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Maiija / What If – CD-Review

Maiija / What If - CD-Review

Maiija, tatsächlich heißt sie Marilies Jagsch, wurde als »Österreichs interessanteste Stimme im Indie Sektor« bezeichnet. Seit gut fünfzehn Jahren ist sie Bestandteil der Musikszene Wiens. Unter dem aktuellen Namen firmiert sie seit 2023, vorher gab es zwei Solo-Alben. Für das Album "What If" hat sie sich zusammengeschlossen mit dem Produzenten und Musiker Peter Paul Aufreiter. Zusammen schufen sie Musik im Umfeld von zart experimentellem Indie-Pop, mit elektronischen Texturen angereichert. Das Album soll sich in den Songs mit Themen aus dem persönlichen Umfeld der Songwriterin befassen und aus diesem Blickwinkel heraus auch den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft beleuchten.

"Anticipate", so werde ich empfangen, und sogleich umhüllt von einem elektronischen Sound, und das steht hierbei als Gegenpol zur warmen, zärtlichen und mitunter mehr flüsternden Stimme der Protagonistin. Sicher, das hat ein gewisses Potential dahingehend, dass es durchaus ein wenig beeindruckend wirkt, doch wie kommt man damit klar, diese künstlichen Klänge mit der Stimme zu vereinbaren? Denn die Melodie des Songs ist eine ganz schöne, und ich wünschte mir lieber 'echte' Instrumente. Darüber hinaus geschieht in den knapp vier Minuten nicht wirklich viel, so wirkt es durch die erzeugte Stimmung in etwa auch wie ein Song von der Hälfte der Spielzeit. Ecken und Kanten sind hier Fremdworte.

"Recover" kommt dann schon flotter, ich vernehme ein Schlagzeug, und sogar ein echtes. Dazu trägt eine Gitarre zur melodischen Unterstützung der Struktur bei, ja, dieses Stück spricht mich mehr an. Und dann "Feel", ich vernehme eine angenehme Steigerung, denn zur alleinigen Gitarrenbegleitung formiert sich das Lied, bevor ein Cello als Gestaltungsfaktor einsetzt. Diese besondere Stimmung mit sentimental emotionalem Ausdruck ist wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes, schön. Ja, "Feel" ist ein toller Popsong mit einem dezent folkigem Anstrich.

Und im Laufe der Spielzeit öffnen sich dann verschiedene Stimmungen, die jeweils Anteile der bereits oben genannten Songs beinhalten und das dann wiederholen oder reduzieren oder ergänzen. Letztlich thront über Allem die Stimme von Maiija, die sicher noch ausdrucksvoller zum Einsatz käme, wenn sie diese oft leisen Ausprägungen mit kraftvolleren Passagen anreicherte. So bleibt eine mitunter wie zufällig eingeflossene Passage mit einem dezent rauchigen Timbre, irgendwie fällt mir dann die Kollegin Melanie ein.

Vernehme ich den Klang einer Ukulele, wenn sich "Guide" vorstellt? Solche Passagen sind es halt, die einzelne Nummern dadurch  aufwerten, dass sie sich ein wenig aus dem Gesamtbild hervorheben, ebenso bei diesem Stück der Einsatz der Trompete.
Und so wechseln sie sich ab, weniger interessante, weil teils recht eintönige Songs, und solche, die mit feinen Nuancen aufwertend sind im Ausdruck, und darunter verstecken sich auch wirklich sehr schöne Lieder. Letztlich kann man geteilter Meinung darüber sein, ob die Reduktion der Musik von Vorteil oder nicht ist. Jedoch sind es viele schöne Melodien, die erklingen, aber leider verlieren sich einige jener dann auch, wenn Passagen zu oft wiederholt werden, als Refrain zum Beispiel.

Dann wieder klingt es anders bei Songs wie "Defy", einen, bei dem man beim Hören auch wieder auf Feinheiten in der Instrumentierung und im Arrangement achten sollte. Letztlich mag die Musik für einige Hörer*innen langweilig sein. So betrachte ich sie nicht, sondern eher als ein Quell von Entschleunigung und Ruhe mit ihrer Art von Zurückhaltung.


Line-up Maiija:

Marilies Jagsch (guitar, piano, vocals)
Peter Paul Aufreiter (bass, guitar, additional programming, producer)
Gernot Scheithauer (drums)
Lukas Lauermann (cello)
Paul Szelegowitz (trumpet)
The Zew (vocals #5)
Oskar Maybock (vocals – #2)

Tracklist "What If":

1 Anticipate (3:56)
2 Recover (3:28)
3 Feel (2:57)
4 Envision (4:16)
5 Trust (3:43)
6 Guide (3:29)
7 Liberate (2:28)
8 Resist (4:12)
9 Defy (4:31)
10 Reconsider (3:59)

Gesamtspielzeit: 36:59, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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