kombinierten auch auf dieser Produktion einfache Riffstrukturen mit virtuosen Variationen von Bass und Gitarre und eingängigen Gesangslinien. Unterm Strich gibt es immer wieder Tempowechsel.

Dass mit Ice-T ausgerechnet ein Rapper als Gastmusiker auf dem Opener "The Illusion of Power" mitwirken sollte, löste offensichtlich eine bis heute andauernde Palastrevolution aus. Der umtriebige US-Rapper, der außerdem als Schauspieler arbeitete, war Mitglied in der von ihm 1990 gründeten Heavy-Metal-Crossover-Band Body Count. Für "Forbidden" brachte er gleichzeitig seinen Body Count-Produzenten Ernie C mit. Sicherlich war dies der größere Zankapfel.

Beim Opener mischte Ice-T im Songwriting mit, bei dem alle Bandmitglieder für das komplette Album verantwortlich zeichneten. Nur weil Ice-T für ein paar Takte seine Stimme zum Einsatz brachte, sollte "Forbidden" nicht gleich ein 'vorbotenes' Album sein. So geriet beispielsweise in Vergessenheit, dass es mit "I Won’t Cry for You" ein Lied gab, dass durchaus Gänsehautcharakter hatte und schon allein ein Achtungszeichen setzte. Unverkennbar die harten Riffs von Tony Iommi, die charakteristich für dessen Gitarrenspiel, letztlich aber für ein komplettes Bandgefüge waren.

Facettenreich ist die Stimme von Tony Martin. Deren Wandelbarkeit machte ihn wertvoll als Bandmitglied von Black Sabbath. Auf "Forbidden" liegen ihm die verträumten Phasen ("Sick and Tired" und das eingängige Finale "Kiss of Death") genau so gut wie die härteren Stücke ("Rusty Angels")

Der Autor dieser Zeilen sah Black Sabbath vier Mal live. Unvergessen der Auftritt von Sänger Ronnie James Dio beim Super Rock 1992 in Mannheim. Auf Black Sabbath folgte damals als Headliner Iron Maiden, die den bevorstehenden Abgang ihres Sängers und künftigen Solisten Bruce Dickinson verkraften mussten. Es folgte die Tour 1995 mit Tony Martin und stellvertretend einem Konzert in Jena, ehe Ozzy Osbourne 1999 anlässlich der Reunion in Leipzig und 2005 in München im Mittelpunkt des Besucherinteresses stand. Vergleiche sollen hier keine angestellt werden. Sicher war Ozzy Osbourne stets sehr speziell, aber niemand kann behaupten, dass Tony Martin allein Ersatz war. Gerade live wusste er zu überzeugen, interpretierte die Band doch gemeinsan neben ihm all ihre vergangenen Klassiker.

"Forbidden" lebt scheinbar mehr von Legenden, für eine sachliche Aufarbeitung der musikalischen Darbietung ist es heute eh zu spät. Wer sich jedoch die Zeit nimmt, genauer hinzuhören, wird sehr wohl feststellen, dass der Begriff ’schlecht' für dieses Album untauglich ist.

Sicherlich kein Hitmix, aber gewiss kein Totalausfall.


Line-up Back Sabbath:

Tony Iommi (guitar)
Tony Martin (vocals),
Neil Murray (bass)
Cozy Powell (drums)
Geoff Nicholls (keyboards)

With
Ice-T (vocals – #1)

Tracklist "Forbidden":

  1. The Illusion Of Power (4:51)
  2. Get A Grip (3:58)
  3. Can’t Get Close Enough (4:27)
  4. Shaking Off The Chains (4:02)
  5. I Won’t Cry For You (4:47)
  6. Guilty as Hell (3:27)
  7. Sick And Tired (3:29)
  8. Rusty Angels (5:00)
  9. Forbidden (3:47)
  10. Kiss Of Death (6:06)

Gesamtspielzeit: 44:10, Erscheinungsjahr: 1995

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

3 Kommentare

  1. Chris

    Servus Mario !

    Bin ein 64 jähriger "Altmetaller" und still rocking. Ich habe viele Bands kommen und gehen sehen. Zufällig bin ich über deine Review zim Album "forbitten" von Black Sabbath gekommen. Dein vorletzter Satz Deiner Antwort ist vollkommen richtig. Ich kann mich noch erinnern wie z.B. die Platte "Stormbringer" von Deep Purple verteufelt wurde, weil sie "angeblich" zu "funky" war. Sicher ist"forbitten" nicht die beste Platte im Black Sabbath Katalog, aber jede Band hat irgendwo eine Platte, die schwächelt, z.B. auch Metallicas "Lulu" oder Led Zeppelin`s "Presence". Aber die Rockwelt wird das sicher verkraften !

    Rock on !

  2. Achim

    Toll geschrieben Mario.
    Informtiv und mit wahren Worte gespickt. Du hast mir das Album wiederschmackhaft gemacht, da ich es tatsächlich nie gehört habe.
    Wird sobald wie möglich nachgeholt !! Dankeschön

    1. Mario

      Hallo Achim,
      danke Dir für Deine Worte. 30 Jahre seit Erscheinen des Albums und das nochmalige Treffen der Urbesetzung von Black Sabbath am 5. Juli 2025 in Birmingham waren mir Anlass, auf „Forbidden“ einzugehen, das vermeintlich schlechteste Album der Band, wie überall zu lesen war. Aus meiner Sicht ist alles gesagt. Nur ein Zusatz sei mir gestattet: Ich glaube, dass es viele solcher Werke gibt, die in der medialen Welt ein schlechtes Image verpasst bekommen, ohne dass sich das Gros der Schreiber damit auseinandergesetzt hat. So bekommt die Scheibe wegen eines Titels bzw. Interpreten (Rap) ihren Stempel, ist schlecht für die Ewigkeit, fertig. Differenzieren will gelernt sein.
      Alles Gute Dir.
      LG Mario

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