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Telergy / Black Swallow – CD-Review

Telergy - "Black Swallow" - CD-Review

Telergy ist keine Supergroup, obwohl da so einige bekannte Namen mit im Spiel sind. Telergy ist auch keine Band … ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so genau, was Telergy nun eigentlich genau ist, vermute aber mal, dass es sich dabei um einen Versuch handelt, so viele Musiker wie möglich auf ein Album zu quetschen (die dann jeweils zwei Takte spielen dürfen), um möglicherweise ins Guinness-Buch der Weltrekorde zu kommen. Oder sind hier alle Musiker aufgeführt, die jemals auf einer Telergy-Platte waren? Aber Spaß beiseite, selbst wenn sich mir der Sinn dieser Idee nicht wirklich erschließt. Auch dann nicht, wenn – wie das Projekt verkündet – die Erlöse aller Albumverkäufe (das mir vorliegende ist wohl nicht das erste, sondern bereits vierte) für wohltätige Zwecke gespendet werden. Aber sei´s drum, hier soll es schließlich um die Musik gehen, wer will und soviel Zeit hat, kann sich ja das Line-up der Musiker ganz in Ruhe zu Gemüte führen.

"Black Swallow" ist jedenfalls wieder ein Konzeptalbum geworden, das sich dieses Mal mit Eugene Bullard, dem ersten afroamerikanischen Kampfflieger im 1. Weltkrieg, befasst. 1895 im US-Bundesstaat Georgia geboren, musste er in früher Kindheit mit ansehen, wie sein Vater vom Ku Klux Klan gelyncht wurde, ging mit elf Jahren von zuhause weg, es verschlug ihn erst nach Schottland, dann nach Frankreich und schließlich wieder zurück in die USA, wo er 1961 verstarb. Legendär ist die Beschriftung der Maschine des mit vielen Orden ausgestatteten Bullard – mit großen Buchstaben stand auf dem Flieger neben einem blutenden Herzen zu lesen »All Blood Runs Red«, was nichts anderes als ein früher wütender Protest gegen Rassismus war. Sein letzter Job war übrigens das Bedienen eines Fahrstuhls (Knöpfchen drücken) im Rockefeller Center in New York City. Soviel zu ehemaligen Kriegshelden und was aus ihnen geworden ist …

Überraschenderweise beginnt das Album sehr bluesig mit Akustikgitarre und Harmonika (auf den Geburtsort Bullards hinweisend), bevor dann nach etwa zweieinhalb Minuten eine fett verzerrte Gitarre, Keyboards und der Rest der Band hinzu kommen. Nach langem Prog-Einschub kehren die Musiker nach etwa zehn Minuten wieder zum Blues zurück. Zwischen den Tracks gibt es immer Spoken Word-Passagen, um die Geschichte verständlicher zu machen bzw. den roten Faden nicht abreißen zu lassen. Die Songs wirken oft bombastisch und verfügen über lange instrumentale Passagen. Dass hier hohe Qualität abgeliefert wird, dafür stehen bereits die Namen der beteiligten Musiker. Federführend sind sowohl die Gitarre, als auch die Keyboards und die Musik mäandert stets zwischen Prog Rock und Prog Metal.

Aber auch die Geigen werden mal ausgepackt. Alles super gemacht, wenn auch nicht frei von Pathos und Bombast. Ebenso ist erstaunlich wenig Gesang vertreten, weshalb die gesprochenen Zwischenstücke natürlich noch wichtiger sind. Sozusagen haben wir es hier mit einem kompletten Film zu tun, der für 71 Minuten vor dem geistigen Auge des Hörers abläuft. Es wird sehr viel Abwechslung geboten und die Instrumentierung bzw. Auswahl des Stils der jeweilig beschriebenen Situation im Leben Eugene Bullards angepasst. Großes Kino.


Line-up Telergy:

David Ragsdale
Thomas Gimbel
Oliver Wakeman
Durga McBroom
Lorelei McBroom
Scott Page
Tony Levin
Pete Trewavas
Mike LePond
Gary Wehrkamp
Timo Somers
Stephan Lill
Magic Dick
Bryan Hicks
Dustin Brayley
Tony Dickinson
Anna Phoebe
Valerie Vigoda
Angus Clark
Lara Smiles
Emily Lynn
Steve Di Giorgio
Martyna Halas-Yates
Emmanuel De Saint Meen
Phil Keaggy
Michael Manring

Troy Donockley
Oliver Palotai
Oliver Holzwarth
Dee Snider
Corey Glover
Vernon Reid
Parker Lundgren
Ty Tabor
Joel Hoekstra
Chris Caffery
Colin Edwin
Ryo Okumoto
Dave Meros
Nik Turner
Joe Cairney
Trent Gardner
Mac Ritchey
Blake Carpenter
Andy LaRocque
Jimi Bell
Rachel Flowers
Jeremy Heussi
Vikram Shankar
Tina Guo
Angeliki Theoharis
Mattan Klein
and many more…

Tracklist "Black Swallow":

  1. Georgia
  2. Scene 1
  3. Chased, Pt. 1
  4. Scene 2
  5. Infantry
  6. Scene 3
  7. Take To The Sky
  8. Scene 4
  9. Marcelle
  10. Scene 5
  11. Le Grand Duc
  12. Scene 6
  13. Spy
  14. Scene 7
  15. All Blood Runs Red
  16. Scene 8
  17. Chased, Pt. 2
  18. Scene 9
  19. Honor

Gesamtspielzeit: 71:01, Erscheinungsjahr: 2020

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
Meine Beiträge im RockTimes-Archiv
News
Meine Konzerberichte im Team mit Sabine
Mail: markus(at)rocktimes.de

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