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Legs On Wheels / Gobble – CD-Review

Legs On Wheels / Gobble – CD-Review

Der musikalische Pfad führt mich nun nach Manchester. Von dort stammt die fünfköpfige Band Legs On Wheels, die dem Genre Progressive/Art-Rock zugeordnet wird. Mit "Gobble" legt man das dritte Album vor. Damit wir alle wissen wohin uns der Weg führt, belehrt mich die Presse-Info wie folgt: »Auf ihrem dritten Album "Gobble" verbinden sie die klassischen Canterbury-Einflüsse mit modernen Klängen aus Punk, Psychedelic, Art Rock und progressiven Rock-Spielarten. Das Ergebnis ist ein abwechslungsreiches, energiegeladenes Album voller überraschender Wendungen, schräger Ideen und einer gehörigen Portion britischem Humor.«

All diese verschiedenen Einflüsse verbinden sich zu einer spannenden Melange, was sich rasch zeigt, spätestens beim zweiten Song des Albums, der mich mit der einen oder anderen Passage auch ein wenig an Frank Zappa denken lässt. Und so, und damit kann die Musik punkten, bleibt eigentlich nichts, wie es ist, will heißen, die Abwechslung steht klar im Fokus der Ausführungen der acht Songs des Albums. Und das klingt oft auch recht humoristisch, gesanglich assoziiere ich mitunter auch hin zur Band Sparks, mit der von dort mitunter bekannten Art von Theatralik.

Durchweg stoße ich auf ein hohes Maß von Eigenwilligkeit und das getragen von recht viel 'Unruhe', man schwingt sich von einer Stimmung in die andere. So vernehme ich Anklänge an Soft Machine, an Caravan, an Genesis oder Gentle Giant, und dennoch verbreitet "Gobble" so gar nicht die typische Spielweise von Prog Rock. Das hier ist anders, geht über das hinaus, und bürgt für ganz große Unterhaltung,

Neben Elementen harten Rocks gibt es verspielte melodische Passagen, hier und da ein Häppchen Punk, und wenn sich auf "Peekaboo" hektisches Tempo einstellt, und die rockende Basis stets wieder von unterbrechenden Stimmungswechseln bestimmt wird, dann meint man schon wieder, sich in einer anderen Umgebung zu befinden. Allen Songs gemein ist dieser hetzende und unruhige Gesang mit einer dicken Prise von Melodramatik. Und stets bleibt jedes Stück in sich bereits sehr abwechslungsreich und brilliert mit diesen ständigen Wechseln; kaum hat man sich eingestellt auf eine Stimmung, schon muss man sich wieder rasch umstellen.

Für Freunde*innen gradlinigen Rocks mag das nervig sein, doch alle fiejenigen, die zum Beispiel die Musik von Frank Zappa mögen, sollten frohlocken, denn diese Ausprägungen nervöser Unruhe und dezent verrückter Spielart fordert heraus, man muss sich auf die Musik von Legs On Wheels voll einlassen, sonst könnte man verzweifeln, alles recht avantgardistisch und ungewöhnlich, also – immer schön am Ball bleiben, man könnte etwas versäumen!

Nun wird es auch noch ganz verrückt mit der "Essenszeit für eine Ratte"! Ja, "Dinner Time For Rat", da springt mir auch noch die eine oder andere Assoziation diverser ’schräger' Bands entgegen, sogar etwas von Captain Beefheart könnte hier zutreffen. Etwas rotzige Gitarrenriffs treffen auf ein wenig Punk-Stimmung, aber auch ein Tick Jazz scheint sich hier und da einzuschleichen, und immer wieder wird es auf gewisse Weise humoristisch! Als wäre das Alles noch nicht genug, wird zum Schluss noch das fast elfminütige "Masteroid" präsentiert, Zeit genug für die Band, sich mit all ihren Eigenarten vollends auszutoben,

Mithin, ein frischer Wind, oder besser, ein Orkan, durchweht die mitunter eingeschlafene Prog-Rock-Gemeinde und schüttelt gehörig ganz avantgardistisch am Gebäude! Und dabei fällt auf, wenn man genau und öfter lauscht, dass man sich durchaus in diesem großen Haus gut umgesehen hat, und das eine oder andere Element gestandener Bands geschickt aufgegriffen hat, manchmal muss ich gar daran denken, dass es vielleicht sogar auf gewisse Art das eine oder andere Mal parodistisch klingt.


Line-up Legs On Wheels:

Danny Murgatroyd (vocals, guitar, EWI, flute, apes & monkeys)
Ged Hawksworth (drum kits, blocks, tinkles, shakers, gong drum, tambourine, vocals, spoken word – #8)
George Roberts (organ, synth, piano, electric piano, vocals, acoustic guitar, classical guitar, tambourine, castanets)
Alex Crumbie (guitars, vocals, gong, blocks, shaker)
Dean Stoloff (bass guitars, vocals)
Oysters: Legs, Ruth Allen, Ellie Ocock, Hugh Gibbs, Yasmin Ferreras Greenwood

Tracklist "Gobble":

  1. Oysters On The Half Shell (5:27)
  2. A.P.E.S. (4:06)
  3. Winner Winner (4:04)
  4. Peekaboo (3:13)
  5. Waiting For His Drowning (6:07)
  6. Centipede (6:26)
  7. Dinnertime For Rat (5:07)
  8. Masteroid (10:47)

Gesamtspielzeit: 45:21, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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