Solange es den ARD-"Tatort" Sonntagsabends um 20:15 Uhr weiterhin geben wird, bleibt Klaus Doldinger unsterblich. Doch leider verstarb der am 12.Mai 1936 in Berlin geborene Musiker und Komponist am 16.Oktober 2025 im Alter von 89 Jahren.
Ja, viele werden ihn halt mit der Krimiserie in Verbindung bringen, auch solche Musikliebhaber, die sich nicht unbedingt dem Jazz zugeneigt fühlen mögen. So sieht man im Vorspann der Serie zunächst die Augen des ehemaligen Schauspielers Horst Lettenmayer, bevor man seine Beine davonrennen sieht, und dazu hört man dann diese mittlerweile nicht mehr wegzudenkende Musik, diese von Klaus Doldinger komponierte Titelmusik in der Originalaufnahme von 1970. Im Übrigen trommelte Udo Lindenberg damals in der Band.
Doch bei der Tatort-Titelmusik blieb es nicht, denn Doldinger zeigte sich verantwortlich für weitere Serien und Filme, so die Filmmusik zu "Das Boot", "Die unendliche Geschichte" und zu den Serien "Liebling Kreuzberg" und "Ein Fall für Zwei".
Mit Musik kam Doldinger spätestens 1947 mit dem Besuch des Robert-Schumann-Konservatoriums in Düsseldorf in Berührung, Piano und Klarinette waren die Studienschwerpunkte. Erste Auftritte erfolgten mit verschiedenen Formationen, das war ab 1953 Dixieland mit The Feetwarmers, 1955 mit einer eigenen Band, Oscar’s Trio (im Übrigen eine Widmung an das Vorbild Oscar Peterson). Gleichzeitig eignete er sich Wissen in Tontechnik an und studierte auch Musikwissenschaften. 1960 erfolgte der erste Kontakt in die USA, rasch fand er Zugang zur damaligen Ausrichtung des Modern Jazz. Hierbei hatte er Gelegenheit, mit zahlreichen Größen des Genres zusammenzuspielen, wie Johnny Griffin, Idrees Sulieman, Donald Byrd oder Benny Bailey.
Dieses führte schließlich dazu, dass der Musiker 1962 das Klaus Doldinger Quartett ins Leben rief, mit dem Ergebnis, dass ein Jahr später die erste Schallplatte erschien, "Doldinger – Jazz Made In Germany", mit der Ausrichtung zum Bebop. Weitere Veröffentlichungen folgten, mit diversen Wechseln in der Besetzung, unter anderem war als besonders prominentes Mitglied auch der ungarische Gitarrist Attila Zoller dabei.
Doch der große Durchbruch sollte später erfolgen durch solche Formationen wie Motherhood oder ganz besonders Passport! Auch unter dem Pseudonym Paul Nero arbeitete Doldinger eine kurze Zeit. Hier widmete er sich nebenbei eher kommerziell geprägter Musik, wie zum Beispiel Tanzmusik.
Ja, 'Stichwort Passport' – und damit sind wir schon beim eingangs erwähnten Tatort und der Erweiterung, oder auch Abkehr, vom reinen Jazz. Denn Jazz Rock oder Fusion wurden nun zum wesentlichen Inhalt der Musik. Und das stellte sich dann auf etwa dreißig Alben dar, auf denen sich der Musiker auch anderen Genres öffnete, wie etwa der Weltmusik mit Alben wie "Iguaçu", "Ataraxia", "Passport To Marocco" oder "Back To Brazil". Dem Blues verschrieb er sich ein wenig mit "Blues Roots". Dabei halfen ihm von Beginn an zahlreiche hervorragende und international renommierte Musiker wie Volker Kriegel, Philip Catherine, Curt Cress, Johnny Griffin, Brian Auger, Pete York, Alphonse Mouzon sowie der eingangs erwähnte Lindenberg, der damals gemeinsam mit Lothar Meid (Bass) die Rhythm Section bildete.
Also auch wer nicht unbedingt Jazzfan ist, dürfte häufig auf die eine oder andere Weise mit dem Protagonisten in Berührung gekommen sein. Ich erinnere mich noch an den 'großen Renner', das 1973 eingespielte "Doldinger Jubilee Concert", es lief recht häufig in vielen Kneipen und diversen Veranstaltungsorten. Ich denke, dieses Album hat Doldingers Bekanntheitsgrad enorm gesteigert. Hört man sich das Stück "Hand Made" an, dann bemerkt man, dass er live auch durchaus ein wenig freier auf dem Saxofon spielen konnte. Stilistisch kann man ihn schlecht an einem möglichen Vorbild festmachen; offensichtlich nahm er verschiedene Stile bekannter Kollegen auf und schuf einen eigenen, recht unverwechselbaren Sound, so sollte man ihn rasch erkennen! Ansonsten spielte er sich oft nicht unbedingt in den Vordergrund, sondern überließ auch den übrigen Solisten reichlich Freiraum zur Gestaltung seiner Kompositionen. Selbst hatte ich die Gelegenheit, ihn mit seiner Band am 26.Juni 2011 zu erleben. .
Mit Klaus Doldinger ist eine wichtige Persönlichkeit in der deutschen Musikgeschichte von uns gegangen, ein Musiker, der genreübergreifend viele unterschiedliche Musikliebhaber zusammenbrachte.
R.I.P. Klaus




2 Kommentare
Mario
21. Oktober 2025 um 20:49 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Ein angemessener Nachruf, informativ und gut geschrieben. Auch wenn man den Künstler, so wie ich, nicht live erlebt hat, so verbinden sich mit dem Namen Klaus Doldinger vielfältige musikalische Hörerlebnisse. Ich freue mich, dass wir diesen Beitrag den Lesern von RockTimes präsentieren können. Die Zeilen halten sein Wirken lebendig und ehren Klaus Doldinger zugleich.
Manni
21. Oktober 2025 um 8:08 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Klaus Doldinger bleibt auch nach seinem Tod eine Anlaufstelle für mich. Fast immer, wenn ich vieler Musik überdrüssig war oder bin, ein Griff zu einer seiner zahlreichen Platten löst das Problem. Das wird so bleiben. Ich hatte das Glück, Klaus mit seiner Band Passport zweimal zu erleben: Eimmal 1972 am deutschen Eck in Koblenz beim 3. deutschen Pop-Festival und 1973 in der Frankfurter Festhalle beim German Rock Super Concert. Beide Festivals waren mit fast ausschließlich deutschen Bands/Interpreten besetzt. Das ist immer noch bemerkenswert…
So long, Klaus!