Ich zitiere die Pressemitteilung: »Inezona – "A Self-Portrait", ein Konzeptalbum ohne Konzept.« Dahinter steckt die Multiinstrumentalistin Ines Brodbeck. Sie hatte für eine neue Platte eigentlich andere Ideen, wollte sich auf Reisen und musikalischen Austausch begeben, und das wurde durch die Pandemie verhindert. »In der Abgeschiedenheit einer alten Mühle in Binzen, fand sie«, so weiter im Pressetext, »abseits all des Tumultes zur Ruhe und zu großer kreativer Freiheit.« Ja, und somit liegt uns dieses Ergebnis vor.
Gleich mit der Einleitung erinnert mich die Stimmung an zwei andere Musiker, einmal an die anfänglichen Werke von Andreas Vollenweider und ferner an einige Stücke von Stephan Micus. Ja, ein strukturiertes Konzept scheint in der Tat nicht vorzuliegen, so kann ich keine klaren Kompositionsansätze erkennen, die sich nachvollziehen lassen. Vielmehr scheinen die Songs aus dem Augenblick zu entstehen, wirken also sehr spontan, von starker Emotion geprägt. Eigentlich wirkt das wie eine Art Kino, denn wenn man sich einfach gehen lässt und den Melodien folgt, dann können Bilder entstehen, individuelle Bilder selbstverständlich, und so muss das, was die Künstlerin mit ihren Songs verknüpft, nicht das Gleiche sein, das ich als Hörer empfinde.
Was ich empfinde? Nun, weite Landschaften, diese überschwebend wie eine Drohne, und dieser Flug dauert über die ganze Spielzeit. Somit entlocke ich der Musik eher das Gefühl von Losgelöstheit und Freiheit als ein Eintauchen in Mystik und geheimnisvolle verborgene Welten, keine Märchenwälder, keine tiefen Höhlen. Mitunter können die Klänge spirituelle Kräfte zumindest anreißen, denn die oft, meistens zu oft, vorliegende Gleichförmigkeit der Darstellung der Songs, verhindert ein verstärktes Eindringen in eine spirituelle Welt.
Somit wirkt die Musik auf mich sehr stark orientiert auf die Künstlerin, fixiert auf das, was sie in ihren Momenten der Ruhe empfand und erst einmal für sich schuf. Denn nach spätestens drei oder vier Liedern kann man auch das Interesse daran verlieren, sich ein weiteres Stück näher anzuhören, denn es bleibt zu stark introvertiert, vielleicht zu stark, um eine breite geneigte Hörerschaft zu finden. Dazu hätten mehr Anreize geschaffen werden müssen, und da komme ich dann auf die eingangs erwähnten Musiker Vollenweider und Micus zurück, denen das aus meiner Sicht besser gelungen ist. So bleibt es bei der Aneinanderreihung der zehn Titel eher bei einer Art Selbstportrait der Protagonistin, mithin: Albumtitel getroffen!
Line-up Inezona:
Ines Brodbeck (banjoukulele, ukulele, electric guitar, acoustic guitar, violin, kitchentools as percussion, voice)
Marco Baumgartner (drums – #6)
Tracklist "A Self Portrait":
- Binzenland
- A Self-Portrait
- My Daily Routine Of Dying
- Dancer In The Desert
- Karina
- Passend-Unpassend
- Tierra Roja
- Liquide Gold
- Trees
- 6th Of July
Gesamtspielzeit: 38:57, Erscheinungsjahr: 2022



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