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Phil Campbell And The Bastard Sons / Konzertbericht, 01.12.2025, Lido, Berlin

Phil Campbell And The Bastard Sons / Konzertbericht, 01.12.2025, Lido, Berlin

Kleiner Club ganz groß! Das sind knapp 600 Plätze, am ersten Abend locker ausverkauft, bei der Zusatzshow am Tag darauf ist die Stimmung sogar noch ein wenig besser und das Publikum lauter, glaubte fest Sänger Julian Jenkins, wenngleich beim Nachschlag ein paar Karten übrig geblieben waren. Das störte die Besucher weniger, denn sie wollten feiern – eine Legende. "Celebrate 50 Years Of Motörhead" heißt es am 30. November und 1. Dezember 2025 im Lido, einem Club im Berliner Stadtbezirk Kreuzberg, nur wenige Gehminuten vom U-Bahnhof Schlesisches Tor entfernt.
Phil Campbell And The Bastard Sons gaben sich die Ehre. Das sind neben dem Gitarristen Phil Campbell dessen Söhne Todd Campbell (Gitarre), Tyla Campbell (Bass) und Dane Campbell (Schlagzeug). Neu im Bunde dieser Formation ist Julian Jenkins, der optisch und vor allem gesanglich die Position von Lemmy Kilmister gut ausfüllte und mit seiner lockeren Moderation überzeugte. Man sagt ihm in Fankreisen nach, dass er damit um einige Längen dem Vorgänger Joel Peters (Sänger von 2021-2025) voraus war, der sein Programm mehr oder weniger nur abspulte, wie es heißt. Das kam Jenkins gar nicht in den Sinn, er kommunizierte frei weg mit seinem Publikum. Wenngleich der Name der Band Phil Campbell And The Bastard Sons das Metal-Klischee bedient, so präsentierte sich das Quintett auf der Bühne als lebendige Einheit. Sie spielten wie losgelassen, hatten nur ein Ziel: Die Hörer begeistern, was ihnen ohne Abstriche von Beginn an gelang.

Philip Anthony 'Wizzö' Campbell

Philip Anthony 'Wizzö' Campbell

Aus der Perspektive der Besucher nahm der Leader Phil Campbell seine Position auf der der linken Seite der Bühne ein. Dort stand er nahezu angewurzelt, schloss beim Spiel seiner Gitarre zumeist die Augen und war allein durch seine Anwesenheit ein Garant für ein denkwürdiges Livespektakel. Der Gitarrist, bürgerlich Philip Anthony 'Wizzö' Campbell, wirkte fast ein wenig schüchtern, was allerdings nicht zum heute 64-Jährigen passt, der an der Seite von Frontmann Lemmy Kilmister bei Motörhead immer einen tragenden Part hatte.

Es war allein seine Präsenz, die dem Abend einen solchen Glanz bescherte. Bestreiten Phil Campbell And The Bastard Sons gewöhnlich die Hälfte ihres Programmes mit eigenen Kompositionen, so bestand das Set diesmal ausschließlich aus Motörhead-Titeln. Lemmy Kilmister, der vor zehn Jahren starb, zu Ehren und ganz im Sinne jener Band, die 1975 das Licht der Welt erblickte. Als Lemmy 2015 die Augen für immer schloss, war an einen Fortbestand der von ihm gegründeten Gruppe natürlich nicht zu denken. So sollte es kommen. Zu einem besseren Zeitpunkt hätte die Show Ende 2025 gar nicht stattfinden können. Es war kein Tribute-Konzert, dennoch spürte man die DNA von Motörhead mit jedem Takt. Es war wie ein Geschenk. Die Einheit zwischen dem früheren Motörhead-Protagonisten und seinen Söhnen war ein Gedicht. Sehr erfreulich, wie sich Sänger Julian Jenkins auf eine unaufdringliche, aber dennoch präsente Weise einbrachte. An der Seite ihres Vaters sind die Campbell-Söhne gereift und interpretierten die Motörhead-Klassiker, als hätten sie in ihrem Leben nichts Anderes gemacht.

Phil Campbell im Berliner Lido

Phil Campbell im Berliner Lido

Aus den 22 Studioalben der Band erklangen Werke, die fast schon wie Monumente wirken, darunter in der Reihenfolge ihres Auftrittes die drei ersten Stücke "Iron Fist", "Damage Case" und "Going To Brazil". Es schmetterte, es bretterte – Lemmy zum Besten, Lemmy zur höchsten Ehre. Es setzte sich fort über Titel wie "Bomber", "Motörhead" aus dem gleichnamigen Debütalbum von1977 bis hin zu für vergessen geglaubte Perlen wie "Killed By Death". Die Hommage gipfelte darin, dass mit "Iron Fist" als erstem Lied und "Overkill" als Schlusspunkt die Dramaturgie in diesem Punkt bis ins Detail der Regie eines Motörhead-Konzertes glich. Gefeiert werden durfte bei "Ace Of Spades", dem Titelsong des gleichnamigen Albums von 1980, das als wohl bestes Werk von Motörhead in die Musikgeschichte eingehen sollte.

Setliste

Setliste

Die Fans in Berlin erlebten somit ihre ganz spezielle 1980er und 1990er-Jahre-Party. In erster Linie war es eine Motörhead-Party im Gedenken an den unvergessenen Lemmy Kilmister (1945 – 2015). Das Zwei-Generationen-Spektakel, bei dem sich Musiker und Familienmitglieder auf Augenhöhe begegneten, machte diesen Abend so unvergessen und einmalig.

Bei der Interpretation von David Bowies "Heroes" liefen die Akteure noch einmal zu Hochform auf. Den Coversong hatten Motörhead während der Aufnahmen für das Album "Bad Magic" im Jahr 2015 eingespielt. Erst 2017 erschien er auf dem Kompilationsalbum "Under Cöver". Dieses Album enthält ausschließlich Coverversionen bekannter Stücke aus dem Rock- und Metal-Genre. Es war also ein besonderes Gedenken an Bowie und Lemmy Kilmister, jene Musiker, die innerhalb weniger Wochen im Jahr 2015 und 2016 starben. Im Lido wurde das Lied zu einer würdigen Hommage.

Airstrike-Gitarrist Michi Loewe

Airstrike-Gitarrist Michi Loewe

Ganz im Sinne der Legende Motörhead traten die Musiker von Airstrike vor ihr Publikum. Die Mannen aus Hessen spielten einen Mix, bestehend aus Einflüssen von Motörhead, AC/DC, ZZ Top bis hin zu Led Zeppelin. Sie waren ein guter Opener für den Hauptact des Abends und ließen keine Wünsche offen. »Von Nordhessen in die Welt, mit maximaler Lautstärke und null Kompromissen«, lautet deren eigenes Motto, nachzulesen auf der Homepage von Airstrike. Ihre sprichwörtlliche Spielfreude wird in den folgenden Worten treffend beschrieben: »Harte Riffs treffen auf große Melodien, während Frontmann Julio jede Bühne zum Beben bringt. Inspiriert von den Legenden, aber mit ganz eigener Handschrift, mischt die Band klassischen Rock mit modernen Einflüssen. Mal roh und ungestüm, mal gefühlvoll und tiefgehend – aber immer mitreißend.«

Es war ohne Zweifel eín mitreißender, kurzweiliger Konzertabend vor einem musikhistorischen Hintergrund, den man hier nicht kleinreden muss.

Fotos: © 2025 | Mario Keim | RockTimes


Line-up Airstrike:

Julio (vocals)
Michi Loewe (guitar, vocals)
Flo Finger (bass, vocals)
Johnny Glitsch (drums)

Line-up Phil Campbell And The Bastard Sons:

Phil Campbell (guitar, backing vocals)
Todd Campbell (guitar, backing vocals)
Tyla Campbell (bass, backing vocals)
Dane Campbell (drums)
Julian Jenkins (vocals)

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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