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Brinsley Schwarz / Live At Rockpalast 1975 – CD-Review

Brinsley Schwarz / Live At Rockpalast 1975 - CD-Review

Die britische Band Brinsley Schwarz führt uns in die Musikrichtung des Pub Rocks. Zuvor hatten vier Musiker der Band damals in den Sechzigern angesagte Popmusik gespielt, das war als Kippington Lodge, die von 1967 bis 1969 bestand und dann unter dem Namen Brinsley Schwarz weiter agierte, mit einem ersten Album aus 1970, und nach einem letzten, dem sechsten mittlerweile, löste man sich 1975 wieder auf. Quasi als Urväter der britischen Pub Rock-Bewegung hatte man jedoch gute Dienste geleistet.

So ist es schon fast als als eine gute Fügung des Schicksals zu betrachten, dass Brinsley Schwarz noch kurz vor der Auflösung ein Konzert im WDR-Studio-L in Köln veranstalteten, das war am 6.März 1975. Auf dreizehn Songs ist das mit dieser Veröffentlichung dokumentiert worden. Leider waren im Lauf der Zeit fast alle Filmaufnahmen des Sets verloren gegangen. Die Tonspuren dieses letzten Auftrittes konnten jedoch gerettet werden und wurden für diese Veröffentlichung vom damaligen WDR-Toningenieur Manfred Kaiser restauriert und von Johannes Scheibenreif in seinem Wiener Studio neu gemastert.

Ach, aber das kenne ich doch! "Country Girl", der erste Song des Konzerts, klingt in der Einleitung fast genau so wie "You Ain’t Goin' Nowhere" der Byrds, weist also bereits in eine Country-Richtung und somit weg vom Pub Rock. Doch wer die Band ein wenig kennt, wird wissen, dass sich die Musik aus recht verschiedenen Einflüssen zusammensetzte, und zum Schluss gar noch ein wenig breiter gestreut war. In diesem Zusammenhang fiel mir auf, dass nicht ein Song des Debütalbums zum Vortrag kam. Erst Album Nummer Zwei kommt zum Auftritt mit dem soeben erwähnten "Country Girl", dem Stück von Nick Lowe. "Silver Pistol" aus 1972 ist vertreten mit drei Stücken, "Please Don’t Ever Change" aus 1973 wurde ebenfalls nicht bedacht.

Dafür werden aber Coverversionen verwendet, wie "Save The Last Dance For Me" der Drifters, hier in einer sehr coolen Reggae-Version vorgetragen. Das von Alex Call (Clover) komponierte "Love Is Gone", bisher auf keinem Brinsley Schwarz-Album vorhanden, geht nahtlos in die nächste Coverversion über, und das ist skurril, denn dieses eigentlich als Weihnachtslied, "Run Rudolph Run", konzipierte Stück von Chuck Berry wird hier nun im März gespielt! Aber hier zeigt die Band ihr Rock’n’Roll-Gesicht, ganz locker geht das ab.

Mit "Private Number" erklingt eine Ballade, und schon wieder eine Coverversion, geschrieben von William Bell und Judy Clay, doch die ebenfalls erklingende Ballade "Don’t Lose Your Grip On Love" stammt wieder von Nick Lowe, der sich eigentlich als Hauptsongschreiber der Band etabliert hatte. Doch mit "Ju Ju Man" von Jim Ford/Lolly Vegas wird erneut gecovert, dieser Titel erschien dann noch einmal in Verbindung mit Lowe in der Formation Rockpile, und auch Dave Edmunds hatte diesem Song seine eigene Note verpasst. Hier wird die Nummer genutzt, um zu Beginn die Bandmitglieder einzeln vorzustellen. Das Konzert findet seinen Abschluss mit "Rockin' Chair" von Ian Gomm, im Übrigen ein Instrumentalstück.

Schade, keine Zugabe, aber zurück bleibt der Eindruck eines zufriedenstellenden Konzerts mit sehr unterhaltender Musik. Der Musiker, der sich letztlich am meisten durchsetzte hinsichtlich seines Bekanntheitsgrades, ist schließlich Nick Lowe geblieben. Alle Anderen beteiligten sich in verschiedenen Bands wie bei Graham Parker & The Rumour oder als Session-Musiker in verschiedenen Formationen.

Schließlich bleibt festzuhalten, dass mit "Live At Rockpalast 1975" ein wichtiges Dokument erhalten blieb, das die Band in ihrer stilistischen Vielfalt präsentiert.


Line-up Brinsley Schwarz:

Brinsley Schwarz (guitar, vocals)
Nick Lowe (bass, vocals)
Billy Rankin (drums)
Ian Gomm (guitar, vocals)
Bob Andrews (keyboards, vocals)

Tracklist "Live At Rockpalast 1975":

  1. Country Girl (3:24)
  2. We Can Mess Around (3:25)
  3. Save The Last Dance For Me (4:05)
  4. Range War (2:38)
  5. Love Is Gone (2:08)
  6. Run Rudolph Run (3:25)
  7. Private Number (4:30)
  8. Surrender To The Rhythm (3:49)
  9. Please Don’t Ever Change (4:13)
  10. Don’t Lose Your Grip On Love (5:10)
  11. (What’s So Funny 'Bout) Peace, Love And Understanding (3:08)
  12. Ju Ju Man (4:11)
  13. Rockin' Chair (2:38)

Gesamtspielzeit: 46:42, Erscheinungsjahr: 2025 (1975)

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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