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Joe Bonamassa / B.B.King’s Blues Summit 100

Joe Bonamassa / B.B.King's Blues Summit 100

Was für ein Pfund! Nüchtern betrachtet tatsächlich nur ein knappes halbes Pfund an Gewicht (und zwei Zentimeter Dicke), doch für eine Doppel-CD ist das schon ein strammes Gewicht; eine ’normale' Do-CD kommt gut und gerne mit einem Drittel des Gewichts und an Dicke des Albums daher. Aber immerhin liegt dem Album ein 40seitiges, sehr informatives Booklet anbei. Demgegenüber bietet die CD-Box Blues (The Perfect Blues Collection) bei lediglich vierfachem Gewicht und Dicke (einschließlich einem ebenfalls 40seitigen Booklet) insgesamt 25 CDs, also mengenmäßig das Zwölfeinhalbfache an Musik!

Die vorliegende Do-CD steckt in wirklich dickem Karton; vom schwarzen Cover hebt sich goldener Prägedruck ab. Aber sowohl der für das Geburtstagsständchen verantwortliche Joe Bonamassa als auch der Protagonist himself sind bzw. waren als 'Meister der Bescheidenheit' eher weniger bekannt.

Lange angekündigt, durch Vorabveröffentlichungen einzelner Songs bereits ins Gehör und Gespräch gebracht, liegt diese Hommage an den 'King Of The Blues' mittlerweile bereits seit einigen Monaten vor. Der Titel "Blues Summit 100" bedeutet allerdings nicht, dass hier 100 Songs eingespielt worden wären (was problemlos möglich gewesen wäre ohne irgendwelche Wiederholungen), sondern spielt darauf an, dass B.B. King im vergangenen Jahr 100 Jahre alt geworden wäre (und dass das 'Album wahrscheinlich hierzu parallel veröffentlicht werden sollte. Sei’s drum: besser spät als nie! Wahrscheinlich hat es einfach seine Zeit benötigt).

Another boaring B.B. King-Tribute Album; gar möglicherweise recht lieblos zusammengestellter Coverversionen unterschiedlichster Künstler mit mehr oder weniger enger Beziehung zum Protagonisten? Derer gibt es bereits unzählige, auch Joe Bonamassa, dessen enge Beziehung zu B.B. King allgemein bekannt sein dürfte, hat mit seiner 'Three Kings Blues Band' mit dem Album "Live At The Greek Theatre" dem Protagonisten als einem der 'Three Kings' gehuldigt. Zudem haben beide auf Joes Black Rock-Album aus dem Jahr 2010 bei dem Song "Night Life" duettiert.

Mitnichten: das vorliegende Album ist in erster Linie ein Joe Bonamassa-Album, was bereits daran erkennbar ist, dass die Hauptmusiker in allen Songs diejenigen seiner aktuellen Begleitband sind. Kleiner Wermutstropfen in diesem Zusammenhang: sein langjähriger Keyboarder Reese Wynans war bei lediglich neun Titeln, und damit nur bei knapp einem Drittel der Songs beteiligt. War das vielleicht bereits dessen 'Einstieg in den Ausstieg'? Bei sämtlichen anderen Stücken werden die Tasteninstrumente von einem gewissen Jeff Babko bedient, der mir bislang lediglich als Studiomusiker untergekommen ist. Dennoch macht auch der seine Sache gut.

Die vorliegende Kompilation zeichnet allerdings aus, dass es Joe gelungen ist, zahlreiche, dem Blues-Genre mehr oder weniger eng verbundene Künstler (s. Tracklist) dafür zu gewinnen, mit ihm und seiner Band mehr oder weniger bekannte Songs, die B.B. King selbst aufgenommen hat, einzuspielen; bei nahezu allen Titeln (zu den beiden Ausnahmen später) überlässt er den Gesang den Gaststars; oftmals bringen sie aber auch ihr instrumentales Können zu Gehör. Mit dabei sind bspw. Blues-Legenden wie Buddy Guy und natürlich Eric Clapton (man denke nur an seine Kollaboration mit dem King "Riding With The king") aber auch jüngere Stars der Szene wie Kenny Wayne Shepherd und natürlich Joanne Shaw Taylor. Etwas überraschender sind hingegen für mich die Teilnahme von Larkin Poe oder des Sängers Aloe Blacc, die mir jeweils beim Stichwort 'Blues' nicht sofort einfielen. Aber es ist durchaus reizvoll, wie auch diese Genre-untypischen Teilnehmer in die musikalische Vielfalt des Albums passen. Und schließlich bekommen mit Jade MacRae und Dannielle De Andrea die beiden aktuellen Background-Sängerinnen von Joe die Gelegenheit, mit ihrem Sologesang aus ihrem Schatten "Twenty Feet From Stardom" herauszutreten!

Natürlich könnte ich mir zahllose andere Musiker vorstellen, die hier gut hinzugepasst hätten, allen voran die Blues-Legende Taj Mahal, oder aber auch Popa Chubby, dem B.B.King (wie die anderen Kings auch) musikalisches Vorbild war. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, aber irgendwann muss Schluss sein!

Die Gastmusiker versuchen auch erst gar nicht, B.B. King nachzuahmen, sondern machen dessen Stücke, die ja ihrerseits in der Regel bereits Cover-Versionen, zumindest aber Fremdkompositionen waren, durch ihre individuelle Musikalität zu ihren Nummern. Und dass ist gut so.

Die Song-Auswahl ist ein buntes Potpourri bekannter Lieder, die jeder Blues-Fan bereits in seiner Sammlung haben dürfte, sei es als Einspielung des Protagonisten himself oder als Cover-Version nicht nur der hier vertretenen Musiker. Durch den jeweiligen persönlichen Stempelaufdruck der Gaststars wird das Ganze niemals langweilig.

Die erste bereits angesprochene Ausnahme bildet insofern Track 15 auf der zweiten CD "Playin' With My Friends". Auch dies ein Song, den B.B. King einst eingespielt hat (ich habe eine Version davon zusammen mit Robert Cray). Hier behält sich Joe auch den Gesang vor; das Stück spiegelt für ihn das Motto wider, unter dem für ihn die Produktion dieses Albums stand; mehr muss man nicht dazu sagen.

Den Abschluss dieser zweiten Scheibe bildet mit einer Spielzeit von fast neun Minuten, "Better Not Look Down", ein Titel, den B.B. King auf seinem "Lucille & Friends"-Album präsentiert hat. Hier kommt endlich Kirk Fletcher als Gastmusiker zu seinem wohlverdienten Auftritt. Die annoncierte Ausnahme liegt bei diesem Titel darin, als hier kein üblicher Gesang zum Vorschein kommt. Vielmehr erzählen etliche auf dem vorliegenden Album vertretene Musiker, welche Beziehungen sie zum 'King Of The Blues' haben. Das sind durchaus persönliche Einblicke, die hier gewährt werden. Übrigens gibt es den Titel nur auf der CD-Version, LP-Jüngern wird er vorenthalten!

Produziert wurde das Album nicht von Joes Leib-und-Magen-Produzent Kevin Shirley, sondern von ihm selbst zusammen mit Josh Smith. Aber das ist ja auch nichts Neues. Letzterer hat bereits Joes "Blues Deluxe Vol. 2" produziert, und beide zusammen haben z.B. bei "Blues From The Heart" von Joanne Shaw Taylor an den Reglern gesessen. Die vorliegende Produktion ist jedenfalls gelungen und strahlt – nicht zuletzt wegen der zahlreich eingesetzten Bläser – eine schöne Transparenz im Klang aus. Insgesamt daher: sehr empfehlenswert!


Line-up Joe Bonamassa:

Joe Bonamassa (guitar, vocals)
Josh Smith (guitar)
Calvin Turner (bass)
Lemar Carter (drums)
Reese Wynans (organ)
Jeff Babko: Pian (keyboards)

Steve Patric (trumpet)
Tyler Jaeger (trumpet)
Marc Douthit (saxophone)
Jimmy Bowland: Saxophone
Barry Green (trombone)
Matt Jefferson (bass trombone)

u.v.a.

Tracklist: "B.B. King’s Blues Summit 100":

CD 1:

  1. Paying The Cost To Be The Boss (ft. Christone 'Kingfish' Ingram)
  2. Don’t Answer The Door (ft. Marcus King)
  3. To Know You Is To Love You (ft. Michael McDonald, Susan Tedeschi, Derek Trucks)
  4. Let The Good Times Roll (ft. Kenny Wayne Shepherd, Noah Hunt)
  5. Sweet Little Angel (ft. Buddy Guy)
  6. When It All Comes Down (I’ll Still Be Around) (ft. Larry McCray),
  7. When Love Comes To Town (ft. Slash, Shemekia Copeland, Myles Kennedy)
  8. The Thrill Is Gone (ft. Chaka Khan & Eric Clapton)
  9. Watch Yourself (ft. Jimmie Vaughan)
  10. Why I Sing The Blues (ft. Bobby Rush)
  11. Sweet Sixteen (ft. Jimmy Hall, Larry Carlton)
  12. Don’t You Want A Man Like Me (ft. Larkin Poe)
  13. I’ll Survive (ft. Keb' Mo')
  14. Heartbreaker (ft. Trombone Shorty, Eric Gales)
  15. There Must Be A Better World Somewhere (ft. George Benson)

CD 2:

  1. How Blue Can You Get (ft. Warren Haynes)
  2. You Upset Me Baby (ft. Chris Cain)
  3. Ghetto Woman (ft. Ivan Neville)
  4. Night Life (ft. Paul Rodgers)
  5. Ain’t Nobody Home (ft. Jade MacRae, Robben Ford)
  6. Bad Case Of Love (ft. Joanne Shaw Taylor)
  7. Never Make A Move Too Soon (ft. Dion)
  8. Three O’Clock Blues (ft. Marc Broussard)
  9. Think It Over (ft. Train, Chris Buck)
  10. It’s My Own Fault (ft. Kim Wilson)
  11. Every Day I Have The Blues (ft. D.K. Harrell)
  12. Please Accept My Love (ft. John Németh)
  13. So Excited (ft. Aloe Blacc)
  14. When My Heart Beats Like A Hammer (ft. Dannielle De Andrea)
  15. Playin' With My Friends
  16. Better Not Look Down (ft. Kirk Fletcher) [CD only]

Gesamtspielzeit: 143:00, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Jürgen Hauß

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