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Red Hot Chilli Pipers / Fresh Air – CD-Review

Red Hot Chilli Pipers / Fresh Air

Es gibt sie schon lange, die Red Hot Chilli Pipers. Im Jahre 2002 wurde die Band in Glasgow gegründet. Die Idee, die dahinter steckte, war, den Sound der mächtigen furchteinflößenden War Pipes, also der Dudelsäcke schottischer Prägung, mit dem Sound einer hart rockenden Band zu  kombinieren. Dabei waren es anfänglich viele Coverversionen, die durch diese eigenwillige Kombination einen ganz neuen Anstrich erhielten. Gecovert wurden unter anderem Stücke wie "We Will Rock You" von Queen, "Smoke On The Water" von Deep Purple, "Thunderstruck" von AC/DC oder auch Poppiges wie  "Clocks" von Coldplay.  Und natürlich durften die klassischen schottischen Schlachtrösser wie "Amazing Grace", "Flower Of Scotland" oder "The Dark Island" nicht fehlen. Zu einem rechten Hit entwickelte sich dann auch noch das von zwei Deutschen geschriebene "Highland Cathedral".

Kern der Band waren die Dudelsackspieler, allen voran Stuart Cassells, der leider mittlerweile nicht mehr dabei ist, allesamt Absolventen der Royal Scottish Academy Of Music, und mit  Grant Cassidy hat man sogar einen World Champion Snare Drummer dabei. Dazu verstärkte man sich durch E-Gitarre, Schlagzeug, Bass und Keyboards, später auch Bläser. Gesungen wird grundsätzlich nicht, in den letzten Jahren kam es jedoch verstärkt zu Gesangseinlagen bei bestimmten Songs.

Nach dem selbstbetitelten Debüt aus 2005 liegt mit "Fresh Air" das nunmehr neunte Album vor. Und noch immer strahlt ihr Bag Rock, wenngleich auch nicht mehr so frisch und unverbraucht wie in den Anfangszeiten. Darüber hinaus boten die Liveaufnahmen der Band meist eine bessere Präsentation ihres Sounds und wer sie einmal live erlebt hat, wird mir beipflichten, dass die Show-Elemente zusätzlich eine elementare Bereicherung darstellen. Nun war man also wieder im Studio und heraus kamen vierzehn Songs.

Wie vorab angedeutet, nun gibt es bereits sieben Stücke mit Gesangsbeiträgen (siehe Einträge im Line-up). Ebenfalls entdeckt man sogleich sechs Piper an der Zahl, aber das ist noch lange nicht alles. Hierzu verweise ich auf den auch bereits erwähnten Song, "Highland Cathedral"! Aufgenommen im Tynecastle Stadion in Edinburgh wird die Band ergänzt um zweihundert(!) junge talentierte Dudelsackspieler, man nennt sie im Booklet »The Next Generation Chillies«. Ja, und bei entsprechender Heimanlage hat man das Gefühl, fürwahr weggepustet zu werden! Ich habe mir erspart, alle Namen der jungen Talente aufzuführen und verweise auf das Booklet, wo sie tatsächlich alle namentlich abgedruckt sind, die jungen Campbells, MacDonalds, MacKenzies, Murrays, Stewarts und so weiter.

So, und was ist noch anders auf dieser neuen Platte? Grundsätzlich sicher nichts Entscheidendes, die Instrumentaltracks kommen wie eh und je mit satten Pipes auf rockenden Untergrund und man mag auch hier wieder entscheiden, ob man ihn mag oder nicht – den Klang des Dudelsacks. There Is No In Between, zwischen Liebe und Hass. Mich jedenfalls überwältigt dieser Sound stets emotional immens, da kommt eine Art Fernweh nach Schottland auf, zur keltischen Kultur grundsätzlich, das geht tief in die Seele. Im Gegensatz zu den meisten Live-Shows sind hier zusätzlich auch Bläser eingesetzt worden, "Treasure" wird dabei zu einem echten Soul- und Funk-Kracher, absolut tanzbar mit diesem Groove. Das hätte so gut und gern auch in den Achtzigern entstehen können, es riecht nach Earth, Wind & Fire und ähnlichen Funk-Bands. Chris Judge übernimmt den Gesangspart sehr passend, der Mann ist noch bei vier weiteren Songs aktiv. Ähnlich kommt uns "Smelling Fresh" entgegen, allerdings instrumental, auch ein echter Kracher mit Funk-Einschlag und einem Feature für den Gitarristen.

Und da kommen wir doch gleich zu Leonard Cohens "Hallelujah", offenbar schien man sich seitens der Band noch schnell einreihen zu wollen in den Boom dieses Songs. Im Begleittext dazu heißt es, dass Cohen, als er das Stück schrieb, offensichtlich vergaß, die Bagpipes hinzuzufügen, und das habe man nun nachholen wollen. Den Vortrag von Judge halte ich nicht für besonders großartig, schlecht ist es dennoch nicht. Doch wenn die Pipes nach knapp zweieinhalb Minuten einsetzen, dann wird alles gut. "The Gladiator", hier kann Drummer Cassidy glänzen, indem er den satt schleppenden Rhythmus mit seiner Snare veredeln kann, eine gelungene und interessante Kombination!

Was eigentlich gar nicht so überzeugend ist, sind die Nummer neun ("This Is Me"), ein Lied, das wiederum von Judge zwar gut gesungen wird. Aber der originären Idee, Rock und Pipes zu verbinden, steht dieser mehr am Pop orientierte Beitrag dem entgegen und klingt gar nicht so sehr nach den Pipers. Ach – und das Zugeständnis an das deutsche Publikum (»…as a tribute to all of our fans in Deutschland«), die Coverversion von Andreas  Bouranis "Auf Uns", ist meiner Meinung nach völlig deplatziert, zumindest hinsichtlich des Gesangsbeitrags von Olivia Singleton. Vielleicht hätte man den Originalinterpreten bewegen sollen, hier mitzuwirken. Auch diese Nummer ist für mich nicht typisch für die Band und steuert meiner Meinung nach weg vom Ziel einerseits, bedeutet andererseits auch keinen echten Zugewinn oder Mehrwert.

"Old Yellow Bricks" mit seinem Whistle-Feature erinnert mich stark an die irische Band Moving Hearts und durch die Flöte erfährt der Sound der Pipers einen interessanten Ausdruck.
Eine nette Geste steht im Zusammenhang mit dem letzten Titel, "Leave A Light On", gesungen von Tom Walker, dem Mitautoren des Stückes. Dem Begleittext zufolge lud Walker die Band ein, während er als Straßensänger auf den Treppen der Glasgow Royal Concert Hall musizierte, mit ihm zu spielen. So wurde er gebeten, auf dieser Platten seinen Top-10-Hit zusammen mit den Red Hot Chilli Pipers zu spielen, mit einem sehr schönen Ergebnis: Der wunderschöne Song mit emotionalem Tiefgang bekommt noch eine Prise Emotion mehr dazu, das ist ergreifend.
Mithin eine neue Platte mit Licht und Schatten, aber letztlich für Freunde dieser Musik ein Zugewinn und "Fresh Air" haben sie in der Tat ein wenig verbreitet.


Line-up Red Hot Chilli Pipers:

Kevin MacDonald (Highland Bagpipes)
William Armstrong (Highland Bagpipes)
James Harper (Highland Bagpipes, whistle)
Lorne MacDougall (Highland Bagpipes)
Harry Richards (Highland Bagpipes)
Cameron Barnes (Highland Bagpipes)
Alan McGeoch (electric guitar)
Ben Holloway (electric guitar, acoustic guitar)
Ruairidh MacLean (bass guitar)
Barry Young (piano, keyboards, Hammond, Rhodes)
Grant Cassidy (marching snare, percussion)
Jay Hepburn (drum kit)
Adam MacDonald (percussion)
Cameron Jay (trumpet)
Leon Thorne (alto, tenor & baritone saxophone)
Christopher Pugh (trombone)
Chris Judge (vocals – #3,4,7,9,13)
Olivia Singleton (vocals – #10)
Tom Walker (vocals – #14)
Soul Nation Choir (vocals – #3,4,7,9,13)

Tracklist "Fresh Air":

  1. Bleaching Cloths
  2. Dalavich
  3. Hallelujah
  4. Shut Up And Dance
  5. Highland Cathedral
  6. Smelling Fresh
  7. Treasure
  8. The Gladiator
  9. This Is Me
  10. Auf Uns
  11. Old Yellow Bricks
  12. Under The Influence
  13. All These Things That I’ve Done
  14. Leave A Light On

Gesamtspielzeit: 57:04, Erscheinungsjahr: 2019

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
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Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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