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Kaiser Chiefs / Employment 20 – 3CD-Review

Kaiser Chiefs Employment 20

Am 7. Juli 2005 schloss ich im Berliner Olympiastadion Bekanntschaft mit der britischen Rockband Kaiser Chiefs, deren Name mir bis dato unbekannt war. Neben Snow Patrol traten sie im Vorprogramm von U2 auf deren "Vertigo"-Tour auf. Ein Eintrag im Internet verrät mir, dass die Briten auf jener Tour außerdem am 6. Juli 2005 in Edinburgh und am 9. Juli 2005 in Paris auftraten. Im Wikipedia-Eintrag zu Kaiser Chiefs gibt es nur einen Hinweis auf gemeinsame Auftritte mit U2 im Jahr 2009. Unter dem Gastspiel in Berlin gibt es keine Erwähnung. Mutet dies schon ein wenig seltsam an, weil es sich fast schon um eine Sensation handelte, so ist es vor allem erstaunlich, dass Kaiser Chiefs 2005 gerade erst einmal zwei Jahre als Band existierten. Ein früher Ritterschlag also, dem die Briten in Berlin eine energiegeladene und unbekümmerte Show folgen ließen.

Der Sound war mit keiner bekannten Vorlage zu vergleichen. Es klang nach einem neuen Muster. Die Lieder gingen beim ersten Mal Hören sofort ins Ohr. Ihre frische Art zu musizieren, habe ich praktisch noch heute in bester Erinnerung, wenngleich diese Begegnung 20 Jahre zurückliegt. Es gibt Konzerte, die vergisst man nicht, zumal ich nicht vergessen kann, dass mich U2 damals enttäuschten, weil sie der großen Erwartungshaltung aus meiner Sicht nicht gerecht wurden und ihr Frontman Bono einmal mehr in den Pausen zwischen den Liedern redete und redete.

Kaiser Chiefs Debütalbum "Employment" war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal vier Monate alt. Es war im März 2005 erschienen. Es ist mir nicht bekannt, auf welche Weise sich die Weg der Erfolgsband U2 und der britischen Newcomer zuvor kreuzen sollten. Das Kaiser Chiefs-Debüt wurde 2025 neu aufgelegt, wobei die seit Beginn zuständige Plattenfirma Universal Music das 3 CD-Set um 40 Tracks erweitert hat. Zu den Beigaben gehören unveröffentlichte Demo-Aufnahmen, Remixe, Radio-Sessions und eine Auswahl an Live-Songs. Wobei für mich fraglich ist, welchen Mehrwert die in Dauerschleife bei Konzerten aufgenommenen Mitschnitte tatsächlich bringen, die uns alle im dritten Teil begegnen. Außer Wiederholungen hören wir nichts Neues. Zumal das schon stark auf die zweite der drei Scheiben zutrifft. Allerdings ist das ein anderes Thema. Es sollte also bei der Betrachtung ausschließlich um das Debüt von 2005 gehen.

Das Originalalbum wurde aus aktuellem Anlass in den Abbey Road Studios neu gemastert. Die drei CDs klingen nach einer Zäsur. Verschiedene Höreindrücke, mal ein wenig mehr Pop, mal verstärkt Rock. Dabei fällt die stilistische Breite auf. Mir fallen sofort die Beatles ein, weil deren Schaffen ebenfalls von einer starken Unbekümmertheit geprägt war. Kaiser Chiefs als Beatles neuer Prägung 40 Jahre später? Zugegeben, es mag vielleicht ein gewagter Vergleich sein, aber vielleicht hatten U2 gerade deshalb die Musikerkollegen auserkoren, Konzerte ihrer 2005er Tour zu unterstützen. Tatsächlich werden The Beatles in einem Atemzug mit den Beach Boys, den Kinks, Blur, Eric Burdon, The Jam und mehreren New-Wave-Bands als Vorbilder genannt.

Kaiser Chiefs tragen die Gene der typischen britischen Musik. Das leben sie und das spielen sie in vollem Umfang aus. Hörbeispiele aus dem Debütalbum sind "Modern Way", "You Can Have It All" und "Na Na Na Na Naa", wobei sich keiner der insgesamt 13 Titel als Empfehlung ausschließen lässt. Mit "You Can Have It All" gibt es eine etwas ruhigere Nummer, die der Band aber ebenfalls gut zu Gesicht steht. Insofern gilt "Employment 20" insgesamt als Empfehlung. Teil 2 der 3er Kollektion ergänzt das Debütalbum nur teilweise, während die dritte CD, wie eingangs schon erwähnt, gar keine neuen Erkenntnisse beim Hören vermitteln kann. "Employment 20" enthält ein ansprechend gestaltetes Booklet mit nostalgischer Note. Darin nachzulesen sind die Lyrics aller 13 Lieder des Debüts. Das großformatige Foto des Quintetts erinnert ebenfalls sehr an die Beatles. Britischer Rock, der Spaß macht, gut unterhält und der uns eingängige Melodien beschert.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass es bei den Kaiser Chiefs kaum Fluktuation seit der Bandgründung gab. Lediglich Gründungsmitglied und Schlagzeuger Nick Hodgson schied 2012 aus. Für ihn kam ein Jahr später Vijay Mistry.


Line-up Kaiser Chiefs:

Ricky Wilson (vocals, percussion)
Andrew White (guitars)
Simon Rix (bass)
Nick Baines (keyboards)
Vijay Mistry (drums, since 2013)

Tracklist "Employment 20".

CD1

  1. Everyday I Love You Less And Less
  2. I Predict A Riot
  3. Modern Way
  4. Na Na Na Na Naa
  5. You Can Have It All
  6. Oh My God
  7. Born To Be A Dancer
  8. Saturday Night
  9. What Did I Ever Give You?
  10. Time Honoured Tradition
  11. Caroline, Yes
  12. Team Mate
  13. Take My Temperature

CD 2:

  1. Wrecking Ball
  2. Brightest Star
  3. Not Surprised
  4. Think About You And I Like You
  5. Hard Times Send Me
  6. Sink That Ship
  7. Less Is More
  8. The Letter Song
  9. Seventeen Cups
  10. It Ain’t Easy (Demo)
  11. Run Again
  12. People Need Light
  13. Moon
  14. Another Number
  15. I Heard It Through The Grapevine
  16. Modern Way (Rhythms Del Mundo Version)
  17. You Can Have It All (Light Orchestral)
  18. Oh My God (Demo)
  19. Born To Be A Dancer (Demo)
  20. Caroline Yes (Demo)
  21. I Predict A Riot (Demo)
  22. Modern Way (Demo)
  23. Saturday Night (Demo)

CD 3:

  1. Everyday I Love You Less And Less (Spike Stent Remix)
  2. I Predict A Riot (Spike Stent Remix)
  3. Na Na Na Na Naa (Polysics Remix)
  4. Everyday I Love You Less And Less (Boyz Noize Remix)
  5. I Predict A Riot (Big Nurse Remix)
  6. Sink That Ship (BBC Radio 2 Session for Mark Radcliffe 17/10/2005)
  7. Modern Way (BBC Radio 2 Session for Mark Radcliffe 17/10/2005)
  8. Oh My God (Acoustic) (Live Metro Theatre, Sydney 29/11/2005)
  9. Everyday I Love You Less And Less (Live Mod Club, Toronto 29/05/2005
  10. Hard Times Send Me (Live Birmingham Academy, 24/01/2005
  11. Saturday Night (Live Joseph’s Well, Leeds 28/09/2003)
  12. Born To Be A Dancer (Live Cockpit, Leeds 13/12/2004
  13. Na Na Na Na Naa (Live Glastonbury, 25/06/2005
  14. You Can Have It All (Live Fillmore, San Francisco 25/07/2005)
  15. Time Honoured Tradition (Live Metro Theatre, Sydney 29/11/2005)
  16. Caroline, Yes (Live Metro Theatre, Sydney 29/11/2005)
  17. I Predict A Riot (Live V Festival, Hylands Park, Chelmsford 20/08/2005)
  18. Take My Temperature (Live Leeds Town Hall 11/05)
  19. Oh My God (Live Metro Theatre, Sydney 29/11/2005

Gesamtspielzeit: 46:56 (CD 1), 76:59 (CD 2), 76:39 (CD 3), Erscheinungsjahr: 2025 (2005)

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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