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Paul McCandless Quintet / Live At Kimball’s East 1992 – CD-Review

Paul McCandless Quintet / Live At Kimball's East 1992

Der Name des Musikers Paul McCandless dürfte einigen Musikinteressierten sicher schon einmal über den Weg gelaufen sein in Verbindung mit der Band Oregon. Doch darauf sollte man den 1947 in Pennsylvania Geborenen nicht einfach reduzieren. Familiär 'belastet', Mutter war Pianistin und Vater sowie Großvater spielten Klarinette und Oboe, erlernte er Klarinette, Klavier, Oboe, Flöte und Saxofon. Mit den diversen Blasinstrumenten prägte er den Sound von Oregon entscheidend mit. Doch bereits davor hinterließ der Musiker Spuren beim Paul Winter Consort. Später kam es auch zu Soloprojekten, unter anderem entstanden Zusammenarbeiten mit Art Lande, Eberhard Weber, David Darling und ebenfalls stellte er sich als Begleitmusiker für viele andere zur Verfügung.

Mir liegt nun ein Leckerbissen aus dem Jahr 1992 vor, das Paul McCandless Quintet "Live At Kimball’s East, Oakland, California 1992". Zwei Songs allerdings, "Last Bloom" und "Tail Wind" entstanden im gleichen Jahr beim Montreal Jazz Festival. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen war das Studioalbum "Premonition" gerade aktuell, die dort mitwirkenden Musiker waren auch live jeweils dabei und vier Songs des Albums wurden präsentiert.

Mit dem recht eleganten und ruhigen "Robin" startet das Konzert, und man bleibt auf dem Boden relativ sachter Fusion. McCandless ist mir eher geläufig in einem anderen Umfeld, so wirkt es hier dann doch eher in Richtung Mainstream oder vielleicht gar ein wenig hin zum Smooth Jazz, es klingt halt angenehm. Doch dabei bleibt es, wie eigentlich zu erwarten, nicht lange. "Punch" geht zunächst in Richtung Funk/Fusion und erinnert mich ein wenig an Bands wie Steps Ahead.

"The Marvelous Harlequin Duck", fernöstliche Stimmung, ein dicker Hauch von Weltmusik, Paul Winter Consort und Oregon werden nun eher ins Gedächtnis gerufen mit dem Flötenspiel des Protagonisten, dazu passt die Perkussion von Mark Walker, ferner steuert Steve Rodby ein Bass-Solo auf dem akustischen Bass bei und alle diese diversen Einflüsse und Ausrichtungen formieren sich zu einer ganz eigenen Art der Fusion.

"Last Bloom", verträumt und romantisch als Duett zwischen Sopransaxofon und Piano, versprüht einen besonderen Charme, der mit dem anschließenden "Rainland" weitergeführt und mit "Cloudy This Morning" wieder aufgegriffen wird, hier allerdings füllt Fred Simon mit dem Synthie den Sound breitflächig aus. Dazwischen liegen das mit fast dreizehn Minuten Spielzeit längste Stück "Hard Eights", das ein wenig mehr in Richtung Jazz innerhalb der Fusion-Gestaltung aufbricht, auch McCandless ist recht gelöst und virtuos im Spiel, das auch für Lyle Mays mit seinem Piano-Solo gilt, und dann wird der Song noch angeheizt mit einem Schlagzeug-Auftritt von Walker.

Dem Titel entsprechend, folgt Freiheit, "Free", Improvisation ist angesagt und zeigt deutlich, wie sehr sich diese Band doch umstellen konnte auf verschiedene Stimmungen, echte Profis halt! Allerdings sollte man nicht unbedingt einen freien Jazz erwarten, so wie es Jazzer wie John Coltrane, Pharoah Sanders, Albert Ayler und weitere vorgemacht haben, denn hier herrscht zwar schon grundsätzlich eine freie Ausgestaltung des Songs, doch mit einem großen Anteil von Simon mit seinem Einsatz des Synthesizers. Später legt McCandless auch los mit losgelöstem Spiel und bringt wieder mehr Jazz-Elemente ins Spiel.

Wir werden mit einer Komposition von Lyle Mays verabschiedet. Zehn Minuten lang werden bei mir diverse Assoziationen erweckt, anfänglich muss ich an die Kollegen von Weather Report denken und an Joe Zawinul. Jazz Rock der lebendigen und bunten Art, so dass ich resümierend feststellen kann, dass man es mit diesem Konzert vollbracht hat, verschiedene Stimmungen und genretypische Elemente zu vereinen, Jazz, Fusion, Weltmusik, Jazz Rock, wirklich sehr gelungen und lebendig und ausdrucksstark.

Und das Ganze wird in einem hervorragendem Klang präsentiert. Hierzu kann man erfahren, dass diese Aufnahmen jahrzehntelang in Paul McCandless' Archiv gelegen haben sollen und mit KI-gestützter Technologie aufbereitet und klanglich veredelt worden sind.


Line-up Paul McCandless:

Paul McCandless (oboe, soprano, sopranino and alto saxes, penny whistle, bass clarinet, EWI)
Lyle Mays (acoustic piano)
Fred Simon (synthesizers(
Steve Rodby (acoustic and electric bass)
Mark Walker (drums and percussion)

Tracklist "Live At Kimball’s East 1992":

  1. Robin (4:38)
  2. Punch (6:37)
  3. The Marvelous Harlequin Duck (8:11)
  4. Last Bloom (3:29)
  5. Rainland (5:31)
  6. Hard Eights (12:43)
  7. Free (8:03)
  8. Cloudy This Morning (6:00)
  9. Tail Wind (7:22)
  10. Slink (10:16)

Gesamtspielzeit: 72:48, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
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Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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