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Fish And Scale / Elf – CD-Review

Fish And Scale / Elf – CD-Review

Schon die ersten Töne des Albums lassen erahnen, dass es tiefgründig zugeht. Der Blick ins Booklet war diesbezüglich bereits eine Art Hinweis, denn die beiden abgedruckten Songtexte ("Holy Man" und "Shine My Love [Song Of A Life] ") befeuern die Vermutung, dass der Protagonist die Lyrics nicht einfach erfunden hat, sondern, dass er damit auf sein eigenes Dasein reflektiert. Musikalisch sorgt der Folkeinschlag mit gekonnter und selbstbewusster Singer/Songwriter-Attitude für eine anständige Verstärkung dieses Eindrucks. Die schweren Klavieranschläge tun ein Übriges und bereits jetzt darf dick unterstrichen werden, wie der Protagonist seine Musik umschreibt: »Soulful Folk Music mit mystischem Einschlag«.

Getragen setzt das Klaver die Stimmung in "Holy" fort und so manches gemahnt leicht an einen Bob Dylan. Nicht stimmlich, denn genäselt wird nicht. Im Gegenteil, Roland Wälzleins Stimme, so der Name des Musikers der als Fish And Scale unterwegs ist, hat eine kräftige, ausdruckstarke und wunderbar warme, klangvolle Stimme, die gegen Ende der Nummer an Verve stark zulegt und genau die Spur Rauheit hat, die das berühmte Tüpfelchen auf der richtigen Stelle des Buchstabens platziert. Melodiös packend und mit den richtigen Akkorden gesegnet, 'redet' der Musiker mit dem "Holy Man". Ein Lied, das man bei vielen Gelegenheiten ’nutzen' kann.

Wie der Opener "Tapestry" sind auch "Holy Man", das folgende "Letter From Paulus" sowie "Song Of A Life" komplett neu. "Letter From Paulus" zeigt, wie man den Sinn eines Songtextes musikalisch so darbietet, dass kein Zweifel an diesem aufkommt: Nichts, aber rein gar nichts macht Sinn, wenn Lieblosigkeit das Zepter führt. Dass Roland Wälzleins Auftreten – und damit meine ich die musikalische Färbung, die Thematik der Texte, ja die gesamte künstlerische Aura – genau so ist, wie es ist, mag damit zusammenhängen, dass er bereits als Kind eine Erfahrung machen musste, die viele Menschen erst in reiferem Alter machen – wenn überhaupt. Und zwar eine schwere Operation mit viel Glück zu überleben. So etwas prägt und manifestiert den Fokus des Daseins auf das wirklich Wichtige. Ja eigentlich sollte man sich dessen bewusst sein, wenn man dieser Platte lauscht. Tut man das, kann man weit mehr in dieser Dreiviertelstunde Musik erleben, als nur Musik zu genießen.

Aber genießen kann man selbstverständlich auch, denn die Nackenhaare stellen sich unweigerlich auf, sobald "She Says" erklingt. Es handelt sich dabei um eine ältere Nummer, die zum Teil neu eingespielt wurde. Göttlich, die Gitarre, der gewaltig ins Rockige driftende Gesang, der dem kompletten Stück eine Größe gibt, die beachtlich ist. Irgendwie schwirrt mir "Gimme Shelter" der Stones durch den Kopf. Jesses, was für ein Hammer. "Song Of A Life" ist wieder mehr im folkigem Fahrwasser und ebenfalls eine neue Komposition. Eine weitere Facette in Rolands Gesang fällt auf, nämlich dass es klingt, als sei ein junger Mick Jagger am Micro. Unweigerlich und auch an anderen Stellen auf der Platte drängt sich dieser Vergleich immer wieder auf; mal mehr, mal weniger. Alter Schwede … oder, wer beim "Fisherman’s Blues" der Waterboys nicht an Herrn Dylan denken muss, wird nicht verstehen, was ich meine.

Apropos Fisch: Der Bandname Fish And Scale kann auf eine sehr kollagenreiche und eher selten zubereitete Fischsuppe hinweisen, oder aber ein Sinnbild dafür sein, dass eine harte Schale durchaus auch dafür da sein kann, um Zartes und Zerbrechliches zu schützen. Keine Mehrdeutungen lässt der Song "Letter From Paulus" zu, denn da ist die Basis der "1. Korintherbrief" Paulus' an die Korinther, was ich im Gegensatz zur Fischsuppe zugegebenermaßen vor diesem Review nicht wusste.

Die Stücke, die sich neben den vier neuen auf dem Tonträger befinden, stammen aus dem Album "You Can Call Me Love" (2021) und der EP "Wonderful" (2023) und mit dem "Love Song" ist da ein weiterer Hammer im Kasten, denn Herr Jagger, oder besser Herr Wälzlein ist hier im Duett mit Julia Fischer zu hören, die ihn nicht nur gesanglich adäquat begleitet, sondern an manchen Stellen genauso göttlich für die Tasten zuständig ist. Bei der Gelegenheit sei erwähnt, dass Fish And Scale ursprünglich kein Solo- sondern ein Bandprojekt war. Besagte Julia Fischer, auch als Jules bekannt und ihres Zeichens, Meisterin der Tasten sowie Singer/Songwriterin, ist immer wieder bei Roland zu hören, wie auch das Hannes Stegmaier Trio bei "Stay!" und "Wonderful".

Wieso nicht alle Lieder auf "Elf" neu sind, bzw. warum der Künstler ältere und neuere Stücke gemischt hat, kann ich mir so erklären, dass man sie thematisch vielleicht nicht trennen kann oder will. Roland geht aus gutem Grund mit seinen Worten sehr tief und intensiv in sein Inneres und lässt den Hörer nicht nur daran teilhaben, sondern gibt ihm durch diese Auswahl auch eine Art Beipackzettel für das Eintauchen in eine Welt, die aus weit mehr besteht als aus Noten, Riffs und anderen musikalischen Spannungsbögen. Wälzlein nutzt und beherrscht die Symbiose aus eben solchen Spannungsbögen und packenden Lyrics.

Eine Nummer wie "You Can Call Me Love" zeigt eine weitere Facette aus Rolands Œuvre, dass nämlich Tiefgang nicht auf rhythmische und fingerschnippende Tunes verzichten muss. Und dass das Ganze wie eine leichtes Techtelmechtel zwischen Neil Young und Simon & Garfunkel wirkt, ist ein weiteres Plus. Wie auch die sich fast ins Aggressive steigernden Stimmbänder in "The Kid", was in Verbindung mit dem recht dissonant wirkenden Klavier äußerst spannend wirkt, und somit für eine feine Dramaturgie sorgt.

"Elf" ist ein starkes Album eines starken Musikers und ich danke dem Freund, der mir Roland Wälzlein aka Fish And Scale vorgestellt hat, weil er meinte, dass dieses Album gehört werden sollte Danke Win Kowa, du hast absolut Recht!


Tracklist "Elf":

  1. Tapestry
  2. Holy Man
  3. Letter From Paulus
  4. She Says
  5. Song Of A Life
  6. Love Song
  7. You Can Call Me Love
  8. Unmask Myself
  9. Stay!
  10. The Kid
  11. Wonderful

Gesamtspielzeit: 42:02, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
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Mail: ulli(at)rocktimes.de

1 Kommentar

  1. Roland

    Hallo lieber Ulli,
    was für ein super schönes CD – Review 🙂
    Vielen lieben Dank Dir und Grüße an Win
    Roland aka FishAndScale

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