Der Rezensent hat es in der Vergangenheit sporadisch durchblicken lassen … alle vermeintlichen Kompetenzen bezüglich wortgewaltiger Einordnung musikalischer Ereignisse beruhen in seinem Fall auf der Expertise zigtausender selbst besuchter Live-Konzerte und dem konzentrierten Hören abertausender Tonkonserven, vorzugsweise aus der eigenen Sammlung. Das hilft, um die eine oder andere profunde Beurteilung abgeben zu können, zumindest innerhalb bevorzugter Genres.
Noch besser wäre es allerdings, wenn die Kompetenz des eigenen Musizierens hinzukäme. Diese ist beim Rezensenten so ausgeprägt wie die empathischen Fähigkeiten eines gewissen Donalds, der selbst Onkel Dagobert wie ein einfühlsames Sensibelchen wirken lässt.
Da ist der Schreiberkollege Frank Ipach aus ganz anderem Holz geschnitzt. Nicht nur mit seiner Band Craving Hands, die bevorzugt dem unvergessenen Tom Petty huldigt, ist der vielseitige Mann seit Jahrzehnten in der NRW-Musikszene verwurzelt. Das eint ihn mit dem Multiinstrumentalisten Rolf Maibaum, derzeit gerne mit den Sting Men aktiv, die natürlich Police und ihrem einstigen Chef die Ehre erweisen.
Zusammen haben die beiden nicht mehr ganz jungen Herren das Album "Finding Places" aus der Taufe gehoben, unterstützt von Freunden und Kollegen, einschließlich Michael Bormann mit Background-Gesang, dem einen oder der anderen eventuell von den Duisburger Hardrockern Jaded Heart bekannt.
Musikalisch ist das eindeutig Frank Ipachs Baby, lediglich "Ghost Of The Highway" geht auf Ralf Konopatzki und Rolf Maibaum zurück, während vier Songs Texte aus Silvia Rüthers Rock’n’Roll Romanze "Rock This Way" adaptieren.
Mit angenehmer Stimme und ohne jegliche Manierismen entführt uns der Protagonist in eine Welt wunderbar antiquierter Klänge, kuschelig weich und ohne Zuckerzusatz, im musikalischen Duktus die 1970er-Jahre heraufbeschwörend und dabei latent an den Westcoast-Sound gemahnend, den damals Koryphäen wie Jackson Browne, Linda Ronstadt, Christopher Cross, Poco oder Steely Dan kultivierten. Dabei blitzt mehr als einmal auch der Hang zu südlicheren Klängen auf. Es darf dabei nicht vergessen werden, dass der sogenannte Southern Rock sich Ende der 1970er/Anfang der 1980er eher in die Middle-Of-The-Road Hängematte verlustierte, damit die Rockfans verprellte und schließlich zum großen kommerziellen Fail wurde.
Dabei ergaben sich durchaus wohlige Melodien für lange Fahrten auf der Route 66 und auch Ipach/Maibaum wissen mit selbigen zu glänzen, ohne jemals in Belanglosigkeit abzudriften. Die Instrumentierung ist sehr ausgefeilt, akzentuiert, beschwört mit Resonator-Gitarre, Banjo und Mandoline auch folkige Momente herauf … bis hin zur Bluegrass-Anmutung. Erstaunlicherweise gibt es kein organisches Schlagzeug und trotzdem gelingt es Rolf Maibaum, dem Werk als Toningenieur sehr viel Leben und Seele einzuhauchen.
Nicht alle Songs sind zwingend und Freundinnen und Freunde gepflegter Saitenartistik werden schlussendlich nur bei "All The Ending Roads" bedient, aber …
Fazit:
… das völlig unabhängige und in Eigenregie entstandene Werk darf getrost als heimeliges Kleinod der heimischen Musikszene gefeiert werden, welches auffallend jedwede Effekthascherei vermeidet und genau deshalb mehr Substanz hat, als es erste Hördurchgänge vermuten lassen.
Oder anders ausgedrückt … wenn die Duisburger sich mal live in den Nordwesten der Republik verirren sollten, ist der Rezensent mit Freude dabei!
Line-up Ipach/Maibaum:
Frank Ipach (vocals, backing vocals, acoustic guitar, resonator guitar)
Rolf Maibaum (electric & acoustic guitars, baritone guitar, danelectro sitar, bass, backing vocals, programming)
Gert Neumann (electric guitar, resonator guitar, banjo)
Markus Doms (electric guitar)
Helt Oncale (fiddle, banjo)
Olaf Behrends (mandolin)
Lutz Weigang (piano, organ)
Nico Kozuschek (piano, Hammond organ)
Frank Schut (harmonica)
Michael Bormann (backing vocals)
Rudi Gall & Noah Wall (backing vocals)
Tracklist "Finding Places":
- Falling Through (5:32)
- Cedar Lake (4:10)
- Grandpa’s Advice (4:16)
- Somewhere (5:21)
- Finding Places (3:54)
- Safe And Sound (5:17)
- All The Ending Roads (5:04)
- Sally Reed (4:58)
- Ghost Of The Highway (5:00)
- Used To Bad News (3:59)
- Fool’s Heaven (6:37)
- Leaving The Country (4:42)
Gesamtspielzeit 50:13; Erscheinungsjahr 2025



2 Kommentare
Michael Ludwig
17. September 2025 um 12:13 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Hallo Rocktime-Team, zuerst mal 1000 Dank für eure Rezensionen, die mein Musikhörerlebnis seit vielen Jahren um einiges reicher machen. Ich habe eine kurze Frage: könnt ihr mit weiterhelfen bei der IPACH/MAIBAUM – FINDING PLACES CD, also wie msn an eine physikalische rankommt? Im Internet komme ich hier nicht recht voran. Finde die CD aber so fantastisch, dass ich sie unbedingt haben MUSS.
Vielen Dank vorab und bitte macht weiter so.
Allerbeste Grüße, Micha
Frank
17. September 2025 um 14:22 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Hallo Micha!
Das freut mich, dass Du Interesse an unserer Ipach/Maibaum CD hast. Prima.
Wenn Du ein Exemplar zugesendet haben möchtest, dann schreib mir bitte eine Email an folgende Adresse. Dann erzähle ich Dir, wie wir das über die Bühne bringen.
findingplaces@vodafonemail.de
Viele Dank.
Rock on!