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North Mississippi Allstars / Still Shakin' – Digital-Review

North Mississippi Allstars - "Still Shakin'" - Digital-Review

Die North Mississippi Allstars sind in allererster Linie die beiden Brüder Luther und Cody Dickinson, für ihren Teil Söhne des in der amerikanischen Musik-Szene so legendären wie mittlerweile verstorbenen Musikers und Produzenten Jim Dickinson. Das Debütalbum "Shake Hands With Shorty" erschien im Mai 2000 und bis Januar 2022 wurde das Dutzend an Langspielplatten vollgemacht. Da brachte die Brüder auch nicht aus der Spur, dass der gute Luther für einige Jahre mit den Black Crowes auf der Bühne stand und auf den Studioalben Warpaint (2008), Before The Frost… (2009) sowie "Croweology" (2010) entscheidend mitwirkte. Nach "Set Sail" folgt nun mit "Still Shakin'" also der nächste Streich, der uns elf neue Tracks mit einer Spielzeit von knapp 55 Minuten bringt. Wie immer haben sich die Brüder dafür einen ganzen Schwung befreundete Musiker als Gäste eingeladen, das komplette Line-up zu eruieren war dem Rezensenten jedoch leider nicht möglich.

Stilistisch sind die Dickinsons für das neue Werk etwa 25 Jahre in die Vergangenheit und somit die Zeit ihres Debütalbums eingetaucht. Die Tracks wurden aus Blues-Klassikern aus Mississippi ausgewählt, die die beiden seinerzeit zelebriert hatten, die es aber nie auf ein bzw. das Debütalbum geschafft hatten. Und so kann an dieser Stelle bereits festgehalten werden, dass sich der interessierte Leser von einer etwaigen Erwartungshaltung in Richtung Blues à la Joe Bonamassa schon mal getrost und am besten ganz schnell verabschieden kann. Die Allstars tauchen hier nämlich ganz tief in den Mississippi-Blues ein, Zwölftakter im herkömmlichen Sinn sucht man vergebens. Stattdessen werden elf Songs mit ganz viel Tiefgang, Intensität und Authentizität geboten, ohne auch nur einen einzigen Knochen Kommerz in sich zu haben. Vielmehr sind einige der Nummern geradezu sperrig, sehr spartanisch instrumentiert sowie dem doch eher eigenwilligen Gesang der beiden Hauptprotagonisten ausgestattet.

Es geht aber natürlich auch anders: So wie beispielsweise bei "Don’t Let The Devil Ride", das im Vergleich mit einigen anderen Stücken geradezu geschmeidig ins Ohr geht und sich warnend damit auseinandersetzt, dass man sich nach dem Konsum gewisser Genussmittel dann doch lieber nicht mehr hinters Steuer setzen sollte. Mit dem "Preachin' Blues" wird die Zündschnur sehr flott und funky gestartet, dazu mit hoher Gesangsstimme veredelt, die im ersten Moment an den seligen Al Wilson von Canned Heat denken lässt. Einen 'echten' Refrain gibt es nicht, dafür aber ein sehr schönes Slide-Solo von Luther. Für das Stück "Pray For Peace" ist Joey Williams mit von der Partie und macht eine sehr gute Figur vor dem Gesangsmikro. Der Klassiker "John Henry" wird einmal mehr sehr spartanisch arrangiert dargebracht, die Drums, eine mit dem Slide-Röhrchen gespielte Gitarre und Gesang. Mehr ist da nicht und mehr braucht es auch nicht, um die Nummer als Gewinner durchs Ziel zu schippern.

Der Titeltrack, mit Duwayne Burnside als Gast, taucht erneut ganz tief in den Blues aus schwülen Sumpf-Gebieten ein, in denen man wahrscheinlich geboren sein muss, um jemals mit den klimatischen Bedingungen klar zu kommen. Wie bei so vielen anderen Tracks dieser Scheibe geht es ganz tief ins Landleben der Armen und Unterbemittelten rein. Und als Rausschmeißer ist da noch das wunderschöne Instrumental "Monomyth (Folk Hero’s Last Ride)", nach dessen Ende man immer wieder auf die Repeat-Taste drücken möchte. Eine fast schon gespenstisch klingende Slide taucht ganz tief in die Gefühlswelt des Hörers ein. Ein absoluter Hammer, leider mit nicht mal drei Minuten Spielzeit viel zu kurz.Um das Fazit knapp zu halten: "Still Shakin'" von den North Mississippi Allstars ist ein sehr starkes Album, mit dem man sich zwar zunächst auseinandersetzen muss, im Anschluss jedoch reich belohnt wird. Nichts für Hobby-Blueshörer oder Freunde großer Produktionen, vielmehr in die Tiefe gehender und authentischer Mississippi-Blues, wie er in dieser Art wohl nur in dieser Gegend produziert wurde und wird.


Line-up The North Mississippi Allstars:

Cody Dickinson (drums, vocals)
Luther Dickinson (guitars, vocals)

With:
Joey Willliams (- #2,4,8)
Robert Kimbrough (- #2)
Jojo Hermann (- #5)
Grahame Lesh (- #5)
Duwayne Burnside (- #7)

Tracklist "Still Shakin'":

  1. Preachin' Blues
  2. Stay All Night
  3. My Mind Is Ramblin'
  4. Pray For Peace
  5. K.C. Jones (Part II)
  6. Still Shakin'
  7. Poor Boy
  8. Don’t Let The Devil Ride
  9. Write Me A Few Lines (CD and digital only)
  10. John Henry
  11. Monomyth (Folk Hero’s Lasst Ride)

Gesamtspielzeit: 54:11, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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