Fällt der Begriff Balkan, so werden alte und gute Erinnerungen bei mir abgerufen. Erst einmal kommt May-Literatur in den Fokus, gefolgt von dalmatinischer Küche eines Restaurants in meiner Heimatstadt. Alte Erinnerungen sind das – aus dem vergangenen Jahrtausend, um genau zu sein. Fast noch frisch dagegen, weil erst etwa zwanzig Jahre her, sind die Eindrücke, die ich als Gast auf einer original bosnischen Hochzeit gewonnen hatte.
Kulinarik, Gastfreundlichkeit und natürlich auch das Kulturelle waren vom Feinsten und von daher bin ich stets gespannt, wenn der Begriff Balkan in Ankündigungen zu neuen CDs fällt.
Dabei ist die Band Malaka Hotel nicht in Osteruropa, sondern im Breisgau beheimatet. Weiterhin sind balkanische Tunes nur ein Teil des musikalischen Konzepts. Durch das Instrumentarium sowie einer im Polka-Stil abgehenden Post, geht es äußerst quirlig durch die zehn Nummern. Das heißt, durch fast alle Nummern, denn "What We Are Fighting For" kommt erst einmal relativ melancholisch daher, hat aber im Verlauf durch u.a. Susaphon und Bouzuki wieder diese folkloristische Ausrichtung gen Osten.
Neben dem Balkan finden sich orientalische, karibische und auch süddeutsche Liedermacher-Momente auf "Brucca Beat". Ein Albumname, so informiert der Promoter, der neben dem Wort Beat das altdeutsche Wort für Brücken, Brucca, beinhaltet und für mehrsprachiges Songwriting, dem musikalischen Brückenbau zwischen verschiedenen Kulturen und auch modern produzierten und rockigen Sound stehen soll.
Und da ist für mich das kleine Manko der Scheibe, denn diese moderne Interpretation stört manchmal das Mitschwimmen in der traditionellen Folklore. Ich werde da aber sicher auf einsamem Posten stehen, denn eigentlich ist Malaka Hostel mit diesem Konzept äußerst erfolgreich, was Hunderte Auftritte wie zum Beispiel auch auf dem Fusion-Festival, auf der Burg Herzberg, dem Bardentreffen oder gar dem Earth Garden Festival auf Malta, einem der größten europäischen World Musik Festivals, belegen.
Mal schauen, wie sich das neue Bandmitglied Daniel Di Marzo in das Line-up einbringt. Auf "Brucca Beat" jedenfalls sind seine Trompeten, Posaunen- und Susaphon-Einsätze äußerst stimmig. Wie auch der stimmliche Gastbeitrag der Argentinierin Daniela Stancheff im auf Spanisch gesungenen "Sé Tú". Die in deutscher Sprache dargebotenen Lieder sind thematisch auf unaufdringliche Weise dem aktuellen Zustand der Gesellschaft nahe, weisen auf der anderen Seite musikalisch auch 'aushäusig' folkloristische Spielweisen auf, sodass ich persönlich, wie gesagt, da etwas strauchle. Aber sobald das Wetter wieder passt, die Holzkohle glüht und Knoblauch, Paprika und leckeres Fleisch auf dem Rost liegt und Flaschen mit dem Saft der Teran Trauben im Spiel ist, wird dieses Album musikalischer Begleiter sein.
Line-up Malaka Hostel:
Holger Guirisberger (harmonica, electric guitar – #1)
Grischa Kursawe (drums & percussion, backing vocals)
Daniel Di Marzo (trumpet, trombone, sousaphone, vocals)
Werner Wilz (bass, guitar, backing vocals)
Viktor Myron Wagner (lead vocals, lead guitar, bouzouki)
Gäste:
Elena Jacoby (violin – #3)
Joshua Castillo (flugelhorn & trumpet -#5)
Daniela Stancheff voice (- #6)
Florian Combasch (saxophone – #5)
Tatán González (pandeiro – #10)
Milena Milu (choral parts -#4)
Tracklist "Brucca Beat":
- The Light In Your Reyes
- Glashaus
- Vogelfrei
- Soulfly
- Haifisch und Hoffnung
- Sé Tú
- Brucca Beat Orchestra
- Schachmatt
- Santa Muerte
- What We Are Fighting For
Gesamtspielzeit: 41:59, Erscheinungsjahr: 2026



Neueste Kommentare