The Riptide Movement kommen aus Irland. Und The Riptide Movement sind große Fans von U2. Um ganz ehrlich zu sein, hätte ich das Review nach diesem ersten Satz und dem eröffnenden Song "In A Heartbeat" bereits beenden können, da damit so ziemlich alles gesagt gewesen wäre. Aber gut, ich will nicht ungerecht sein, denn Situationen wie die vorliegende gibt es im Musik-Business ja doch sehr viele. Im Jahr 2014 hatten die vier Musiker mit dem Album "Getting Through" den großen Durchbruch geschafft, als sie damals auf dem Spitzenplatz der irischen Charts aufschlugen und darüber hinaus auch noch mehrere Single-Hits hatten. 2006 gegründet, erschien das Debüt "What About The Tip Jars" bereits am 01. Mai 2009 (Irland: Platz 16), gefolgt von "Keep On Keepin' On", das immerhin schon eine respektable Position 6 verbuchen konnte.
Den Platz an der Sonne ergatterte die Band dann mit dem oben bereits erwähnten "Getting Through", bevor das mir nun vorliegende "Ghosts" – auf der Grünen Insel bereits 2016 erschienen – immer noch einen guten Platz 5 erzielte. Die vier Musiker frönen dem poppigen Rock, der mit einer breiten Schlagseite Independent ausgestattet wurde. Die Songs der Iren sind durchaus melodisch, oft eingängig und mit einem gewissen Punch gesegnet, leider ist die Verwandschaft zu den im ersten Absatz genannten Mannen um Bono und The Edge (allerdings ohne dessen so einzigartige Rhythmus-Gitarre) dann doch zu offensichtlich, um im Wertesystem des Rezensenten wirklich groß punkten zu können. Nachdem bereits beim Opener "In A Heartbeat" deutliche Referenzen zu "Where The Streets Have No Name" auszumachen sind, ist dieses Manko leider auch bei weiteren Tracks nicht wirklich von der Hand zu weisen, selbst wenn U2 nicht grundsätzlich die Vorlagengeber waren.
Aber gut, man kann "Ghosts" auch nicht vollkommen in die Pfanne hauen, denn vom Sound, der Einspielung und der Umsetzung dieser zwölf Tracks her gesehen, ist da schon ein guter Job gemacht worden. Dennoch ist dieses Erfolgskonzept, selbst – und ja, ich wiederhole mich – wenn es in vergangenen Jahrzehnten von vielen, vielen Bands immer wieder angewandt wurde – gewagt und fragwürdig. Ob dennoch erfolgreich, ist selbstverständlich immer von der (Beurteilung der) breiten Masse abhängig. Bisher ist der Plan zumindest in der Heimat aufgegangen, selbst wenn die zwölf Nummern dem Verfasser dieser Zeilen lediglich ein müdes Stirnrunzeln abgewinnen können. Die besseren Stücke dieser Platte hören auf die Namen "Our Time", "Skull And Crossbones", "I Could Have Loved You" und auch "Elephant In The Room", die ich auch als Anspieltipps empfehlen würde.
Kurz und knapp als Fazit: Gute Musiker, eingängige Songs und gute Qualität der Aufnahme sowie Einspielung, hinsichtlich der Originalität müssen jedoch ganz deutliche Abzüge vorgenommen werden. Also lieber erstmal reinhören, als sich auf eventuelle Vorschuss-Lorbeeren zu verlassen.
Line-up The Riptide Movement:
Malachy Tuohy (piano, keyboards, guitars, lead vocals)
Gar Byrne (drums & percussion, background vocals)
Gerard McGarry (bass, background vocals)
Jpr Dalton (guitars, tin whistle, uileann pipes, background vocals)
With:
Ted Hutt (guitars, percussion, background vocals)
Charles Godfrey (programming, synthesizers, percussion, piano, keyboards, background vocals)
Ian Smith (guitar, keyboards)
Alan Rodriguez (piano)
Finian Kelly (trombone)
Rob Grant (trumpet)
Liam Ryan (trumpet)
Anna Devine (backgroud vocals)
Carly Coonagh (background vocals)
Marija Kristina Glasnovic (background vocals)
Niamh Harrington (background vocals)
Sadhbh O’Sullivan (background vocals)
Suso Gospel Choir (vocals)
Tracklist "Ghosts":
- In A Heartbeat
- Changeling
- Arcadia
- Elephant In The Room
- Turn On The Lights
- Skull And Crossbones
- Ghost
- Powerkick
- Our Time
- Furry Lewis
- That’s My Life
- I Could Have Loved You
Gesamtspielzeit: 55:47, Erscheinungsjahr: 2017



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