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CCD / MindFuckNess & Winter In Paradise – CD-Review

CCD / Mindfuckness - CD-Review

Zusammen mit dem kürzlich veröffentlichten Zweitwerk, "Winter In Paradise", des schwedischen Projekts CCD unter Leitung von Robin Vagh kam unlängst auch dessen Debüt, "MindFuckNess", auf den Schreibtisch geflattert. Vagh selber ist Multi-Instumentalist und steuert Gitarren, Keyboards sowie das Programming bei. Jay Matharu und Lars Granat teilen sich die Lead Gitarren-Sektionen, während Jan-Åke Jönsson am Tieftöner steht. Für das Debüt stand Niklas Hult am Mikro, der mittlerweile von Peter Highmountain abgelöst worden ist. Angaben zu weiteren Musikern sind nicht zu finden, so dass davon ausgegangen werden muss, dass Vagh alles andere schlichtweg programmiert.

Ihre Wurzeln sollen in der NWoBHM liegen und laut beigefügtem PK paaren sie diese Einflüsse jedoch mit vielen weiteren Komponenten diverser Genres. Bei einer derartigen Aussage stellen sich dem geneigten NWoBHM-Fan natürlich sofort die Nackenhaare auf, handelt es sich bei der NWoBHM mitnichten um ein Genre, sondern schlichtweg um eine Periode im Zeitstrahl britischer Rock- und Metal-Musik mit Stilelementen unterschiedlichster Ausrichtung. Das ist mittlerweile in unzähligen renommierten Veröffentlichungen lang und breit dargelegt worden und kann von jedem Musiker, Promoter, Manager, Booker und was sonst noch nachgelesen werden.

Zurück zu unseren Nordmännern von CCD, das ausgeschrieben Compulsive Composing Disorder heißen soll und nach einer schlimmen psychiatrisch relevanten Krankheit klingt: Debüt 2017, Zweitwerk mit neuem Sänger 2020 und alles in Eigenproduktion aufgelegt. Ein Hauptaugenmerk sollte beim Vergleich der beiden Scheiben auf die Unterschiede im Gesang gelegt werden. 2017 wechseln die Herren fleißig zwischen den Stilrichtungen hin und her, mal mehr metallastig, mal mehr AOR mit teilweise im Ansatz orchestralen Elementen, mal Pop/Rock, mal schlichtweg Hard Rock. Getragen werden die meisten Songs von Niklas Hults Stimme, die sich mir jedoch nur in mittleren bis höheren Tonlagen erschließt. Alles weitere klingt für den subjektiven Geschmack etwas zu gepresst. Es mag seine individuelle Note sein, allerdings erscheint es mehr wie das Verlassen der Komfortzone.

Fast forward nach 2020 und schon beim Opener, "Death Angel" wird klar, dass die Wahl eines neuen Sängers kein Fehlgriff gewesen ist. Die Variabilität von Highmountain ist weitaus größer und demzufolge kommen auch 'unbequemere' Passagen locker rüber. Auch die Instrumentierung weist hier schon ganz andere Komponenten auf.

CCD / Winter In Paradise

CCD / Winter In Paradise

"Right Back At You" wechselt zwischen harten Riffs, spielerisch wirkenden gesampelten Einsprengseln und erneut orchestralen Elementen hin und her – insgesamt ein proggig angehauchtes Stück, das, wie auch schon die früheren Werke beim Debüt, durch einwandfreie Gitarrenarbeit zu überzeugen vermag. In die gleiche Kerbe haut auch das darauf folgende "Obstacles", ein flotter Wechsel zwischen melodischem Metal und deutlichen Prog-Anteilen mit dominierendem Tastenwerk und fetter Double-Bass. Der Gesang Highmountains wird durch im Wechsel gut eingeflochtene Backings um ein paar Nuancen hervorgehoben.

Mit "Narcissus"  folgt ein im Intro recht düsterer Track, der sich durch die klare und helle Stimme des Fronters aber ganz schnell selber aus der Depression herauszieht. Tempo- und Rhythmuswechsel sind ein bestimmendes Element und es klingen (leider) immer wieder Teile durch, die überdeutlich am Computer erzeugt wurden. Später überzeugt "Temple Of Mammon" mit einer eindringlichen Komposition, die sich erst im Laufe des Tracks entwickelt, dann aber mit einer nicht zu überhörenden Dramatik. Die erste Minute lässt nicht im Ansatz ahnen, was die Band da noch für uns parat haben wird. Fett!

Etwas überfrachtet anmutend kommt "Into Dystopia" daher, das passagenweise von galoppierender Double-Bass getrieben wird, aber selber nicht hinterherzukommen scheint. Für den subjektiven Geschmack zu viele Elemente aus zu vielen Ecken gleichzeitig. "Hell Is Loving You" nimmt sich da wieder ein wenig zurück, aber spätestens jetzt wird auch der taubste Hörer gewahr, dass die bereits angesprochenen Tempo- und Rhythmuswechsel zwar System haben, aber irgendwie in eine gewisse Einheitlichkeit diffundieren.

Auch "Fighter" und "Party Crasher" heben sich nicht allzu deutlich ab, insgesamt nicht schlecht, aber besonders letztgenannter Song weist einmal mehr diese elektronisch erzeugten Piepser und sonstigen Töne auf, die im Ohr des Rezensenten eine gewisse Störung verursachen. Dagegen treibt es "Black Crystal Ball" zum Glück wieder in ungeahnte Höhen. Ein knackiger Rocker mit kernigem Riff, treibender Rhythmusfraktion, woraus die neben Bass-Mann Jönsson auch immer bestehen mag, und überzeugend klarem Gesang von Fronter Highmountain.

Mit dem fast schon elegischen "Other Side Of Heaven" verabschieden sich CCD aus ihrem Zweitwerk, das in nahezu allen Belangen eine deutliche Steigerung gegenüber dem Debütalbum ausweist. Mit der Rekrutierung fehlender Musiker, die das Programming dann hoffentlich überflüssig machen würden, könnte bei einigen der Songs, live gespielt, richtig gute Stimmung aufkommen. Wer auf melodischen Metal, Classic Rock mit Prog-Komponenten steht, dem würde ein Antesten von "Winter In Paradise" nicht wehtun.


Line-up CCD:

Niklas Hult, Peter Highmountain (vocals)
Robin Vagh (guitars, keyboards, programming)
Jay Matharu (lead guitar)
Lars Granat (lead guitar)
Jan-Åke Jönsson (bass)

Tracklists:

"MindFuckNess"

  1. Ms Bad News
  2. Pyramids Of Power
  3. Since Tomorrow
  4. Door Of Pain
  5. Hallowed Be Thy Omen
  6. Worlds Collide
  7. Like Fire
  8. Voices In My Head
  9. Last To Know
  10. Fortune (Walk With Me)
  11. Falling Into Oblivion
  12. Silence In A Cry

Gesamtspielzeit: 49:33, Erscheinungsjahr: 2017

"Winter In Paradise"

  1. Death Angel
  2. Right Back At You
  3. Obstacles
  4. Narcissus
  5. Misterious Ways
  6. Temple Of Mammon
  7. Into Dystopia
  8. Hell Is Loving You
  9. Fighter
  10. Party Crasher
  11. Black Crystal Ball
  12. Other Side Of Heaven

Gesamtspielzeit: 51:33, Erscheinungsjahr: 2020

Über den Autor

Jochen von Arnim

Beiträge im Archiv
Genres: Blues, Rock, Heavy Metal

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