«

»

Trigon / Cosmic Kraut Jam – Digital-Review

Trigon / Cosmic Kraut Jam – Digital-Review

Puh, Stoff der Jam’n’Kraut’n’Fusion Psychedeliker Trigon als Digital-Review?

Musik dieser Art muss man auch ’sehen', also da muss sich der riemengetriebene Plattenteller drehen. Wobei: In meiner Tageszeitung stand heute ein Artikel, der mit »Neue Regeln für die Cyber-Sicherheit in Neuwagen …« untertitelt war. Sapperlot, Cyber-Sicherheit im Auto? Ok, ich gehöre auch zu denjenigen, die für das Telefonieren während der Fahrt nicht bestraft werden, weil ich Dank Technik die Hände am Steuer lassen kann. Und ich kann die Trigon-Files in digitaler Form auch auf verschiedenen Geräten hören, ohne den Plattenspieler auf Touren bringen zu müssen. Aber im Prinzip denke ich schon, dass Bewährtes und Gewohntes doch oft die bessere Wahl ist. Also, Autofahren ohne Cyber, Kraut und Psychedelic auf Vinyl und Kaffee nicht im To Go-Becher.

Mein Kaffee dampft nun in der Tasse und ich weiß, dass sich "Cosmic Kraut Jam" ab Mai diesen Jahres auch auf vielen Plattentellern drehen wird, denn das Album wird final als Vinyl veröffentlicht. Handgepresst, auch in bunt, natürlich limitiert, aufgenommen »in Spacechicks eigenem Kamasutra Record Bunker«. Und wie sehr oft – Gottseidank – wird Musik dieser Güte auch mit höchster Güte serviert, was nichts anderes bedeutet, als dass Mix und Mastering in den Händen von Klanguru Eroc lagen.

»Höre den Ruf des Großen Spacechicks!«

Altes und Bewährtes also was das Medium und die Klangtechnik betrifft. Und auch die Musik – »Heavyzenjazz«, sagt die Band dazu – ist bewährt, aber mitnichten alt im Sinne von 'alt'. Zeitlos trifft es eher und aufgenommen wurde das Ganze im Herbst 2023. Nach der letzten Platte hat der andere große Guru ein paar Bremsen bestätigt, sodass der Rainer weder mit der linken, noch mit der rechten Hand die Gitarre liebkosen konnte, die nächste Bremse hatte den Aufdruck Corona und schließlich verließ der langjährige Drummer Tihomir Lozanovski das Trio.

Das Trio um die beiden Lange-Brüder hatte im Verlauf so einige Drummer im Line-up und mit Rudi Metzler ist nun wieder ein ehemaliger und altgedienter Hau(drauf)degen für das Bearbeiten der Felle zuständig. Und dass er das mit Bavour tut, kann man gleich beim ersten Track "Achtung Traumspoiler" hören. Gleich beim ersten Track – das hört sich jetzt irgendwie nicht so richtig an, denn dieser fast Halbstünder nimmt die komplette erste Seite der Langrille ein. »Handgemachte Musik, roh und unverfälscht«, sagt Trigon und wer die Musik des Dreiers kennt, wird zustimmend mit dem Kopf nicken.
Allerdings bedeutet roh und unverfälscht nicht, dass das klingt wie ein altes Auto ohne Cyber-Ausstattung. Es klingt eher echt und unverfälscht. »In Zeiten des digitalen Rauschens, wo synthetische Klänge die Oberhand gewinnen, sehnen wir uns nach dem Ursprünglichen, dem Authentischen« ist bei den Musikern zu lesen.

Und genau so ist das; ohne Nachbesserungen (ich kann 'eh nichts finden, was zu Verbessen wäre), ohne Feintuning, ohne aus 100 Takes den passenden zu suchen. Quasi live, könnte man sagen. Wie aus dem Fass direkt ins Glas, »pur und unabgesprochen«, organisch, nicht industriell und daher an nichts gebunden und einfach im Ohr, um die Hörer zu erfreuen. Entstanden sind die Aufnahmen bei verschiedenen Sessions, quasi beim Proben und die Musiker waren davon so überzeugt, dass sie sich zur Veröffentlichung entschlossen. Die Musik: du musst nicht auf Sachen wie Strophe, Bridge, Licks, Refrain und Konsorten achten; Rainers Gitarre, Stefans Fünfsaiter und Rudis Schießbude interagieren flüssig miteinander und wenn man von Leidenschaft und Hingabe in den Jams spricht, dann kann man das hier auf Spacechicks Reise durch den psychedelischen Kosmos zu jeder Zeit spüren. Im Studio zusammengezaubert könnte das nicht besser sein, wahrscheinlich wäre dann weniger von der spontanen Magie zu spüren.

Das Schlagzeug rollt, wumst, treibt an und ölt die Maschine und wenn, geschmierten Pleulstangen gleich, die Saiten einfallen ist das, als ob zusammenkommt, was zusammen gehört. Und ich muss gestehen, es ist schon ok, dass man nicht aufstehen muss, um "Guten Morgen Aurora", "Hinterm Ereignishorizont" und "Setzt das Sonnensegel" zu hören, denn digital entfällt das Umdrehen der Schallplatte und so natürlich das Pausieren des Space-Trips. Die Musiker ziehen alle Register, die mit ihren Handwerkzeugen möglich sind und so schraubt sich die Gitarre natürlich auch schon mal hoch bis an den Ereignishorizont, setzt auf wabernde Wah Wah-Effekte, bleibt bei allem Einsatz aber stets dem Gesamtfüge zu Diensten und verfällt nicht in Frickeleien. Solche würde der gleichberechtige Tieftöner wohl auch nicht zulassen, denn ohne ihn wäre das Ganze wie ohne das Drum Kit: nur die halbe, bzw. die drittel Miete.

Trigon ist nur dann Trigon, wenn die drei Protagonisten gemeinsam durch die Sphären reisen und ihre krautigen und spacigen Jams zelebrieren, Losgelöst von jedweden Anpassungen und Konventionen sind sie nur dem intensiven, organischen und handgemachten Klangkosmos verpflichtet. Und ihren Fans, die dieses neue Album sicherlich bereits mit Spannung erwarten.

"Cosmic Kraut Jam", der Name ist Programm und wer sich noch nicht sicher ist, ober er die Reise antreten will, am Ende dieses Artikels gibt es einen Teaser.


Line-up Trigon:

Rainer Lange (Gitarre)
Stefan Lange (Bass)
Rudi Metzler (Drums)

Tracklist "Cosmic Kraut Jam":

A-Seite

  1. Achtung Traumspoiler (23:20)

B-Seite

  1. Guten Morgen Aurora (8:21)
  2. Hinterm Ereignishorizont (3:14)
  3. Setzt das Sonnensegel (10:03)

Gesamtspielzeit: 44:58, Erscheinungsjahr: 2024

Und nun der Teaser:

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
Über mich
Meine Seite im Archiv
News
Mail: ulli(at)rocktimes.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>