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Zack Keim / Battery Lane – CD-Review

Zack Keim / Battery Lane – CD-Review

Der Gesang, bzw. die Stimme, die gleich zu Beginn des Albums aus den Speakern tönt, ist erst einmal gewöhnungsbedürftig. Nicht weil sie schlecht ist, sondern eher, weil mich die höhere Frequenzlage unvorbereitet erwischt und ich erst an einen Sänger dachte, der den Stimmbruch noch vor sich hat. Allerdings schwindet dieser Eindruck spätestens beim nächsten Track "Better Days", denn im Gegensatz zum Opener "Canyon" schwingen die Stimmbänder nun 'fester'. Irgendwie kling das etwa wie Billy Joe Royal. Stimmlich, wie auch zeitlich und nun weiß ich, wieso mich Zack Keim anfangs aufhorchen lies: Es war weniger die Stimme, sondern die Reminiszenz an Musik aus den Sechzigern.

Zack Keim stammt aus Pittsburgh, Pennsylvania, firmiert stilistisch unter Singer/Songwriter, wobei man da länger ausholen muss. Seine musikalische Vergangenheit und Vorlieben zeigen auf Garage und Indie Rock. Seine ersten musikalischen Gehversuche begannen im Alter von dreizehn Jahren an der Gitarre. Er coverte Songs der Strokes, auch die Pittsburgher 1,2,3 übten Einfluss auf ihn aus. Später, 2017, kam sein erstes Album mit dem passenden Namen "First Step" heraus und der Protagonist sagt zu seinem Debüt, dass da sicher einiges an Inspirationen von Musikern enthalten ist, die er viel gehört hat. Es fallen Name wie Boby Dylan, Woody Guthrie und Nick Drake.

Und dieser Einschlag ist meiner Meinung nach immer noch in seinen Kompositionen versteckt. Ein Folk-Einschlag, der eine saustarke Symbiose mit äußerst anspruchsvollem Pop eingeht. Im weiteren Verlauf poppen die Beach Boys in meinen Gedanken auf und hey, "Canyon" gewinnt im weiteren Verlauf extrem an Boden. Diese quirlige Nummer rotiert nun fast in Dauerschleife und plötzlich horchte meine Mithörerin auf und meinte dann, dass Stimme, Tempo und überhaupt das Ganze, hauptsächlich des Falsettes wegen, auch schon etwas in die Ecke Canned Heat weisen.

Keim war eigentlich auf einem guten Weg, als Corona kam und seine Westküstentour verhinderte. Das gleiche passierte auch mit der geplanten und ersten Europatour. Hinzu kam die Trennung von seiner Freundin. Er hatte Schulden durch die abgesagten Tourneen, lieferte Fast Food aus und spielte auch schon mal für ein paar Münzen in Bahnhöfen. Aber wie das im Leben öfter passiert, können schlechte Zeiten einen wachsen lassen. Keim jedenfalls begann Klavierunterricht zu nehmen, spielte dann Orgel, Synthesizer und Keyboard, baute sich zu Hause ein Heimstudio und irgendwann wurden die richtigen Leute auf seine Songs, die er in soziale Medien hochlud, aufmerksam.

Auf "Battery Lane" beackert der Protagonist viele Äcker, auf denen die verschiedensten Gewächse zu finden sind. Bietet "25 Years" pochenden Rock mit etwas Roll, so kommen "Incredible" und vor allem "Comet" balladesk um die Ecke. Durch die Stimmungen der Balladen ist spürbar, dass Zacks Texte schon auch sein Leben beleuchten. "Alice" hingegen quilt äußerst perlend aus den Lautsprechern. Ein kleiner Chor bzw. mehrstimmiger Backgroundgesang verleiht dem Stück einen lebendigen Anstrich. Auch eine Slidegitarre ist zu vernehmen, allerdings geben weder CD-Hülle noch die beigefügte Promoterinfo Aufschluss darüber, wer neben Zack Keim am Album "Battery Lane" am Instrumentarium und Mikrofon mitwirkt.

Man darf der Platte eine gehörige Portion Retro-Feeling attestieren, welches mit "Wash Away The Pain" einen psychedelischen Höhepunkt findet. Durchzogen von einer angenehmen Duftwolke aus Westcoast Folkpop, die sich in einer Prä-Punk Garage zart, aber bestimmt ausbreitet, gleiten die Stücke durch die Minuten und nach mehreren Durchgängen hat sich das Falsett-lastige "Canyon" zum Ohrwurm einer Platte ohne Durchhänger gemausert.

"Battery Lane" ist der Name einer Straße in Bethesda, MD und dort, im Großraum Washington, DC hat Zack einmal gelebt. Diese Nummer markiert für mich das absolute Highlight des Albums. Perfekt arrangiert und choreografiert ist es bei aller Dichte und traurig klingendem Tenor eine Offenbarung in Sachen Melodie und Refrain im Singer/Songwriter-Genre. Zack allerdings in diese Schublade zu sperren wäre zu kurz gesprungen, denn die Kommode, in der diese Schublade steckt, hat noch viele weitere Fächer zu bieten. Allen wohnt eine Stimmung inne, die keine Zweifel lässt, dass da jemand einiges vom Leben erzählt. Und dazu nutz er auch einiges an musikalischen Reminiszenzen.

"Battery Lane" ist ein Album, das mit den Durchläufen wächst und dass mit keiner auf den Gedanken kommt, nach den ersten Stimmbandschwingungen des Openers den Player auszuschalten. Ihr werdet "Canyon" lieben.
Zack ist übrigens im Mai in Deutschland unterwegs,


Tracklist "Batttery Lane":

  1. Canyon
  2. Better Days
  3. Wash Away The Pain
  4. Woodley Park
  5. Battery Lane
  6. Washington DC
  7. 25 Years
  8. Alice
  9. Incredible
  10. Colors
  11. Comet

Gesamtspielzeit: 37:25, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
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